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Einmal retro retour, bitte!

Von Florina Schwander 4. November 2013 2 Kommentare

Ich arbeite, lebe und denke online. Das erste, was ich morgens mache, ist mein Handy begutachten (und den Liebsten parallel dazu natürlich auch). Ich liebe meinen Compi und weiss, dass ich im Online-Umfeld und bei der annabelle goldrichtig aufgehoben bin. Ohne mein «Schlauphone» fühle ich mich in den ersten Stunden immer etwas komisch, danach gewöhne ich mich daran. Und genauso wie ich mich beim Surfen verlieren kann, genauso kann ich in einer Zeitschrift versinken. Einen Comic verschlingen oder mir eine tonnenschwere Zeitung kaufen gehen. Ich liebe das Gefühl des Aufgehobenseins, wenn ich mit einem guten Buch in der Tasche unterwegs bin. Da kann sich jedes Tram, jedes Date verspäten – egal.

Und doch werde ich tagtäglich mit diesem Graben zwischen Online und Print konfrontiert. «Was machst du mal, wenn du dieses ‹Grätli› nicht mehr hast?» werde ich angefeindet, wenn ich zum x-ten Mal am Tag mein Handy hervornehme. Leute erwarten von mir eine Entgegnung auf die natürlich rhetorische Feststellung, dass eine Website doch nie ein gutes Buch ersetzen könne, und so weiter und so fort.

Doch Obacht. Ich sehe das so: Ich habe zwei Hände und natürlich die altbekannten zwei Seelen in meiner Brust. Ich kann doch genauso gerne Bücher wie Apps lesen. Oder Facebook toll finden und trotzdem beim aktuellen Zeit-Magazin mitdiskutieren. Und à propos Zeit: Kennt Ihr deren super Podcasts? Langer Rede kurzer Sinn: Warum ist es bei Online und Print immer ein entweder oder? Mich nervt dieses gegenseitige Bekriegen und ich habe beschlossen, meinen online-feindlichen Freunden mit etwas sehr retro-Printigem zu kommen: Ich habe mich wieder in einer Bibliothek angemeldet. Für 60 Franken im Jahr kann ich bis zu 25 Bücher, Comics, Strickanleitungen, CDs, DVDs, etc. ausleihen, online verlängern, vorbestellen, und so weiter.

Wenn mir also das nächste Mal jemand dumm kommt von wegen ich Online-Heini habe doch keine Ahnung vom «richtigen Lesen» und so, dann sage ich nur: «Sorry, keine Zeit, ich muss noch i’d Biblere, Bücher zurückbringen. Oder nein, warte, die kann ich ja jetzt online verlängern.»

2 Kommentare

  • Michelle Frey

    Da muss ich noch etwas anfügen: Mit deiner Uni Bern Bibliothekskarte kannst du bei der Zentralbibliothek Zürich gratis Bücher, Hörbücher etc. ausleihen 🙂

    • Florina

      Aaaah – wenn ich die nur noch hätte! Die habe ich längst schon entsorgt … Hast du die etwa noch, liebe Michelle? 😉

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