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I däm Bärn Ost

Von Florina Schwander 13. September 2013 4 Kommentare

In meiner Jugend trugen wir T-Shirts mit Aufdrucken wie «Hash (statt Dash)»* und «Zureich» auf Zürcher-Wappen-Hintergrund. Noch heute wird mir in Bern ab und zu die Frage gestellt, was ich denn «i däm» Zürich will. Die Bedeutung von «i däm» muss man sich als eine Mischung aus Entsetzen, Verständnislosigkeit und Bedauern vorstellen.

Was die Basler für die Zürcher, waren die Zürcher für uns Berner. Wenn denn mal nicht die Österreicher oder Ostfriesen dran glauben mussten in unseren Witzen, dann bestimmt ein Zürcher. A propos, kennt Ihr den: Was sagt ein Zürcher, wenn er das erste Mal das Meer sieht? (…)

Nun. Mein erstes Mal in Zürich ist mir so in Erinnerung geblieben: In jungen Jahren besuchte ich die Tangotage in Zürich. Verschwitzt vom Tanzen unter dem Pavillon auf dem Bürkliplatz sind wir unter fachkundiger Zürcher Führung in die Badi Enge gepilgert. Und haben uns dort nach einem erfrischenden Bad auf grossen Plastiksesseln mit Massive Attack im Ohr leicht schaukelnd auf dem Floss ausgeruht. Für mich damals das ultimative Highlight, nebst dem Tango natürlich. Eine Badi mitten im See, mit den damals obercoolen Plastiksesseln und dann noch Massive Attack? Da konnte das Marzili einpacken.

Und seither beantworte ich jede «i däm-Zürich»-Frage mit ähnlicher Mitleids-Miene: «Ach, weeeeisch, mir gefällt es total gut hier. Es läuft uuu viel (Blick des Todes vom Gegenüber), und gleichzeitig bleibt Bern dänk immer meine Heimat (braaaav, sagen dann die Augen vis-à-vis).» Seit mittlerweile vier Jahren wohne ich glücklich und zufrieden in Zürich und möchte weder zurück nach Bern noch woanders hin.

Ich freue mich sehr, in diesem Blog ab sofort regelmässig von meinen Beobachtungen und Gedanken us däm Zürich berichten zu dürfen und bin gespannt auf einen regen Austausch. Ich verspreche, unbernerisch bald auf Kommentare zu reagieren und habe auch schon die erste Frage parat.

Denn, das brennt mir schon lange unter den Nägeln, oder besser auf der Zunge: Darf man als Nicht-Zürcher das Wort «läss» benützen? Einige meiner Arbeitskolleginnen sind ursprünglich aus Bern und leben schon länger in Zürich. Die meisten von ihnen benützen den Ausdruck, und zwar betont langgezogen und mit typisch Bern’schem «ä»: «läääss». Noch ziere ich mich; ist das nicht etwa so peinlich, wie ich mich jeweils fühle, wenn jemand versucht, mein «äuä» nachzumachen? Ich bin gespannt, liebe LeserInnen. Iiiiiiiiu, sehr.

PS: Des Rätsels Lösung: Wenn ein Zürcher das erste Mal das Meer sieht, sagt er: «Ich hans mir grösser vorgstellt».

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* Zu meiner Zeit stellte beim Wort Hash noch niemand die Verbindung zum Gartenhag-Zeichen her. Und bei «Dash» verstand jeder sofort die natürlich sehr (Teenie-)coole und lustige Anspielung auf das Waschmittel. Auch Adihash oder die Bonbons namens Haschi waren beliebte T-Shirt-Sujets…

4 Kommentare

  • Brigitte

    Ich wüsste nicht, was ich gegen ein Berner „Läääss“ haben sollte. Es bestünde aber die Gefahr, dass ich den Ausdruck auf Berndeutsch schlichtweg nicht verstehen würde :-).

  • Florina

    Liebe Brigitte, aaaah, danke für dein positives Feedback, so läss!! Und weeeeeisch, die Berner würden das läääss ja dann so langsam aussprechen, da hättest du Zeit, derweil sieben Mal im Duden nachzuschauen und noch kurz eine Strassenbefragung durchzuführen … 😉 LG, Florina

  • […] aufgreifen: Die Freundlichkeit. Der zweite Satz eines jeden Berners nach dem schon beschriebenen «Was willst du denn i däm Züri?» war nämlich in fast allen Fällen die simple Feststellung: «Die sind alle so arrogant und […]

  • […] einem früheren Blogpost habe ich Bern mit Zürich verglichen. Nun war ich vor kurzem in London, und dabei sind mir wieder ein paar Unterschiede aufgefallen […]

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