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Winterreden 2019: Claudia Schumacher

Von Claudia Schumacher 31. Januar 2019 Keine Kommentare

Hoi zäme, Grüezi mitenand! Wow, es hat exakt niemand von euch zurück gegrüsst. Aber das ist ok, so ist es oft, wenn ich versuche, etwas auf Schweizerdeutsch zu sagen.

Ihr habt bestimmt schon gemerkt: Ich bin Deutsche. Ich habe mehr als sechs Jahre in der Schweiz gelebt, seit kurzem bin ich zurück in Deutschland. Aber ich glaube, ich zieh bald wieder in die Schweiz. 

Winterreden 2019: Nils Melzer

Von Nils Melzer 25. Januar 2019 Keine Kommentare

«Wer sind wir? Wer wollen wir sein?»

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Freunde,

Ich gebe zu, es ist schon sehr speziell, hier von diesem Erker aus eine Rede zu halten, über diesen Gassen, die geradezu vollgestopft sind mit Erinnerungen aus meiner Kindheit, Jugend und Studentenzeit. Ein bisschen wie eine Vortragsübung in der Schule, vor den versammelten Klassenkameraden, denen man ja wirklich nichts vormachen kann, auch 30 Jahre später nicht. Ich werde daher gar nicht erst versuchen, besonders gescheit daherzukommen, sondern werde Euch einfach von dem erzählen, was mich zurzeit am meisten beschäftigt in dieser Welt, von meinen Sorgen, Hoffnungen und Gedanken. Und ich bin Euch dankbar für Euer Zuhören und Eure Freundschaft, wie schon damals auf dem Schulhof, in der Aula, und an unzähligen anderen Treffpunkten in unserer gemeinsamen Stadt. 

Winterreden 2019: Barbara Frey

Von Barbara Frey 23. Januar 2019 Keine Kommentare

Adelheid und die Geister

Über die Rivalität zwischen den Städten Basel und Zürich ist unendlich viel geredet, gestritten und geschrieben worden. Die unterschiedlichsten Argumente wurden angeführt, um entweder die eine oder die andere Stadt im Vorteil zu sehen. Es ging immer, mehr oder weniger offiziell, um „Überlegenheit“. Die Basler seien den Zürchern geistig überlegen, das beweise ja schon die erste Universitätsgründung der Schweiz am Rheinknie im Jahre 1460, hörte man oft aus Basler Kreisen.
Spätestens im neunzehnten Jahrhundert habe aber der grosse, innovative Unternehmer Alfred Escher den konservativen Basler Kulturhistoriker Jacob Burckhardt überflügelt und damit habe Zürich Basel abgehängt, konterten die Zürcher.
Die Basler Fasnachtskultur habe immer geistreich über die Zürcher Bünzli, Banker und Zünftler hergezogen, diese das Fürchten gelehrt und aufgezeigt, dass es den Zürchern gänzlich an Selbstironie und Humor fehle. Zürich habe aber für derlei Behauptungen mittlerweile nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig, da die Stadt praktisch doppelt so gross wie Basel geworden sei. Man sehe dies schon von blossem Auge, wenn man zum Beispiel auf der weltstädtischen Bahnhofstrasse flaniere und dabei ans kleine, spiessige Basler Pendant denke: die lächerliche Freie Strasse. Basel wiederum spiele aber besser Fussball, Zürichs Zoologischer Garten habe jedoch den Basler längst überholt etc. etc. 

Winterreden 2019: Mathias Binswanger

Von Mathias Binswanger 22. Januar 2019 Keine Kommentare

Liebi Zuhörerinnen und Zuhörer

I freue mi hüt obig mit Ihne über sPhenomen vode sogenannte Tretmühli vom Glück zrede. Da Phenomen zeigt, dass mir zwar immer meh hend, aber nöd glücklicher werded. Diä Tretmühli chönd Sie sich vorstelle wie die Grät im Fitnessstudio, wo Sie immer uf de Stell treted und nöd vorwerts chömed. I ha dodezue au e Buech gschribe, da isch im Moment vegriffe, wird aber bald wieder zchaufe si. I wird jetzt aber schnell uf Hochdütsch wechsle, will Sie sich worschinli jetzt scho dänked: «I dem St. Galler Dialekt chani das nöd ernst neh!» 

Winterreden 2019: Kathrin Altwegg

Von Kathrin Altwegg 21. Januar 2019 Keine Kommentare

Liebi Zürcherinne u Zürcher, liebi Schwyzerinne u Schwyzer, liebi Ärdebürgerinne u –Bürger

Als Iwohnerin vo Bärn, Heimetort Basel und ursprünglech usem Solothurnische fühli mi geehrt hüt vom Fänschter vom Karl em Grosse dörfe z’rede. I nime a, dass dir alli wüsset, wenn dä Herr gläbt het. Gschtorbe isch er vor meh als 1200 Johr, im Johr 814 n Chr. 1200 Johr, e schtolzi Zahl. Das si ungefähr 40 Mönschegeneratione. Mir Mönsche hei es schlächts Zytgfühl für so grossi Zytrüm u durum isch afangs Johr e gueti Zyt, sech en Ougeblick Zyt z’näh um üses Mönscheläbe und üsi Bedütig i der Gschicht vom Universum i z ordne. 

