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Juflispriesse und Eiterriegel find ich bündig

Von Florina Schwander 7. März 2014 4 Kommentare

Über meinen Berndeutsch-Dialekt und das «Läss»-Dilemma habe ich schon in meinem allerersten Blogpost geschrieben. Ich finde Sprache etwas vom Allerschönsten, zudem war sie Hauptthema meines ersten Dates mit dem Lieblingsmann und macht ausserdem einen grossen Teil meines Berufs aus. Es soll also auch in diesem Post um ein sprachliches Anliegen gehen.

Kürzlich war ich nämlich mit einem Fotografen unterwegs, der auch aus Bern kommt. Er lebt erst seit wenigen Monaten in Zürich und spricht breitestes Berndeutsch. Wir unterhalten uns also über den Unterschied zwischen «hurti», «rasch» und «gschnäu» während wir durch Wiedikon fahren. «Das isch aber es bündigs Quartier», meint der Arbeitskollege da plötzlich anerkennend. Mit «bündig» meint er damit keineswegs ein angrenzendes oder räumlich passendes Quartier, sondern benutzt mit «bündig» einen Berner Ausdruck für cool, quasi ein anderes «läss».

Ich bin hingerissen. Bündig! Wie lange habe ich den Ausdruck schon nicht mehr gehört, geschweige denn aktiv angewendet! Nun, man muss dazu sagen, dass bündig eine gewisse Alterslimite mit sich bringt, die dieser Arbeitskollege bei weitem unterschreitet und ich überschreite. Doch egal, sage ich mir, gute Ausdrücke haben kein Alter und verlangen auch kein Anwender-Ablaufdatum. Ich überlege mir also ernsthaft, ab sofort «bündig» wieder in mein Alltags-Sprachrepertoire aufzunehmen. Zumal ich es immer noch nicht geschafft habe, ein einigermassen spontan wirkendes «läss» zu platzieren.

Weiter hat mich der wiedergefundene Ausdruck (es ist ein bisschen, als ob man das Schulschätzli aus der ersten Klasse wiedertrifft!) zu einem anderen Lieblingsthema gebracht: Alte schweizerdeutsche Ausdrücke, die am Aussterben sind. Man überlege nur, wer heute noch «Summervogu» statt Schmetterling sagt – niemand. Dieser Post soll aber kein Ach-unsere-Sprache-wird-so-schlimm-verdeutscht-Geheul werden, denn: der aufmerksame Leser erinnert sich, ich mag kein Gejammer.

Nein, dieser Post soll vielmehr ein Sammelaufruf sein. Kennt Ihr Ausdrücke wie «Eiterriegel» für Crèmeschnitte? Soll angeblich aus dem militärischen Kontext kommen. Oder «Juflispriesse» für Langlauf-Skis? Angebliches Matten-Englisch, genau so wie «Jesuslatschen» für Birkenstock. «Häpperebrei» steht für Kartoffelstock oder «Brämeständer» für Pferd. Solche Ausdrücke sind längst nicht nur aufs Berndeutsche beschränkt – also bitte her mit euren alten Züri-Ausdrücken, St. Galler-Slang und mehr!

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4 Kommentare

  • Felix Ghezzi

    Als Kind haben wir, in der Zürcher Agglo zumindest, statt „bündig“ das Wort „tschännt“ benutzt. Das finde ich noch immer sehr cool.
    Bei ronorp wurden übrigens auch über Wochen solche Wörter gepostet. Kann es aber leider auf deren Page nicht finden.

    • florina

      Ah, das haben wir ganz früher auch gebraucht, bei uns hiess das halt eher „dschent“. Aber ja, ich denke auch, dass es irgendeine Abwandlung von gentle sein könnte. Quizduellfrage, eigentlich. 😉

  • Brigitte Federi

    Es gibt ein Online-Züri-Slängikon: http://zuri.net/slang, da finden sich ganz viele neue und alte Zürcher Ausdrücke.

    Bei „tschännt“ habe ich mir schon überlegt, ob es etwas mit Gent/Gentleman zu tun haben könnte? Wahrscheinlich liege ich aber falsch.

    Dank seinen Grosseltern nimmt mein sechsjährigen Sohn ganz selbstverständlich alte Ausdrücke in seinen Wortschatz auf. Und so brauche auch ich heute wieder ab und zu „süüferli“ und „tiffig“.

  • Urs Leutwiler

    „Tschent“ kommt soviel ich weiss von „cento“. So wie „Das isch denn s‘ Zähni“, nur einfach 10x besser.
    Ach ja… „Sterneföifi“. Auch so ein Zahlenausdruck.
    Potzblitz! Guet Nacht am Sächsi! Chrottepösche. E Telefonstange. Meinsch Di? En Bodesurri. Es Tic-Tac-Spiili. Chunnsch mit em Hödi? Go umeschwanze.

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