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Katzenjammer

Ich bin noch einer von der alten Generation und führe deshalb meine Agenda mit Einlageblättern, die ich jedes Jahr neu kaufe. Einerseits bin ich schneller als meine Kollegen, die mit der elektronischen Agenda auf dem Handy immer noch hantieren, wenn ich die Agenda schon längst geschlossen habe. Andererseits habe ich schneller den Überblick über die Wochen, Monate und Jahre, während mein Gegenüber mit rotem Kopf behauptet, der 16. sei ein Montag und nicht ein Dienstag und nicht merkt, dass er schon 2016 aufgeschlagen hat…

Ich öffne jeweils am Abend die Agenda auf dem Pult, bereit für den nächsten Tag. So weit, so gut. Am Sonntagmorgen will ich in der aufgeschlagenen Agenda nachschauen, was ich alles für den Gottesdienst brauche. Statt dem Blick auf das gefüllte Blatt – ein Blick ins Leere.

Unsere Katze hat sich in der Nacht auf mein Pult geschlichen und in aller Katzenwut die Blätter der letzten vier Tage dieses Monats zur Unkenntlichkeit zerzaust und zerrissen. Statt sauber geführter Agenda ein Tohuwabohu – «Katzenjammer» eben.

All die ach so wichtigen Termine zerzaust, zerrissen, «für d’Chatz». Stattdessen: Leerstellen in der Agenda. Leer-Zeiten zum Innehalten, Loslassen, Auftanken, zum Nichts Tun. Leer-Zeit ist Musse-Zeit. «Alles für d’Chatz» heisst demnach: leere Zeit, neu gefüllte Zeit, um über Gott und die Welt nachzudenken.

Nein, das Wüten meiner Katze ist nicht «für d’Chatz» – manchmal braucht es den Katzenjammer, um den Tag leer zu beginnen und ihn mit neuen Gedanken, Ideen, Vorhaben zu füllen.

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