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Winterreden 2018: Svenja Goltermann

Von Svenja Goltermann 26. Januar 2018 Keine Kommentare

Über Sprache und Gewalt, über Verletzlichkeit und Anstand

Am 23. Oktober letzten Jahres habe ich die freundliche Einladung erhalten, in diesem Januar an dieser wunderbaren Veranstaltung im Karl der Grosse teilzunehmen, um eine der neun „Winterreden“ zu halten. Diese Einladung liegt also ziemlich genau drei Monate zurück, und sie ist damit ähnlich alt wie eine Diskussion, die derzeit wie höchstens noch die Debatte um den richtigen Umgang mit dem „Rechtspopulismus“ die deutschsprachigen Massenmedien und sozialen Netzwerke bestimmt. Ich spreche von der Debatte um #Metoo, die ihren Ausgangspunkt bekanntlich ebenfalls letzten Oktober hatte, als eine Reihe von Schauspielerinnen dem Filmproduzenten Harvey Weinstein Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorwarfen. 

Winterreden 2018: Liska Bernet

Von Liska Bernet 25. Januar 2018 Keine Kommentare

Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer

Stellen Sie sich vor, Sie leben mit ihrer ganzen Familie in einem Campingzelt: Im Sommer, im Winter, bei Regen und Schnee. Sie teilen mit 1000 anderen Menschen eine einzige Dusche. Liebe Frauen, stellen Sie sich vor ein Kind zu gebären und am selben Tag zurück in ihr Campingzelt geschickt zu werden, das bei Temperaturen von über 40° in der prallen Sonne steht – oder im Schlamm, der sich mit Fäkalien mischt, weil es keine funktionierenden Toiletten gibt. Was würden Sie machen, wenn Sie regelmässig vergewaltigt werden in Ihrem Zelt, Sie dies den NGOs und Behörden melden, aber niemand reagiert?  

Winterreden 2018: Yves Bossart

Von Yves Bossart 24. Januar 2018 1 Kommentar

Über die Liebe, die Schönheit und das Glück

Alles begann mit einem Daumenwisch. Ich war bei einem Freund zuhause. Er ist Single und seit kurzem auf Tinder. “Tinder“, das ist keine Droge, sondern der Name einer erfolgreichen Dating-App: Jeder Teilnehmer legt ein Profil von sich an, mit wenigen Fotos und einer Kurzbeschreibung, die niemand liest. Was zählt, ist das Foto. Anhand des Fotos entscheide ich, ob ich an einer Person interessiert bin oder nicht. Wenn ja, wische ich auf dem Smartphone mit dem Daumen nach rechts, wenn nein, nach links. Findet mich die andere Person ebenfalls attraktiv, haben wir einen “Match“ und können miteinander in Kontakt treten. So funktioniert Partnerfindung im 21. Jahrhundert. 

Winterreden 2018: Julia Weber

Von Julia Weber 23. Januar 2018 Keine Kommentare

Meine Freundin, die eine Frau ist

Meine Rede, die eine Geschichte ist. Aber das mit dem Winter, das stimmt. Ich will euch die Geschichte einer Freundin erzählen, die ich erfunden habe.
Meine Freundin, die eine Frau ist.

Man sagte ihr, so erzählte sie mir, sie habe einen Glockenkörper.
Glockenkörper, wiederholte ich.
Glockenkörper, sagte sie, man habe sie auch wissen lassen, dass das nicht die schlimmste aller Körperformen sei. Es gebe noch ganz andere. Schlimmere Frauenkörperformen. Es gäbe die Tropfenform, da sei sie nicht, aber, so sagte man ihr, aufpassen müsse sie nicht dort hin zu kommen. 

Winterreden 2018: Daniel Egli

Von Daniel Egli 19. Januar 2018 Keine Kommentare

Soo, de letschti Gloggeschlag vom Grossmünschter verklingt.
Es hät gschället, Fründe! Ja, es hät würkli gschället.
“Jetzt häts gschället” heisst’s amigs im Hallestadion, wenn eine uf d’Strafbank muess. Also, wenn eine vo dene zahlucke-grinsende Schwede im Dress vo de Leue some Luganesi de Stock zwüsched d’Scheiche ghämmeret hät. Oder suscht öppis bosget hät. Denn hät’s gschället. Und es hät eine öppis bosget, Fründe. Oder besser gsait eini: d’Stadt Züri! 

Winterreden 2018: Patti Basler

Von Patti Basler 18. Januar 2018 Keine Kommentare

Liebe Zürcherinnen und Zürcher,

ich komme aus dem Westen zu euch, als Abgesandte, quasi. Aus dem Westen. Und aus dem Westen, denkt man, komme alles Gute: Aufklärung, vingt-six minutes und Alain Berset. Oder Paris. Samt BewohnerInnen.

