Menu

Ich sehe, trage und lebe Rot

Von Florina Schwander 18. November 2013 Keine Kommentare

Heute geht es um eine sehr persönliche Angelegenheit. Ich bekenne Farbe. Ich gehe sogar so weit, dass ich Rot als diese Farbe zu erkennen gebe. Doch wenn Ihr Euch jetzt auf eine Eloge über rote Lippen, die man küssen, blabla freut, muss ich Euch leider enttäuschen. Denn mein Rot, das ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ein rotes Tuch für mich…

Ihr müsst wissen: Ich erröte. Immer und immer wieder. Egal ob in Gesellschaft, alleine bei mir zuhause, im Tram in Gedanken versunken oder vor versammelter Bürogemeinschaft. Gerade heute Morgen standen meine Wangenampeln mal wieder auf Scharlachrot, nur weil ich unvorbereiteter Weise ein paar Sätze von mir gegeben habe mit mehr Publikum vor mir als gewohnt. Ich merke dann jeweils so richtig, wie meine Wangen brennen, und falls jemand zusätzlich auf die dumme Idee kommt, mich darauf anzusprechen, dann wird die Farbnuance mit einem unangenehmen Pochen unter meinen Wangenknochen verstärkt.

A propos Ansprechen: Wie oft hat mich schon ein fescher junger Mann gefragt, ob mir eigentlich warm sei? «Ehm, nein mein Lieber, heiss bist hier drin nur Du», würde ich in solchen Situationen schleimig-schlagfertig am liebsten sagen. Aber nein, ich stammele nur vor mich hin, dass ich etwas lange an der Sonne gewesen sei und so.

Ja, etwas zu lange an der Sonne gelegen, daher rührt auch mein Spitzname von früher, in Anlehnung an das feuerrote Nachtschattengewächs: die Flomate. Nett, nicht? Hätte ich nicht die passenden feurigen Augen zu den Wangen gehabt, wäre mir der Name wohl noch lange geblieben.

Ich habe übrigens auch jegliche Tricks zur Beibehaltung der normalen Gesichtsfarbe versucht. («Was hilft gegen rot werden» steht in meinem Google-Suchverlauf wohl ganz weit oben…) Von Zehen krümmen, Make-up in Komplementärfarben (Grün!) über an Eisberge denken oder in den Handrücken kneifen hat alles nichts gebracht. Und auch die regelmässigen Kommentare eben jener charmanten jungen Männer, dass sie meine roten Wangen doch ganz süss finden würden, haben mich nicht vom Glühen weggebracht. Im Gegenteil. Ich erröte sogar jetzt beim Tippen eben dieses Textes. Ihr seht, ein hoffnungsloser, doch immerhin farbenfroher Fall!

Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Denn mittlerweile bin ich so weit, dass ich zur Farbwahl meiner Wangen stehe und oft präventiv eine baldige Verfärbung meiner Gesichtshaut ankündige, sollten brenzlige Situationen anstehen. Ich überlege mir an dieser Stelle also eine nachhaltige Reorganisation meiner gespiegelten Farbpalette im Gesicht. Ich könnte mir zum Beispiel Stirn und Kinn grün anmalen und mich mitten auf eine Kreuzung stellen. Kopf gerade, freie Fahrt. Kopf schräg, alle Autos halten an. Oder: ich mache Werbung vor einem Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt und trage eine Tafel mit Aufschrift: «Glühen Sie vor: Innen und aussen». Oder ich stelle mich an Bushaltestellen auf und lasse die Leute an meinen Wangen ihre Hände wärmen. Oder ich steige in die Politik ein und bekenne dort – Farbe.

Ihr seht, es ist noch keine endgültige Lösung in Sicht. Aufmunternde Worte oder anderweitige Farbbekenntnisse Eurerseits würden mich freuen!

Themen:

Kommentieren