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Christoph Sigrist

35 Blogposts
Christoph Sigrist, Blogger für Karl der Grosse
Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster und Dozent für Diakoniewissenschaft an der theologischen Fakultät der Universität Bern, Präsident des Zürcher Spendenparlamentes, Präsident des Zürcher Forums der Religionen, Mitglied in verschiedenen diakonischen Stiftungen, Armeeseelsorger. Verheiratet mit Ursi Sigrist-Knöpfel; zwei Söhne, 13 und 17 Jahre. Hobby: Musik, Berge, Fussball.Mehr über Christoph Sigrist


Das Schweigen brechen

Von Christoph Sigrist 8. Juni 2015 Keine Kommentare

Menschenrechte haben die Menschen aufgestellt, um allen zu zeigen, welche Rechte jedem zustehen sollten. Doch da sind Gitter und Mauern, Stiefel und Folter, Ängste und Armut, Demütigung und Repression, die den Menschen ihre Rechte vorenthalten und sie zum Schweigen bringen. 

Stau

Von Christoph Sigrist 27. Mai 2015 Keine Kommentare

Schon wieder ein Wochenende mit Staukolonnen hinter uns. Am Gotthard, am San Bernardino: kilometerlange Autoschlangen. Wartende Autolenker, die ihre Hunde ausführen, ihre Kinder beruhigen, alle eingeklemmt zwischen unbekannten Menschen vor und hinter ihnen, manche fluchend, andere gelassen.  

Katzenjammer

Von Christoph Sigrist 29. April 2015 Keine Kommentare

Ich bin noch einer von der alten Generation und führe deshalb meine Agenda mit Einlageblättern, die ich jedes Jahr neu kaufe. Einerseits bin ich schneller als meine Kollegen, die mit der elektronischen Agenda auf dem Handy immer noch hantieren, wenn ich die Agenda schon längst geschlossen habe. Andererseits habe ich schneller den Überblick über die Wochen, Monate und Jahre, während mein Gegenüber mit rotem Kopf behauptet, der 16. sei ein Montag und nicht ein Dienstag und nicht merkt, dass er schon 2016 aufgeschlagen hat…  

Zwischenräume und Verordnungen

Von Christoph Sigrist 15. April 2015 Keine Kommentare

Niemand bestreitet es: Die beiden Grossmünstertürme machen Zürich aus. Kaum ein Foto unserer Stadt ohne diese Silhouette; Tausende von Besuchenden, die den Turm besteigen und Zürich von oben anschauen. Und wenn dort oben die Fahnen im Wind wehen, weiss jeder und jede: Jetzt feiert Zürich sich selbst, etwa beim Sechseläuten.  

Teppiche und Kerzen

Von Christoph Sigrist 2. April 2015 Keine Kommentare

In Gesprächen, Begegnungen, aber auch per SMS und E-Mail begleite ich unterschiedliche Menschen in schwierigen Situationen. Vor einigen Tagen, an einem Freitagmorgen, schreibt mir eine leidende Person ein SMS: Sie könne die Schmerzen nicht mehr aushalten und möchte sterben und bitte mich, für sie zu beten, dass sie bald gehen dürfe. Ich schreibe ihr zurück, dass ich jetzt gleich im Grossmünster für sie eine Kerze anzünde und bete.  

Herberge? Eine Frage der Einstellung

Von Christoph Sigrist 19. März 2015 Keine Kommentare

In diesen Tagen wird die «Herberge zur Heimat» in der Geigergasse nach einer langen Phase der Renovation wieder eröffnet. Die Herberge ist ein soziales Werk der Stiftung der Evangelischen Gesellschaft und beherbergt um die 50 Männer, die durch ihr Suchtverhalten, ihre psychischen und psychosomatischen Behinderungen keinen Platz zum Wohnen in der Stadt bekommen haben und hier in unseren «Dorf» eine Heimat finden.  

Knapper Wohnraum: Kirchenräume müssen multifunktional werden

Von Christoph Sigrist 5. März 2015 Keine Kommentare

Wohnen in unserer Stadt, das kann zum Problem werden – nicht nur für Tausende von Familien, alleinerziehende Mütter und Väter, Studentinnen und «Stifte», Sans-Papiers und ältere Menschen, sondern auch für den Pfarrer am Grossmünster. Als vor fast drei Jahren die Kirchenpflege entschied, das Kulturhaus «Helferei» zu renovieren, mussten alle Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch alle Arbeitenden, für ein Jahr eine andere Bleibe suchen und finden. 

Reliquien unserer Stadt

Von Christoph Sigrist 5. Februar 2015 Keine Kommentare

Eine Schraube vom HafenkranDer Hafenkran an der Limmat ist Geschichte. Was nun?