Winterreden 2019: Marco Solari

Von Marco Solari 21. Januar 2019 Keine Kommentare

In den Dörfern und Städten der «ennetbirgischen Vogteyen», wie das Tessin vor Napoleon hiess, errichteten (als Bonaparte die Eidgenossenschaft eroberte, das Tessin aber von den Landvögten befreite) die Einheimischen vor zweihundert Jahren Freiheitsbäume. Liberi e svizzeri, lautete das Motto. «Frei und Schweizer!»
So will es die Geschichte, so will es der Mythos. Doch Geschichte ist nie ganz wahr, Mythen nie ganz falsch. 

Winterreden 2019: Laura de Weck

Von Laura de Weck 21. Januar 2019 2 Kommentare

Guten Abend!

Wie schön, dass Sie da sind, trotz Kälte. Und damit Sie nicht lange frieren, fange ich direkt an, und zwar mit einer persönlichen Geschichte:

Vor über zehn Jahren bin ich nach Deutschland gezogen, nach Hamburg. An einem der ersten regnerischen Winter in Hamburg rief mich eine Freundin komplett verheult an, sie weinte bitterlich am Telefon. Sie weinte und weinte: Ihr Freund sei grausam, er sei ein fürchterliches Arschloch, ich solle bitte sofort zu ihr kommen.

Da ich wusste, dass meine Freundin hochschwanger war, schmiss ich mich sofort aufs Fahrrad, fuhr durch den Regen, durch die Stadt, und dachte: Oh Gott, was hat ihr Mann bloss gemacht? Hat er sie betrogen? Oder sogar verlassen? Oder noch viel Schlimmeres? 

Winterreden 2019: Anna Rosenwasser

Von Anna Rosenwasser 21. Januar 2019 Keine Kommentare

Stell dir vor, du stehst in einem altehrwürdigen Erker, mitten in der Zürcher Innenstadt, und vor dir, ja unter dir, stehen Dutzende von Menschen und gucken hoch. Hören zu. Du siehst auf sie runter. Wenn du ironisch bist, machst du dich über dieses dramaturgische Machtgefälle lustig. Wenn du nicht ironisch bist, findest du es recht befremdend. 

Winterreden 2019: Kurt Aeschbacher

Von Kurt Aeschbacher 21. Januar 2019 Keine Kommentare

Liebi wätterfeschti Froue, Manne u Ching,

I möcht sozäge als Präambel oder uf Neudütsch gseit: als Disclaimer mim Glafer folgendes vora stelle:
Wo ig für die ominöse, mir bishär völlig unbekannte Winterrede (als Bärner im Zürcher Exil bini halt e chli langsam im Adaptiere vo lokale Gepflogeheite) wo ig also für dä Uftritt bi agfragt worde, bini zersch dervo usgange, dass es sech bi dere Gschicht umne vorweihnächtleche Aprilscherz handled. Bsungers wüll mit der Afrag a mi d’Ufforderig verbunde isch gsi, ganz im Sinn vom Karl dem Grossen TACHELES ds rede. DIE Erwartig steit natürlech im totale Widerspruch zu mire bishärige Tätigkeit: Dir müesst wüsse: Als Unterhaltigsfuzzi isch me per Definition ja nid derzue beruefe, angerne Lüt d’Levite ds läse, geschweige denn halbwägs gschidi Gedanke ds serviere, wo sechs derfür ersch no würd lohne, vorusse usdsharre. I mim Bruef als Moderator besteit ja d’Ufgab primär dadrin, de Mönsche d’Zit vorem Bildschirm zwüsche zwene Wärbeblöck müglechst provokationsfrei hälfe ds überbrücke. Beziehigswis es schlafends Fernsehpubkum NID mit allzu lute Tön ds erschrecke. Drum chani nume rate: 

Winterreden 2018: Svenja Goltermann

Von Svenja Goltermann 26. Januar 2018 Keine Kommentare

Über Sprache und Gewalt, über Verletzlichkeit und Anstand

Am 23. Oktober letzten Jahres habe ich die freundliche Einladung erhalten, in diesem Januar an dieser wunderbaren Veranstaltung im Karl der Grosse teilzunehmen, um eine der neun „Winterreden“ zu halten. Diese Einladung liegt also ziemlich genau drei Monate zurück, und sie ist damit ähnlich alt wie eine Diskussion, die derzeit wie höchstens noch die Debatte um den richtigen Umgang mit dem „Rechtspopulismus“ die deutschsprachigen Massenmedien und sozialen Netzwerke bestimmt. Ich spreche von der Debatte um #Metoo, die ihren Ausgangspunkt bekanntlich ebenfalls letzten Oktober hatte, als eine Reihe von Schauspielerinnen dem Filmproduzenten Harvey Weinstein Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorwarfen. 

