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Die Scheibenwischer des Citroën-Fans liegen bis heute in Zollikon

Von Martina Bischof 30. April 2014 1 Kommentar

Neulich hatte ich Besuch von einer Person ohne ausgesprochene Liebe zu teuren Chläpfen.

Er kam über die Forch aus dem Zürcher Oberland, wo er samstags spontan einen Geschäftspartner besuchte. Als er bei mir anreiste, zeigte er mir sein graues Auto und im Speziellen wies er darauf hin, dass seiner Citroën beide Scheibenwischer fehlten.

Wie kommt denn das? war meine Frage. Nun, auf der Fahrt nach Zürich hinein, so erzählte er mir, hatte er einen Stopp eingelegt, um seinem Gefährt eine simple Wäsche zu verpassen. Bei Zollikon bot sich die Gelegenheit, und so bog er in eine sich am Strassenrand anbietende Waschstrasse ein. Irgendeine. Er selber stieg zur Wäsche aus, während sein Auto für 23 Franken, die günstigste Behandlung im Sortiment, im Waschsalon verschwand.

Einige Minuten später dann erschien die Citroën geputzt und staubgesäubert, aber ohne Scheibenwischer am anderen Ende der Anlage. Selbstverständlich erkundigte sich der erstaunte Inhaber über den Verbleib der beiden Scheibenwischer – gottlob schien die Sonne strahlend – worauf der bodenständige Zuständige unwirsch reagierte und meinte, dass diese wohl abgefallen seien, er hätte die selbigen halt abschalten sollen.

Nun mutete dies meinen Besuch doch eher seltsam an, und er meinte noch, ob man denn die beiden Fensterputzer nicht wenigstens rasch aus der Waschstrasse holen könnte, die lägen doch da bestimmt noch auf dem Boden. Worauf dann der stramme Waschstrassen-Mann meinte, er könne doch sicher jetzt nicht die ganze Waschanlage nur wegen seiner beiden Scheibenwischer anhalten. Allem an machte er dazu noch ein ganz strenges und wichtiges Gesicht. Woraufhin dann er, der Citroën-Fan, von dannen zog und später wie gesagt vor meiner Wohnung parkte.

Nun konnte ich kaum glauben was ich hörte und befluchte wild den Dienstleistungs-Ethos der Waschanlagenbesitzer. Mein Besuch aber meinte beiläufig, dass diese Waschstrasse ihn als Kunden da nicht haben wollte. Ich hielt das zu dem Zeitpunkt für eine kleine eingeschnappte Äusserung. Dass seine Ahnung einer realen Einschätzung entsprach, sollte ich später im Tag erfahren: So versuchte ich im Internet nach dieser ominösen Waschanlage zu suchen und wurde fündig: «Autop – Autowäsche ohne Kratzer», weiss auf schwarz. Das im Generellen. «Edle Karossen und schöne Menschen und Hunde kommen dort auf ihre Kosten», schreibt der Tagi. «Die durchgestylteste Autowaschanlage der Welt steht in Zürich», schreibt die NZZ.

Da haben wir’s! Hätte mein Besuch doch bei der Wahl seines Autos mehr als in den französischen Mittelstand investiert und sich entsprechend während der Wäsche seines Vehiculs in das Piano Nobile des klobig-schwarzen Waschanlagen-Gebäudes hinaufbegeben, einem eher ungelenken architektonischen Obstakel, und sich damit auf das ganze Prozedere eingelassen, sprich in Meyerstein’s Bar und Lounge zum Beispiel einen Whisky Sour getrunken. Damit hätte er nämlich, neben der hübschen älteren Dame, deren Pudel sich gerade beim Schamponieren vergnügte, genau beobachten können, wie seine beiden Scheibenwischer abgefallen und von kompetenter Hand vielleicht wieder montiert worden wären.

1 Kommentar

  • HepTheRacer

    ein klein wenig verkennt dieser gurcken-, sorry citronenfahrer die situation: survival of the fittest, ist im verkehr dank überhöhten autos und massivem gestänge an der front, schon lange mega trend. mit etwas strömendem regen und schlechter sicht hätte jetzt ja selbst der weniger motorisierte wischerlose die möglichkeit das gefahrenpotential für fussgänger und veloisten markant zu steigern. scheinbar paradox, aber meyersteins ziel sind gleich lange spiesse, auch wenn man rein der geometrischen form der wischer wegen etwas anderes vermuten könnte.

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