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Karl, die Mehrheit

Ich, der Billagzahler

Die Motivation von Pony M. ist lobenswert. Dass sie die demokratische Mitbestimmung mit einem durch die Steuerzahler finanziertem Programm steigern will, eher ironisch. Es wiederspiegelt die heutige Form der Demokratie: Der Staat sammelt das Geld der arbeitenden Bevölkerung ein und die Politiker geben es in Form von Wahlgeschenken aus. Diese Schwierigkeit zeigt sich auch beim SRF. Es werden Sendungen produziert, wo die Zuschauer entscheiden können, ob die Protagonistin die Kinderkrippe oder das Altersheim besuchen soll. Der Geldgeber darf bei der Gestaltung vom Programm nicht mitreden.

Etwas muss man Pony M. zugute halten. Sie schafft es auf einfache Weise darzustellen, was heute gang und gäbe ist. Die Mehrheit bestimmt, wie sich Einzelpersonen zu verhalten haben. Sollen die Gäste von Kurt Meiers Restaurant «Rössli» im Gebäude rauchen dürfen oder nicht? Darf ich auf meinem eigenen Boden ein Minarett bauen oder nicht? Die Demokratie wird in letzter Zeit oft dazu missbraucht, das Privatleben einzelner Menschen zu regeln, wobei dieses eben privat sein soll. Solange ich mit meinen Handlungen niemanden in seiner Freiheit einschränke, soll mich auch niemand daran hindern, diese Handlung auszuüben.

Das Format der Sendung wird ausser dem Effekt der Verschwendung von Billag-Geldern aber keine nachhaltige Wirkung haben. Man stellt die Demokratie als Spiel dar und aberkennt deren Bedeutung für die Zukunft von uns Jugendlichen. Das Ziel von Pony M. ist ja, die Stimmbeteiligung von Jugendlichen zu steigern. Ich denke nicht, dass die Jugendlichen heute weniger als vor 10 Jahren an die Urne gehen. VOX-Analysen sind genauso wie Umfragen zu trauen – also gar nicht. Anstelle mit Spiel und Spass sollte vermehrt ernsthaft über die Folgen der heutigen Politik diskutiert werden!

Erhalten die Jugendlichen in 40 – 50 Jahren eine AHV-Rente? Wer bezahlt die Schulden, die in den letzten Jahren angehäuft wurden? Wie kann meine Generation in Zukunft Wohlstand erarbeiten, wenn wir vermehrt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz an die Wand fahren? Parallel dazu wird der Jugend immer mehr Verantwortung weggenommen und dem Staat delegiert. Das Verständnis von Eigenverantwortung ändert sich langfristig, man fühlt sich in falscher Sicherheit bei «Vater Staat» und wacht dann auf, wenn der Staat versagt. Wenn man sich mehr gesellschaftliche Partizipation wünscht, muss man der Gesellschaft auch zutrauen, selber über ihr Leben zu entscheiden.

Um das Interesse der jungen Bevölkerung an der Politik massiv und nachhaltig zu steigern, braucht es Aufklärarbeit. Von Dir, von mir, von Jungparteien, von BloggerInnen, von der Bevölkerung. Denn alle wissen bereits heute schon, was Demokratie ist und wie man mitbestimmen könnte. Viele sind aber zu faul und denken, keinen Einfluss zu haben. Dies können wir ändern, wenn wir mehr darüber sprechen – und nicht, indem wir mit Steuergeldern eine Fun-Sendung zum Thema Demokratie machen.

 

Dieser Blogpost ist Teil einer Reihe von Beiträgen auf diesem Blog, die unterschiedliche Autoren zum Thema Jugend und Demokratie verfassen.

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2 Kommentare

  • […] Andri Silberschmidt: «Ich, der Billagzahler» […]

  • Philippe Wampfler

    »Wenn man sich mehr gesellschaftliche Partizipation wünscht, muss man der Gesellschaft auch zutrauen, selber über ihr Leben zu entscheiden.« – Dieser Satz gefällt mir sehr. Ich denke, Jugendliche und Kinder müssen ernst genommen werden. Sie erleben Mitwirkung häufig als eine Rolle, die ihnen zugewiesen wird. Bestimmen können sie klar abgegrenzte Fragen in einem System, das kaum Freiräume offen lässt. Jugendliche wirklich einbeziehen wäre für mich wichtiger als mit medial scheinbar neuartigen Formen zu experimentieren.

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