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Gibt es einen Soundtrack of Zurich?

Von Felix Ghezzi 17. Februar 2014 2 Kommentare

Vor einigen Tagen ist es wieder passiert: Am Radio ertönte die verzerrte Gitarre von Dave Stewart, und meine Synapsen verknüpften ab dem ersten Ton Eurythmics – «Miracle of Love» – das erste Mal Slowdance – eine improvisierte Kellerdisko im Schulskilager in Obersaxen – Mitte der 1980er Jahre. Das Wunder traf dann leider nicht ein, aber die Speicherung in meiner persönlichen Life-Playlist ist nicht mehr rückgängig zu machen. Es ist ehrlich gesagt auch nicht der peinlichste Eintrag. Viel schwerer wiegt der jugendliche Ausrutscher Sandra. Von wegen «In the Heat oft the Night»! Dafür bin ich wohl eine Generation zu früh zur Welt gekommen.

Musik verbindet mit Erinnerungen und der Vergangenheit. Und so können bestimmt viele Menschen wichtige Stationen ihres Lebens anhand von einzelnen Songs, ganzen Platten, Playlists oder Stars einordnen. Ich bin meinem Vater sehr dankbar, dass er mir die Beatles mit ihren genial einfachen bis grandios missglückten Experimenten in die musikalische Wiege gelegt hat. Den Dreck der Rolling Stones habe ich dann in der Jugend und in den Twens selbst entdeckt, als die Musik als Gefühlsverstärker immer wichtiger wurde. Sowohl als mirakulöser Euphorisator als auch als Trostspender und Blitzableiter. Der wütend-kräftig-pathetische Sound von Faith No Mores «Angel Dust»-CD war der Soundtrack zwischen Lehre und neuen beruflichen Ufern. Das Lernen auf die Lizenziatsprüfungen wäre noch weniger ertragbar gewesen ohne die trocken-treibenden Rockriffs auf Queens of the Stone Ages «Lullabies to Paralyze».

Musik verbindet aber auch mit fernen Ländern und Ferien. Es muss ja nicht gleich der Sommerhit sein, der jede Bar, Disco und Kleiderkette beschallt. Eine abenteuerliche Carfahrt von Zürich durch das damalige Jugoslawien nach Istanbul ist für mich eng verbunden mit einer Kassettenraubkopie von Michael Jacksons «Bad» für umgerechnet 5 Franken, gekauft irgendwo im wilden Osten. Viele Jahre später fuhr ich mit dem Zug von Chicago nach Seattle. Die Band mit dem bezeichnenden Namen Low lieferte die passende Hintergrundmusik zur Weite von North Dakota und Montana und lenkte nicht unnötig vom Fotografieren der Bahnübergänge ab.

Musik verbindet mit Städten. Auch dort begleiten mich oft ein oder mehrere Lieder. Dabei muss die Musik selbst nicht unbedingt direkt mit dem Ort oder der Situation etwas zu tun haben. So ist mein letzter Besuch in Venedig nicht mit Jovanotti oder Eros Ramazzotti, sondern unzertrennlich mit dem Song «Hold My Liquor» von Kanye West verbunden – und ich war jederzeit Herr über meinen Aperol Spritz.

Was hingegen Zürich betrifft, so scheint es nicht nur bezüglich der Schönheit der eigenen Stadt eine Art «Städteblindheit» zu geben, sondern auch hinsichtlich der Musik. Der Get-Lucky-Sound von Daft Punk untermalte letztes Jahr das Zusammenziehen mit meiner Freundin, die erste Zeile «I could move mountains» von Trixie Whitleys «Breathe You In My Dreams» passte ebenso perfekt zur Situation und die Laidback-Musik von Matthew E. White war die passende Ergänzung beim Herumhängen im nahen Irchel-Park.

Aber ein Song oder ein Album, der oder das quasi für die Stadt Zürich steht? Das gibt es für mich nicht. Dafür verbrachte ich offensichtlich zu viele Lebensjahre in der Stadt und verbinde zu viele Situationen, Begegnungen, Personen und Momente mit ihr, die jeweils ihren eigenen Soundtrack haben. Umso mehr freue ich mich auf die nächsten einschneidenden Ereignisse, Ferien und Städtereisen und bin gespannt, wie sich mein Soundtrack of Life erweitert.

Und, wie sieht Ihre Life-Playlist aus? Ist ein Sound of Zurich dabei? Ich bin gespannt darauf.

2 Kommentare

  • Florina

    Mein musikalisches Highlight für Zürich war der Moment, als mir jemand „Asoziali Zürcher“ von Schoedo vorspielte, grossartig.

  • […] Grund, weshalb ich an dieser Stelle über Pop-Musik schreibe, ist nicht, dass ich dadurch einen Link auf einen früheren Blogeintrag machen kann, auf den ich besonders viele Rückmeldungen erhalten habe, und der also ein weiterer […]

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