Im Gegensatz zum Osten. Aus dem Osten kommt alles Schlechte: Da gibt’s Putin, Kohlebergwerke. Und Appenzell Innerhoden.

Aber eigentlich, liebes Zürich, wenn man das etwas differenzierter betrachtet, gibt’s auch im Osten Gutes: Den Taj Mahal, das Bünderland und die Olma-Bratwurst. Ohne Senf. Und bald auch ohne Beilage, uf St. Galler-Dütsch: ohni Bilag. Will lueget emol, liebi Zürcherinne, je witer dass mer in Nahe’n’Oschte goht, desto breiter wärde d’Schnurre. S’Trudi Gerschter selig oder de Matthias Hüppi, die hend sone breits Muul, dass mer chönnt meine, im St. Gallische’n’usse gäb’s e Wettbewerb im Olma-Brotwurscht quer is Gfräss ine schiebe. Ohni Senf

Defür hend’s immer sone Lache im Gsicht, sind immer so ufgstellt, immer sone Lache im Gsicht.  

Winterreden 2018: Markus Theunert

Von Markus Theunert 17. Januar 2018 Keine Kommentare

«Männer halten sich selbst nicht für begehrenswert, sich fühlen sich sexuell wertlos. Wenn wir also wollen, dass Männer ein anderes Frauenbild haben, dann müssen wir ihnen ein anderes Selbstbild ermöglichen».

Dieses Zitat stammt von Ilan Stephani, Jahrgang 1986. Sie hat während ihres Studiums zwei Jahre lang als Prostituierte gearbeitet und verarbeitet ihre Erfahrungen in einem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel «Lieb und teuer». Für mich war die Lektüre etwas vom Spannendsten überhaupt, das ich zur Thematik je gelesen habe. Ich kann an dieser Stelle nur einen Grund hervorheben. 

Winterreden 2018: Réda El Arbi

Von Réda El Arbi 16. Januar 2018 Keine Kommentare

Der Wert der Gemeinschaft

Herzlich willkommen zur Winterrede heute – von mir. Und danke für eure Härte in diesem Regen da draussen zu stehen und zuzuhören, was ich zu sagen habe. Ich bin eigentlich weniger der Redenschwinger und mehr der Geschichtenerzähler, oder der, der sich hinter der Tastatur versteckt. Ich habe mich heute jedoch überreden lassen, hier eine Rede zu halten zu einem Thema, was mir wirklich am Herzen liegt. Diejenigen, die das Programm gelesen haben wissen, ich sage etwas zum Wert der Gemeinschaft. Ich habe mir das Thema ausgesucht, weil ich mir Sorgen mache. Ausnahmsweise mache ich mir keine Sorgen um mich oder um meine Nächsten, sondern Sorge um das Zusammenleben, welches wir in diesem Land miteinander haben. 

Winterreden 2018: Christa Rigozzi

Von Christa Rigozzi 15. Januar 2018 Keine Kommentare

Guten Abend! Guten Abend, liebe Zürcherinnen und Zürcher!

Soeben hat es 6 Uhr geschlagen. Deshalb begrüsse ich Sie ganz herzlich zum heutigen Sächsilüte. Am Sonntag, dem 4. März 2018, müssen Sie alle einen wichtigen Entscheid fällen. Und ich rede nicht von No-Billag, denn als freie Mitarbeiterin des Schweizer Fernsehens darf ich Ihnen nicht empfehlen, diese Initiative abzulehnen. Nein, ich rede von einem Entscheid, der für die Zukunft dieser wunderschönen Stadt weitreichende Folgen hat. Am 4. März wählen Sie den neunköpfigen Stadtrat und die Person, die ihn präsidiert. Am 4. März geht es also für Zürich nicht nur um No-Billag, sondern auch um No-Corinne oder No-Filippo. Für mich als Stimmbürgerin wäre dies ein schwieriger Entscheid. Denn ich liebe die Frauenpower von Corinne Mauch, und ich liebe die Italianità von Filippo Leutenegger. Wenn es Ihnen ähnlich geht wie mir, schlage ich Ihnen einen gutschweizerischen Kompromiss vor: Wählen Sie mich! 