Die rostigen Schrauben, die beim Abbruch herumflogen, wurden liebevoll aufgehoben und liegen nun da und dort als Reliquien auf dem Hausaltar in der Stube. Sie sind zu Reliquien der Stadt geworden (s. auch NZZ-Artikel von Urs Bühler).

Nicht nur wenn bei uns Schrauben locker sind, greift die Seele nach rostigen Metallen und durchlöcherten Blechen, die – zurückgelassen – Türen symbolisieren, die in neue Räume führen.  

Der Banker und die kosmische Perspektive

Von Christoph Sigrist 22. Januar 2015 Keine Kommentare

Charlie Hebdo, «Geisterschiffe», der SNB-Entscheid – mir ist, als würde unser Alltag dieser Tage von einer anderen Dimension überschattet. «Kosmische Perspektive» nennt dies ein Gesprächspartner von mir. Er ist Mitglied des Hauskreises, der sich seit Jahren im Kulturhaus Helferei trifft, um über Gott und die Welt zu philosophieren. Er ist im Finanzwesen tätig. Wir haben uns neulich wieder zum Gespräch getroffen. 

Lieblingsuhr

Von Christoph Sigrist 8. Januar 2015 Keine Kommentare

Welches ist Ihre Lieblingsuhr in Zürich? Meine ist die grosse Uhr im Hauptbahnhof. Sie ist wohl die meistbeachtete Uhr in unserer Stadt: 400‘000 Menschen eilen morgens unter ihr vorbei, wenn sie zur Arbeit pendeln. Und dieselben Männer, Frauen und Kinder hasten abends abgekämpft vom Tagewerk mit letzter Kraft zur geöffneten Tür des Zuges, der sogleich abfährt. 

Qamischli, gleich um die Ecke vom Volkshaus Zürich

Von Christoph Sigrist 13. Dezember 2014 1 Kommentar

Ich möchte heute Negems Stimme Gehör verschaffen. Ich traf sie am vergangenen Sonntag im Volkshaus im «Chreis Cheib», beim Gottesdienst der methodistischen Kirchgemeinde. Beim Abendmahl kam Negem zu mir und verlangte zwei zusätzliche Brotstücke: «Für meine Töchter.» Nach dem Gottesdienst suchte sie mich und begann zu erzählen. Einem Schwall gleich flossen Satz für Satz zu einem unheimlichen und berührenden Bild. 

Luxus

Von Christoph Sigrist 4. Dezember 2014 Keine Kommentare

In diesen Wochen bringt man mir öfter als sonst Mitleid für meine Arbeit entgegen. «Sie haben jetzt sicher viel zu tun. Advent und Weihnachten, das ist ja Ihre wichtigste Zeit.» Nun, das stimmt. Und: Zu den wichtigsten Tätigkeiten des Pfarrberufes gehören die Besuche. Von zwei Besuchen in diesen Tagen möchte ich bloggen. Sie zeigen symptomatisch, was denn wirklich Luxus ist angesichts der Luxusartikel in der weihnächtlich beleuchteten Bahnhofstrasse. 

Im Regelwald

Von Christoph Sigrist 19. November 2014 Keine Kommentare

Des Schweizers liebstes Steckenpferd ist die Leidenschaft, alles zu reglementieren. Um dies zu erkennen, braucht man nicht nach Sizilien zu gehen, wo die Schilder am Strassenrand schräg und abgewetzt in der Landschaft stehen. Dort werden sie als moderne Kunst wahrgenommen und richten sich nach keiner Norm. Bei uns in Zürich hingegen gibt es für alles ein Reglement, für vieles eine Richtlinie, für manches ein Gesetz. Kann dies noch gesteigert werden? 

Muslimisches Bier

Von Christoph Sigrist 4. November 2014 Keine Kommentare

Es gehört zu den schönsten Seiten meines Berufes, durch die Gassen unseres «Dorfes» zu ziehen und an den Türen zu klingeln. Dieses Alltagsgeschäft führt mich zu Menschen mit ihren Sorgen und Nöten, zu versteckter Armut und sichtbarem Reichtum und eröffnet einen Blick hinter die Fassade unserer Stadt. In jeder dieser Begegnungen verdichtet sich die Geschichte von Zürich. 

Dieses vermaledeite «Klick»

Von Christoph Sigrist 16. Oktober 2014 2 Kommentare

Selfie. Bild von Martin Fisch, CC BY-SA 2.0Am vergangenen Samstag gestaltete ich gleich zwei Hochzeiten in zwei unserer schönsten Kirchen: in der Klosterkirche Kappel und im ehemaligen Chorherrenstift Grossmünster, der Mutterkirche unserer Reformation. Eine der Feiern wurde für mich zur Herausforderung.