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Die Schnelllebigkeit von Schnittblumen und Blogposts

Von Felix Ghezzi 11. Dezember 2014 4 Kommentare

Kennen Sie das: Manchmal kommen Dinge zusammen und man hat das Gefühl, es sei Fügung. Sabine, die meine Blog-Auftraggeberin ist, und die meine Blogtexte ganz hervorragend lektoriert und mich schon vor einigen sprachlichen und anderen Peinlichkeiten bewahrt hat, hat mir vor ein paar Tagen in einer E-Mail geschrieben, wie toll sie meine Texte fände. Im nächsten Abschnitt hat sie mich dann elegant darauf hingewiesen, dass sich meine Blogbeiträge eigentlich nicht mehr wirklich von herkömmlichen Artikeln oder Reportagen in Zeitungen unterscheiden würden. Sie fände das aber gar nicht schlimm. Auch, dass die Texte immer länger werden und nun schon doppelt so viele Zeichen hätten wie ursprünglich abgemacht war, sei nicht so tragisch. Vielleicht wäre es allerdings gut, schlug sie vor, Zwischentitel in Betracht zu ziehen.

Die andere Sache, die sich dazu gesellte und sich mir als Wink mit dem Zaunpfahl präsentierte, war die: Ich hatte irgendwo aufgeschnappt, dass im Museum Bellerive eine Ausstellung zum Thema Blumen und Design/Kunst eröffnet worden war. Ich dachte, das ist perfekt, das wird bestimmt viele Leser interessieren. Über Blumen freuen sich doch alle! Und ich hatte mir bereits vorgenommen, ganz locker zu schreiben, ohne verquaste Interpretationen über Lärm oder anstrengende Themen wie Frauenentführungen und ihre Verarbeitung in der zeitgenössischen Kunst.

Da ich aber auch in dieser Sache nicht unvorbereitet in die Ausstellung stolpern wollte, tippte ich zuerst mal www.museum-bellerive.ch in den Browser und schwups, da stand er, der Titel der Ausstellung: «Durch die Blume». Ich nahm den Titel persönlich, als eine Aufforderung. Es musste irgendetwas mit dem Blog zu tun haben.

Und weil noch ein paar Zeichen für den Blogpost übrig blieben, dachte ich ein bisschen länger nach. Und da war sie bereits, die nächste Eingebung: Eine Schnittblume wird wochenlang hochgezogen, damit sie sich danach für ein paar wenige Tage in einer Vase in voller Pracht präsentieren kann. Ihre Schönheit entfaltet sich nur für sehr kurze Zeit, danach verwelkt sie und die Pflanze wird entsorgt und ist vergessen.

Ist es mit Blogeinträgen nicht dasselbe? Nach stundenlanger Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Austarieren der Wortabfolge steht der Text auf dem Bildschirm. Soeben vom Leser gelesen, hat er ihn schon wieder vergessen. Hätte der Blogpost doch wenigstens die Möglichkeiten eines Artikels oder einer Reportage; dann könnte er auf einem Stück Zeitung vergilben und im Kübel landen.

Die Ausstellung im Museum Bellerive dauert noch bis zum 23. März 2015. Ich habe die gewünschte Zeichenzahl für diesen Text bereits wieder überschritten. Ob die Ausstellung also sehenswert ist, müssen Sie schon selbst herausfinden. Und da dieser Blog eigentlich ein Ort der Diskussion sein soll: Notieren Sie Ihre Stilblüten zur Ausstellung oder zerpflücken Sie schriftlich die gesehenen Objekte und posten Sie all dies unten im Kommentar-Feld.

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4 Kommentare

  • Sabine Gysi

    Anmerkung der erwähnten Lektorin: Die Blogposts auf unserer Website werden noch viele Jahre online bleiben, wenn das Papier längst vergilbt ist. Es kann also immer wieder vorkommen, dass irgendwann irgendwer irgendwo irgendwelche Stichworte eingibt und auf den vergessen geglaubten Blogposts landet…

    • Felix Ghezzi

      Liebe Sabine, wer weiss, wie lange dieser Blogeintrag noch zu lesen ist. Vielleicht wird schon in wenigen Jahren der Karl-Server abgestellt, und die Google-Server, auf denen selbst dann noch Texte gespeichert sind, wenn sie für uns User nicht mehr sichtbar sind, das gleiche wiederfahren wie der Bibliothek in Alexandria.
      Oder die Zeit nagt an den Updates der Datenspeicherung und es werden in ein paar Jahren nur noch Fragmente zu lesen sein, wie man es von griechischen Dramen und Philosophen kennt.
      Oder es kommt wie in Friedrich Dürrenmatts «Der Versuch» aus dem Jahre 1989: «Im Jahre 2000 oder 2001 betrat Professor (?) Artur Poll die Villa J.G. Nibels […] – es kann sich auch um das Jahr 2011 handeln, wie Teiler von der Zähl meint – nun das läßt sich jetzt natürlich, 10 000 Jahre später, nicht mehr genau bestimmen – was wissen wir schon von der europäischen Sprache, die man ja damals auch in Australien sprach, Teiler von der Zähl meint, es sei gar keine europäische Sprache, sondern ein Idiom des Alt-Peking-Chinesisch gewesen, das man schon damals in Europa gesprochen habe, als es noch von den Preußen beherrscht wurde, vom sogenannten Mittelreich, das kurze Zeit, von 1900 bis 2000 etwa […] bestanden haben soll […] wir wissen nur, dass J.G. Nibel und Professor (?) Artur Poll Zeitgenossen Sebastian Amadeus Goethes gewesen sind, des Dichters der Tetralogie ‹Der Ring der Nibelungen›» usw.
      Zumindest was meinen Blog betrifft, so werden all diese Szenarios nicht erst in 10 000 Jahren unbedeutend sein.

  • Alper

    Anmerkung eines Lesers: Es ist richtig, was die Blumen anbelangt. Es dauert lange bis sie ihre Blüte erreichen und das Ganze nur für kurze Zeit. Aber ist das nicht mit vielem so? Beim Kochen nicht unähnlich, da kocht man lange mit all der Vorbereitung und hat die Köstlichkeit (wenn es dann gelungen ist) sehr rasch gegessen. Gegessen ist aber nicht vergessen, die Erinnerung, das Gefühl, den Moment, das Erlebnis, dafür lohnt es sich doch allemal. Immer und immer wieder. Ich freue mich auf die nächsten Blumen und werde mich dabei an diese erinnern.

  • […] Aufruf im letzten Blogpost, die Ausstellung «Durch die Blume» (noch bis am 29. März 2015) zu besuchen und darüber zu […]

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