Züri-Saga: Teil 5

Von Dana Grigorcea 16. Mai 2017 Keine Kommentare

Als Kind war ich in einem eben kindlichem Grössenwahn davon überzeugt, dass ich mittels häufiger Spaziergänge durch die Stadt immer tiefere Spuren im Stadtbild hinterlassen könnte – welcher Art diese Spuren auch immer sein würden, würde sich im Laufe meines Lebens durch noch zu erschaffende unvergessliche Werke, welcher Art auch immer, zeigen. So kam es, dass ich meine Spaziergänge mit grossem Ernst unternahm, wenn zunächst auch nur meine Strasse in Bukarest rauf und runter; wobei mich Mutter mahnte: „Bitte geh nur bis zur Ecke, damit ich dich vom Fenster aus stets sehen kann.“ Dann, mit zunehmenden Alter und aufkeimenden Unabhängigkeiten, kam ich in immer fernere Strassen, in ferne Städte und wie für mich neue Länder. 

Winterreden 2017: Tamara Funiciello

Von Tamara Funiciello 17. Februar 2017 Keine Kommentare

«I have a dream»

Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer
«I have a dream». Ich habe einen Traum. Das ist einer der gefährlichsten Sätze auf der Welt. Ich werde euch in den nächsten Minuten erklären wieso – und wieso ihr gefährlich leben sollt.

Als ich die Einladung vom Team des Karl den Grossen erhalten habe, hier eine Rede zu halten, konnte ich mein Glück kaum fassen. Da soll ich doch tatsächlich von einem Balkon aus zu den Leuten sprechen. Wie der Papst. Oder Fidel Castro.
Und bevor Sie nun davonlaufen, verspreche ich Ihnen, dass ich weder zu beten beginne noch eine 8-stündige Rede halten werde. 

Winterreden 2017: Michelle Steinbeck

Von Michelle Steinbeck 2. Februar 2017 Keine Kommentare

Hoi Züri! Ich grüsse aus dem Elfenbeinturm. Die Kälte passt gut, nehmt sie als Metapher für den eisigen Wind, der durch den Wohnungsmarkt zieht.

Das folgende Stück heisst – frei nach einer Oper von René Pollesch und Tocotronic-Dirk, die den Titel wahrscheinlich noch anderswo abgekauft haben: «Von einer die auszog, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten konnte». 

Winterreden 2017: Franziska Schutzbach

Von Franziska Schutzbach 30. Januar 2017 Keine Kommentare

Ich freue mich sehr, dass ihr zu meiner «Winterrede» gekommen seid! Das ist hier vom Erkerfenster aus irgendwie pastoral. Ich hoffe, mein Beitrag wird nicht ganz so pastoral.

Mich hat in der letzten Zeit die Frage beschäftigt, wie wir aus einer progressiven, im weitesten Sinne linken Position heraus die aktuellen reaktionären Entwicklungen ‹ertragen› können, wie wir nicht nur politisch, sondern auch emotional damit umgehen. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich frustriert werde, verhärtet. Manchmal verzweifelt. Oder dauer-empört. Und dass mir dadurch viel Energie verlorengeht. Auch Freude. 

Winterreden 2017: Kijan Espahangizi

Von Kijan Espahangizi 27. Januar 2017 Keine Kommentare

Das Paradox der Migration – Plädoyer für einen fröhlichen Fatalismus

Kommt Ihnen das auch so vor? Wenn es in der Öffentlichkeit und in den Medien um Migration geht, fühlt sich das so an, als ob jemand einem direkt ins Ohr schreien würde. Mit einem paradoxen Effekt: Einerseits ist es maximal laut und andererseits versteht man kaum, was gesagt wird. Im politisch-medialen Diskurs zu Migration heute herrscht genau ein solches unangenehmes Geschrei vor: Das mediale Migrationsgeschrei ist einerseits obsessiv, laut, raumeinnehmend und andererseits stumm machend, all die leiseren Zwischentöne zum Verstummen bringend, all die Mitmenschen, Lebensrealitäten, Lebensgeschichten, die auf leise Sohlen gekommen sind. 

Winterreden 2017: Benjamin Fischer

Von Benjamin Fischer 23. Januar 2017 Keine Kommentare

Liebe Anwesende

Ich wurde eingeladen als jüngster Kantonsrat unseres wunderbaren Kantons Zürich und als Präsident der Jungen SVP, also als Politiker. Und wenn man in der Funktion des Politikers eingeladen wird, hat man in der Regel sehr genaue Vorgaben, über welche Themen man sprechen soll. Heute nicht. Meine einzige Limitierung für diese Rede: Aufhören, bevor der erste erfriert. Und so möchte ich die Gelegenheit nutzen und heute einmal nicht nur über Politik sprechen – fast nicht – naja so wenig wie möglich. Denn am Anfang und Ende ist dann doch alles irgendwie politisch. Aber das ist ja Ansichtssache, wie alles in der heutigen Zeit.