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Falten- und schlierenfreier Frühling

Von Brigitte Federi 24. April 2014 Keine Kommentare

«Es ist kompliziert» wäre der Status, um meine Beziehung zu Kosmetikerinnen zu beschreiben. Den Grundstein dazu legte eine Dame, die mir bei meiner ersten kosmetischen Behandlung eine Antifalten-Crème einrieb und erklärte: «Man kann nie früh genug damit beginnen.» Den Gutschein für die Behandlung hatte ich wenige Tage zuvor zu meinem 18. Geburtstag erhalten.

Inzwischen passe ich altersmässig in die Zielgruppe der Antifalten-Produkte, mein Verhältnis zu Kosmetikerinnen hat sich über die Jahre aber nicht verbessert. Bis heute schwanke ich gedanklich zwischen «die beleidigen meine Haut ja sowieso in jedem vierten Satz» und «zudem ergibt das, was sie erzählen, nur selten Sinn». Mit Letzterem meine ich Sätze im Stil von «diese Crème enthält winzige Kristalle, die nach dem Einmassieren unter der Haut explodieren und gegen die Hautalterung ankämpfen». Ich sähe das gerne einmal als Comic umgesetzt.

Wieso ich hier über mein gestörtes Verhältnis zu Kosmetikerinnen schreibe? Weil im Frühling der Putz gross geschrieben wird – nicht nur der, bei dem es um die dreckigen Fensterscheiben der eigenen vier Wände geht. Der Frühlingsputz ist auch für Körper und Seele ein Muss – so wollen es uns zumindest die Kosmetikindustrie, Frauen- und bestimmt auch Männerzeitschriften weismachen. Und wenn wir dann einige Wochen lang grüne Gemüsesäfte getrunken, entgiftende Yoga-Übungen praktiziert und uns täglich von Kopf bis Fuss mit einer hautstraffenden Lotion eingecrèmt haben, dann geht es unserer Seele wohl tätsächlich besser – weil wir uns für das eigene Wohlbefinden mehr Zeit genommen haben als üblich.

Anders sieht es wahrscheinlich aus, wenn wir anschliessend in einer grell beleuchteten Umkleidekabine die neuste Bademode anprobieren. Der Aufwand der Wochen zuvor zeigt nun doch nicht das Resultat, das wir uns erhofft hatten. Eigentlich ist die Situation vergleichbar mit dem Moment, wo die Sonne in die von uns frisch gereinigten Fenster scheint und wir erkennen, dass diese noch immer voller Schlieren sind. Höchst ärgerlich.

Wichtig ist nun, dass wir die manipulierten Bilder der schlierenfreien Fenster und Bademode-Models aus unserem Gedächtnis bannen und uns schnellstmöglich aufmachen in die Realität. Diese sitzt nämlich schon bald in den See- und Flussbadis und ist im Normalfall auch nicht makellos. Nun gut, es mag die eine oder andere Badi geben, in der sich bevorzugt Menschen aufhalten, die nicht nur viel Zeit sondern auch viel Geld in ihren Körper investieren und denen die Realität demzufolge ein bisschen abhanden gekommen ist. Das ist in den städtischen Badis nicht anders als anderswo in Zürich.

PS: Kürzlich fand ich im Internet den schnellsten Weg zur Bikinifigur: Kleidung ausziehen, Bikini anziehen.

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