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Der Banker und die kosmische Perspektive

Von Christoph Sigrist 22. Januar 2015 Keine Kommentare

Charlie Hebdo, «Geisterschiffe», der SNB-Entscheid – mir ist, als würde unser Alltag dieser Tage von einer anderen Dimension überschattet. «Kosmische Perspektive» nennt dies ein Gesprächspartner von mir. Er ist Mitglied des Hauskreises, der sich seit Jahren im Kulturhaus Helferei trifft, um über Gott und die Welt zu philosophieren. Er ist im Finanzwesen tätig. Wir haben uns neulich wieder zum Gespräch getroffen.

«All das hat ja eine kosmische Perspektive. Paris, Lampedusa, nun die Börse. Ich kann Euch sagen, wir sind gestern wie mit einer Paranoia geschlagen vor dem Bildschirm gesessen. Alle haben gespannt Jordan zugehört. Es kam uns wie eine Stimme von oben vor. Wir konnten nicht mehr arbeiten, waren gelähmt, geschockt und sassen da, wie im falschen Film.»

Der bekannte Theologe Kurt Marti hat diese schwarze kosmische Dimension mit «Religion des Marktes» betitelt: «Die derzeit weltumspannende Religion ist die Religion des Marktes. Anstelle des Vertrauens auf eine lenkende Hand Gottes setzt sie den Glauben in die alles zum Besten lenkende Hand des Marktes. Providentia mercati anstatt Providentia Dei.»

«Und was hast Du am Abend des schwarzen Donnerstages gemacht?» frage ich bei unserer Gesprächsrunde den Finanzexperten. «Ich bin abends ins Zimmer meines 6 Monate alten Sohnes gegangen. Sein Anblick hat die Perspektive vollständig gedreht. Demut kam auf, Bescheidenheit, Dankbarkeit und Glück.»

Ein zentrales Bekenntnis der christlichen Glaubensreligion ist, dass sich im Gesicht des Kindes Gottes Antlitz spiegelt, der Schöpfer allen Lebens. Eine kosmische Perspektive anderer Art, die jeden Sonntag gefeiert wird und die sich dem Finanzexperten an jenem Donnerstag durch sein eigenes schlafendes Kind offenbart hat.

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