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Blättern Sie sich bei Karl die Finger wund

Von Catarina Mettler 24. Oktober 2013 3 Kommentare

Zeitrschriftensortiment Karl der GrosseDas grossartige Sortiment an Zeitschriften im Restaurant Karl verleitet mich zum Nachdenken über digitale Medien – und warum ich manchmal die Abenteuer von TKKG vermisse.

Nostalgie ist ja nicht so mein Ding. Diese Verklärung der Vergangenheit – «hach, früher war alles besser» – hat sich bis jetzt noch nicht in meinen aktiven Wortschatz eingeschlichen. Die Panik über die angebliche Verdrängung der klassischen Medien durch neuere, digitale Angebote hat mich bis jetzt noch nicht erfasst. Ich mag E-Books. Zeitungen lese ich online. CDs vermisse ich nicht sonderlich, das Booklet drin genauso wenig. VHS-Tapes und Kassetten? Oh well, schön war‘s mit euch.

Es bleibt nicht immer alles gleich, so ist das halt. Auch bei Karl der Grosse nicht. Mit etwas Verspätung hat auch er den Weg ins digitale Zeitalter gefunden und twittert, postet, bloggt und instagrammt.

Und trotzdem: ein bisschen old school sind wir immer noch. Wenn man beim Restaurant Karl die paar Treppenstufen hochgeht, dann hat’s rechts ein Regal mit Zeitschriften. «Umfassend» wäre wohl eine Untertreibung, um dieses Zeitschriftensortiment zu beschreiben. Meine tolle Mitpraktikantin Ladina Barbadimos ist der Mastermind hinter diesen Zeitschriften – dank ihr sind es schon mindestens 40 verschiedene Zeitschriften, die der Karl nun abonniert hat. Und mindestens jeden zweiten Tag erzählt sie mir von einer neuen Zeitschrift, die wir unbedingt haben müssen. Etwa die Hälfte dieser 40 hab ich nicht gekannt, kein Witz. Das ist aber nicht sehr erstaunlich, bis dato dachte ich, das Magazin der Zeit sei das Höchste der Gefühle.

Nun weiss ich’s besser.

Zum Beispiel gibt’s da ein wunderschönes Heft namens Reportagen, in dem jeweils sechs Autorinnen und Autoren über wahre Geschichten dieser Welt berichten. Vom Leinen-Einband gar nicht erst zu reden. Oder dann gibt’s Dummy. Das Gesellschaftsmagazin wird jedes Mal von einem anderen Team gestaltet, entworfen und geschrieben. Einmal, da berichtete Dummy über die Schweiz. Auf dem Titelblatt hiess es: «Schweizer können kein Deutsch. Sie sind langweilig und bieder. Sie verstecken das Geld von Diktatoren und im Fussball sind sie totale Nieten». Grossartig, nicht?

Ich könnte jetzt hier noch für lange Zeit weitermachen. Brand eins. Haben wir. Cicero? Auch hier. Transhelvetica? Logo. Effilee? Anwesend. Undsoweiter. Undsofort.

Als ich nun so vor dem Regal stand und diese ganzen gedruckten Seiten anschaute, da fühlte ich mich plötzlich doch ein bisschen nostalgisch – und lobte die Zeit, als Printprodukte noch die Welt regierten und Kinder die Abenteuer von TKKG verschlangen. Ist eben schon schön, dieses Papier anzufassen. Schwer zu beschreiben, aber Sie wissen bestimmt, was ich meine, nicht? Dazu kommt der Inhalt: kluge Artikel, Reportagen und Berichte über Dinge, von denen ich mehr wissen sollte. Ein in sich abgeschlossenes Werk, an dem eine Unzahl an Menschen mitgearbeitet und mitgedacht hat. Vom Grafiker zum Journalisten zur Typografin.

Meinen anfänglichen Äusserungen zum Trotz: Nicht alles muss digital sein. Das gedruckte Wort hat eine ihm eigene, sehr spezielle Qualität. Wenn es dazu noch kluge Gedanken transportiert, umso besser. Drum kommen Sie zum Karl und blättern Sie sich die Finger wund!

 

> Unser Zeitschriftensortiment

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3 Kommentare

  • Michael

    Fantastische Auswahl an Magazinen, gut gemacht!

  • Friedel

    Klasse Blog. Macht Lust auf mehr!

  • Margareta Agata

    Da muss vorbeischauen, einen nebligen Novembernachmittag mit lesen verbringen! Gibt’s auch Kaffee ?

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