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Ein in meiner Biografie integrierter Spaziergang durch Zürich

Von Martina Bischof 18. Dezember 2013 Keine Kommentare

In den letzten paar Wochen habe ich mich mit meiner Biografie beschäftigt. Derart intensiv, dass es mir heute Nachmittag zuviel wurde. In der Hoffnung, das Durcheinander an Ideen, Reflexionen, Sackgassen, Visionen, Lichtblicken, Zweifeln und Motivationsmomenten sortiert zu bekommen, oder zumindest beruhigt heimzukehren, machte ich mich auf den Weg und spazierte durch die Stadt.

Ich starte damit, die moderat geschäftige Langstrasse entlang zu stapfen. Die Sonne strahlt zum Glück. Ich überquere den Limmatplatz und gelange wie auch immer an die Limmat. Die Stelle am Fluss zwischen dem Eisenbahnwagen – welcher verlassen wie jeden Winter sein Dasein fristet – und dem eher trostlosen GZ Wipkingen ist einer meiner liebsten Flecken in Zürich. Ich marschiere also stadtauswärts bis hinaus zur Werdinsel, vorbei an allerlei Gebautem, wo ich schliesslich umkehre, um auf der anderen Seite an den Bernoulli-Häusern vorbeizukommen, die Limmat zu ihren Füssen. Sie implizieren jedes Mal die selbe andere Welt, diese Häuschen und wirken schüchtern und stur.

Über den Escher-Wyss-Platz gelange ich auf die Limmatstrasse und bewege mich dem Bahnhof entgegen. Im Sommer liebe ich es, mit dem Fahrrad hier entlangzufahren, auf dem breiten Trottoir dem Platzspitz entgegen, unter den Bäumen, dem Fluss entlang. Die Sonne scheint noch immer. Der Ort wirkt als erwarte er, wie ich, schon den Frühling. Allmählich schlendere ich sogar. Meine Biographie rückt in den Hintergrund, gottlob.

Über den Bahnhof und das Central gelange ich ans Bellevue. Ich erinnere mich, dass ich kurz an Nelson Mandela denke, dann sofort auch an Barack Obama. Ich meine, man darf lachen an einer Abdankungsfeier. Und auch fotografieren. Die Gebäude, welche vom anderen Seeufer von der Enge aus betrachtet das Seebecken säumen, lasse ich allmählich hinter mir, als ich die Dufourstrasse hinter dem Operngebäude betrete und wieder stadtauswärts laufe. Nach einer Weile steche ich rechts zum See hinunter und erfreue mich über alle Massen am Blick über den Zürichsee. Keine Menschenseele stört mich.

Zurück am Bellevue, möchte ich an der Frauenbadi und dem Metropol vorbei Richtung Paradeplatz laufen und kehre in der Bar ein, welche noch immer einen Stapel dieser peinlichen Ausgaben des Magazins des Tages-Anzeigers aufliegen hat. Niemand weiss: ist es Werbung für diesen mir lieben Ort, eine weitere Umsetzung einer listigen Textidee oder ein Platzhalter für ein inspirationsloses Journalistenmoment?

Wie auch immer, denk ich mir, mein Kopf ist frei. Ich spaziere heimwärts über den Schanzengraben und habe einen klaren Gedanken nach dem anderen – wohl keine richtigen Neuigkeiten, doch ein Quäntchen Spass am Tag und ein gewisses Mass an Vorfreude auf die Feiertage. Und in ein paar Tagen feile ich in Frankreich weiter an meiner Biografie, vielleicht auf einem Spaziergang durch Avignon.

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