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Herberge? Eine Frage der Einstellung

In diesen Tagen wird die «Herberge zur Heimat» in der Geigergasse nach einer langen Phase der Renovation wieder eröffnet. Die Herberge ist ein soziales Werk der Stiftung der Evangelischen Gesellschaft und beherbergt um die 50 Männer, die durch ihr Suchtverhalten, ihre psychischen und psychosomatischen Behinderungen keinen Platz zum Wohnen in der Stadt bekommen haben und hier in unseren «Dorf» eine Heimat finden.

In enger Zusammenarbeit mit den sozialen Behörden der Stadt und des Kantons Zürich versuchen Kirchen und diakonische Werke, Wohnraum für jene anzubieten, die – unabhängig von sozialem Status und Religion – einen Platz suchen. In der Herberge wird zu Gott und zu Allah, zu Adonia und zu indischen Gottheiten gebetet, es wird Gott geflucht und Gott gesucht.

Vor dem Eingang ist über dem Türbalken eine grosse Hand in den Stein gemeisselt; sie zeigt nach oben. Der göttliche Zeigfinger, nicht als Moralfinger gedacht, auch nicht als lehrerhaftes Fuchteln – einfach nur als sinnvoller Wink.

Vielleicht will er uns sagen: Wohnen heisst, sich heimisch fühlen. Heimat und Wohnung gehen Hand in Hand; Heimat ist die Tapete, die unseren Wohnraum wohnlich macht, Wohnen ist das Bett der Heimat. Deshalb ist Wohnen existentiell und darf im politischen Hahnenkampf nicht für Wahl- und Machtgebaren instrumentalisiert werden.

Wohnen ist ein Grundrecht für alle, also für Einheimische und für «Fremde». Die Herberge zur Heimat ist Gedächtnis der Stadt. Sie erinnert uns: Viele Menschen klopfen an, weil sie einen Platz zum Wohnen brauchen. Die Herberge ist Gewissen der Stadt. Sie mahnt uns: Es sollten keine Türen zugeschlagen werden mit dem Hinweis «Kein Platz hier». Die Eröffnung der neu renovierten Herberge inszeniert Hoffnungsgeschichten in der Stadt: Wohnraum für alle.

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