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Ein Loblied auf den Zürcher Frühling

Von Florina Schwander 7. April 2014 1 Kommentar

Bevor ich mich mit wehenden Fahnen von Karl verabschiede, möchte ich mich zwei Lieblingsthemen widmen. Wobei Lieblingsthemen der falsche Ausdruck ist, viel eher geht es um Textarten. Ich mag Listen. Mein zweitletzter Post wird also eine Liste von Dingen, die ich im Frühling in Züri zu tun pflege. Denn auch wenn ich Zürich bisher hauptsächlich gelobt habe, muss ich auch sagen, dass Zürichs Hauptsaison klar in den Monaten mit mehr Licht als Nebel liegt. Von November bis März könnte man jeweils auswandern, aber das ist ein anderes Thema.

Ich erliege also jeweils gegen Ende März dem Charme von Zürich. Man mag mich als Wetterschlampe oder Schönwettergeist verunglimpfen, da stehe ich dazu – und freue mich jedes Jahr so sehr, die folgenden Dinge zu erleben.

  • Der erste Kaffee auf dem heimischen Balkon in der Morgensonne mit dem Tagi auf dem Schoss ist unbezahlbar. Die Füsse in dicken Wollsocken und noch etwas fröstelig um den Hals, Hauptsache Sonnenbrille auf und den Strassenlärm der nahen Schmiede Wiedikon in den Ohren.
  • Normalerweise mag ich keine grossen Menschenmengen. Doch beim ersten Zmittag am See beim Bellevue nehme ich auch eine viertelstündige Suche nach 30cm Platz für mein Fudi in Kauf. Übrigens ist der Take-Away direkt bei der Tramhaltestelle sehr zu empfehlen, auch wenn er von aussen nicht so anmächelig aussieht.
  • Als grosser Apéro-Fan darf natürlich der Feierabenddrink in dieser Liste nicht fehlen. Der erste Spritz oder ein Glas Weisswein vor der Sportbar läutet so was von den Sommer ein, das muss dann sofort mit einem weiteren Glas gefeiert werden.
  • Zürich ist für mich eine optimale Spazierstadt. Eine meiner liebsten Latschrouten: Vom Limmatplatz auf der rechten Seite der Limmat bis zur Werdinsel laufen und unterwegs entweder auf ein Glacé einkehren oder eine erfrischende Schorle trinken. Nach einem Päuseli auf der Werdinsel geht’s dann auf der anderen Seite wieder zurück Richtung Escher-Wyss-Platz – mit eingehender Bewunderung der härzigen Häusersiedlung auf der Höhe Hardturm.
  • Ein weiteres Spazifizottel-Highlight ist mein allabendlicher Spaziergang von der Arbeit gen Heim. Das sanfte Abendlicht, das die wunderschön blühenden Kirschbäume rund um den Bahnhof Wiedikon und Kalkbreite beleuchtet, erfreut mein Herz und lässt mich ohne Scham zum fotografierenden Touri-Japaner in der eigenen Stadt werden.
  • Apropos Pflanzen: Ein weiteres Frühlingshighlight ist der Besuch eines Pro-Specie-Rara-Marktes. Sehr empfehlen kann ich den Tomatensetzlingsmarkt Ende April in der Stadtgärtnerei Zürich.
  • Auch sonst geniesse ich die Marktbesuche in der warmen Saison wieder sehr. Als ich noch in Oerlikon gewohnt habe, bin ich samstags regelmässig auf den grossartigen Markt hinter dem Migros gegangen, heute quetsche ich meist eine Kurzvisite auf dem Helvetiaplatz vor Arbeitsbeginn rein. Wenn ich dann mit einem Stofftäschli voller Gemüse auf meiner Vespa Richtung Stauffacher düse, dann fühle ich mich jeweils so saisonal cool wie selten sonst im Jahr.
  • Zum Frühling gehört auch ein erstes Picknick, und dafür habe ich ein paar Lieblingsplätzli: Einmal die völlig unterbewertete Fritschiwiese, wahrscheinlich der einzige Ort in Zürich, wo man noch nicht reservieren muss, um abends einen Platz zu ergattern. Dann natürlich das GZ Wipkingen – wo sonst kann man quasi mit den Füssen im Wasser stehen und gleichzeitig auf dem Grill die Würste drehen? Ansonsten sind auch die Kollerwiese, die «hängenden Gärten» in Oerlikon oder die Bäcki nette Picknicksplätze. Für mich sowieso eines der grössten Highlights in Zürich: In welcher Stadt hat man bei fast jeder Wohnlage einen Park in zehn Minuten Gehdistanz vor der Haustür?

Hach – und wenn ich nur schon daran denke, wie es erst im Sommer in Zürich ist, mit den Mittagspausen in einer Badi, einem Caffè freddo hier, einem feinen Cervelat dort – ich freue mich!

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