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Bitte nicht stören, ich fahre Tram

Von Brigitte Federi 27. November 2013 Keine Kommentare

Grafik ZVVWir Stadtzürcher wissen: Erlaubt ist, was nicht stört. Wir wissen aber auch, dass es in Zürich so gut wie nichts gibt, das niemanden stört. In den Wintermonaten zeigt sich das in Tram und Bus besonders gut. Das Wetter lässt viele von uns auf die ÖV umsteigen und gerade zu Stosszeiten kommen wir uns so auf engem Raum noch näher, als uns sowieso schon lieb ist. Es braucht nicht mehr viel, bis wir uns übereinander ärgern. Ich habe mich ein wenig umgehört und zusammengetragen, was Zürcher ÖV-Benutzer nervt an ihren Mitfahrern.

Da wären allen voran die erkälteten Fahrgäste. Sie ziehen die Nase hoch, putzen sie lautstark und husten in den Nacken der Person, die vor ihnen sitzt. Ich gebe zu, sie sind auch meine persönlichen Favoriten, und über die Jahre hinweg habe ich mir verschiedenste Lösungswege ausgemalt: Ein Nastüechli-Obligatorium während den Wintermonaten oder die Installation eines Nastüechliautomaten in Tram und Bus (im Sommer könnte man ihn mit Deos auffüllen). Denkbar wäre auch eine Wegleitung der VBZ mit dem Titel «Korrekt husten im öffentlichen Verkehr». Sie dürfte in keinem Fahrzeug fehlen.

Weiter geht es mit Mitfahrern, die man schlecht überhören kann. Sie reden zu laut, haben bei ihren Handys die Tastentöne aktiviert, den Klingelton zu laut eingestellt, hören über schlechte Kopfhörer schlechte Musik oder sind Kinder, die ab und zu einen Ton von sich geben. Nicht ganz einfach, hier eine Lösung zu finden. Vielleicht hilft ein altes Sprichwort: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Das gilt übrigens für beide Seiten.

Vergessen wir nicht die Eltern, die mit Kinderwagen unterwegs sind. In die gleiche Kategorie gehören auch Fahrgäste mit grossen Rucksäcken, Koffern oder anderem Gepäck. Auch Ihr könnt es niemandem recht machen. Am besten verlegt Ihr Eure Fahrt auf eine Randzeit, und wenn das Eure gesamte Tagesplanung über den Haufen wirft. Oder legt die Strecke zu Fuss zurück. Als einstige Betroffene empfehle ich das insbesondere den Kinderwagenbesitzern. Ihr erspart Euch so auch gleich die bösen Blicke an den Haltestellen, wenn Ihr Wildfremde bittet, Euch beim Einsteigen zu helfen. Und der Nachwuchs war bis zum Abend garantiert genug lang an der frischen Luft.

Zu guter Letzt sind da noch diejenigen, die sich in Tram und Bus zu Hause fühlen. Sie essen und trinken unterwegs und sind sich nicht bewusst, dass sich ihre Mitfahrer über Abbeiss-, Schmatz-, Kau- und Schluckgeräusche ärgern. Andere in dieser Kategorie schminken und frisieren sich, feilen sich die Finger- und schneiden sich die Zehennägel auf ihrem Tramsitz. Letzteres würde wohl nicht nur mir den Appetit verderben.

Vielleicht sollten wir radikal vorgehen und über alle uns störenden Mitfahrer ein ÖV-Verbot verhängen. Ich stelle es mir bildlich vor: Während uns das beheizte und beleuchtete Tram heil nach Hause fährt, beobachten wir durch die Fenster Horden von erkälteten, schwer beladenen, essenden oder barfüssigen Menschen, die sich durch den Schneesturm auf den langen Weg nach Hause machen.

Eine absurde Vorstellung, oder? Mit der Toleranz, die wir uns als weltoffene Städter gerne zuschreiben, scheint es in Zürich halt doch nicht allzu weit her zu sein. Aber ich gebe zu, das beschriebene Szenario hätte einen entscheidenden Vorteil: Es wäre angenehm leer im Tram.
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Quelle Bild: Stadt Zürich, VBZ.

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