Winterreden 2018: Liska Bernet

Von Liska Bernet 25. Januar 2018 Keine Kommentare

Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer

Stellen Sie sich vor, Sie leben mit ihrer ganzen Familie in einem Campingzelt: Im Sommer, im Winter, bei Regen und Schnee. Sie teilen mit 1000 anderen Menschen eine einzige Dusche. Liebe Frauen, stellen Sie sich vor ein Kind zu gebären und am selben Tag zurück in ihr Campingzelt geschickt zu werden, das bei Temperaturen von über 40° in der prallen Sonne steht – oder im Schlamm, der sich mit Fäkalien mischt, weil es keine funktionierenden Toiletten gibt. Was würden Sie machen, wenn Sie regelmässig vergewaltigt werden in Ihrem Zelt, Sie dies den NGOs und Behörden melden, aber niemand reagiert?  

Winterreden 2018: Yves Bossart

Von Yves Bossart 24. Januar 2018 1 Kommentar

Über die Liebe, die Schönheit und das Glück

Alles begann mit einem Daumenwisch. Ich war bei einem Freund zuhause. Er ist Single und seit kurzem auf Tinder. “Tinder“, das ist keine Droge, sondern der Name einer erfolgreichen Dating-App: Jeder Teilnehmer legt ein Profil von sich an, mit wenigen Fotos und einer Kurzbeschreibung, die niemand liest. Was zählt, ist das Foto. Anhand des Fotos entscheide ich, ob ich an einer Person interessiert bin oder nicht. Wenn ja, wische ich auf dem Smartphone mit dem Daumen nach rechts, wenn nein, nach links. Findet mich die andere Person ebenfalls attraktiv, haben wir einen “Match“ und können miteinander in Kontakt treten. So funktioniert Partnerfindung im 21. Jahrhundert. 

Winterreden 2018: Julia Weber

Von Julia Weber 23. Januar 2018 Keine Kommentare

Meine Freundin, die eine Frau ist

Meine Rede, die eine Geschichte ist. Aber das mit dem Winter, das stimmt. Ich will euch die Geschichte einer Freundin erzählen, die ich erfunden habe.
Meine Freundin, die eine Frau ist.

Man sagte ihr, so erzählte sie mir, sie habe einen Glockenkörper.
Glockenkörper, wiederholte ich.
Glockenkörper, sagte sie, man habe sie auch wissen lassen, dass das nicht die schlimmste aller Körperformen sei. Es gebe noch ganz andere. Schlimmere Frauenkörperformen. Es gäbe die Tropfenform, da sei sie nicht, aber, so sagte man ihr, aufpassen müsse sie nicht dort hin zu kommen. 

Winterreden 2018: Daniel Egli

Von Daniel Egli 19. Januar 2018 Keine Kommentare

Soo, de letschti Gloggeschlag vom Grossmünschter verklingt.
Es hät gschället, Fründe! Ja, es hät würkli gschället.
“Jetzt häts gschället” heisst’s amigs im Hallestadion, wenn eine uf d’Strafbank muess. Also, wenn eine vo dene zahlucke-grinsende Schwede im Dress vo de Leue some Luganesi de Stock zwüsched d’Scheiche ghämmeret hät. Oder suscht öppis bosget hät. Denn hät’s gschället. Und es hät eine öppis bosget, Fründe. Oder besser gsait eini: d’Stadt Züri! 

Winterreden 2018: Patti Basler

Von Patti Basler 18. Januar 2018 Keine Kommentare

Liebe Zürcherinnen und Zürcher,

ich komme aus dem Westen zu euch, als Abgesandte, quasi. Aus dem Westen. Und aus dem Westen, denkt man, komme alles Gute: Aufklärung, vingt-six minutes und Alain Berset. Oder Paris. Samt BewohnerInnen.

Im Gegensatz zum Osten. Aus dem Osten kommt alles Schlechte: Da gibt’s Putin, Kohlebergwerke. Und Appenzell Innerhoden.

Aber eigentlich, liebes Zürich, wenn man das etwas differenzierter betrachtet, gibt’s auch im Osten Gutes: Den Taj Mahal, das Bünderland und die Olma-Bratwurst. Ohne Senf. Und bald auch ohne Beilage, uf St. Galler-Dütsch: ohni Bilag. Will lueget emol, liebi Zürcherinne, je witer dass mer in Nahe’n’Oschte goht, desto breiter wärde d’Schnurre. S’Trudi Gerschter selig oder de Matthias Hüppi, die hend sone breits Muul, dass mer chönnt meine, im St. Gallische’n’usse gäb’s e Wettbewerb im Olma-Brotwurscht quer is Gfräss ine schiebe. Ohni Senf

Defür hend’s immer sone Lache im Gsicht, sind immer so ufgstellt, immer sone Lache im Gsicht.