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Altersschwäche: Steigende Kitschtendenz

Von Florina Schwander 16. Dezember 2013 Keine Kommentare

AdventskranzSo, heute geht es – wie in meinem letzten Post angekündigt – weiter mit etwas Altersgesülze. Gesülze ist hierbei das richtige Wort, denn je älter ich werde, desto mehr dringt die Kitschader in mir durch! Und das merke ich jeweils am besten in der Weihnachtszeit.

Früher (ja früher!), da konnte mir der komplette Advent gestohlen bleiben, mal abgesehen vom Glühwein. Ich machte einen Bogen um (singende) Weihnachtsbäume, Samichläuse ekelten mich an und an Weihnachten mochte ich höchstens die feinen Güetzi. Sämtlicher Kitsch in samtigem Rot in glänzend güldenem Licht liess mich kalt. Ich war wahrscheinlich auch die einzige, die die kalte Timepiece-Beleuchtung in Zürich mochte. Endlich mal jemand, der diesem ganzen Adventskitsch ein Ende setzte. Mein Hamster hiess Tito, wurde anstelle einer Ratte im Kragen meines Pullovers ausgeführt und Weihnachten fand ich genau so ätzend wie Valentinstag, Ostern und Pfingsten zusammen.

Und jetzt das. Je älter ich werde, desto mehr Gefallen finde ich an traditionellem Kitsch. Heute funkeln meine Augen ähnlich wie die aktuelle Zürcher Weihnachtsbeleuchtung, wenn ich die Lichter schon nur aus der Ferne erblicke. Letzte Woche habe ich meine Zimmerpalme mit ein paar verloren geglaubten Christbaumkugeln behängt und einen Adventskranz gebastelt. Seit meiner Pfadizeit übrigens das erste Mal, dass ich wieder einen Kranz selber gemacht habe – noch heute macht mich der Harz an den Fingern total nostalgisch und stolz!

Übrigens, falls Ihr noch auf der Suche nach Tannigem seid: Rund um die Credit-Suisse-Filiale beim Albisgüetli liegen überall frisch geschnittene Tannenzweige herum. Denn, was viele nicht wissen, man darf in einem Waldstück nicht einfach wild drauflosroden und Tannen beschneiden, wo und wie man möchte. Mitgenommen werden dürfen nur Zweige, die eh schon geschnitten am Boden liegen oder aber man schneidet selber, jedoch nur so viel, wie man mit zwei Händen tragen kann.

Zurück zu meiner Altersschwäche: Wiederum auch letzte Woche habe ich beschlossen, mal wieder zu backen. Mangels Schachteln zur Aufbewahrung bin ich dann losgezogen ins Brocki an der Steinstrasse beim Manesseplatz, um ein paar Blechdosen zu kaufen.

Nun habe ich ein bisschen Angst, wie das weitergehen wird mit mir und meiner altersbedingten Kitschader. Werde ich nächstes Jahr unseren Balkon Ami-mässig mit einem blinkenden Rentier-Santa-Schlitten behängen? Oder statt meines üblichen Parfüms nur noch Lebkuchenduft tragen, wo ich doch jeden Tag sowieso in der Küche backe? Und was passiert mit meiner Kitschliebe an den übrigen kitschbelasteten Tagen wie eben beispielsweise der Valentinstag? Nun, wir werden sehen. Für dieses Jahr habe ich jedenfalls schon mal die Blockflöte für die Weihnachtsliedersession hervorgekramt. Denn mitsingen zu den religiös-kitschigen Texten – so weit bin ich dann doch noch nicht.

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