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Lieber Winter, es war nicht so gemeint

Von Brigitte Federi 13. Februar 2014 Keine Kommentare

Wenn es in einer Beziehung kriselt, rät man den Betroffenen oft, sie sollen sich für eine Weile rar machen – und seien so schon bald wieder interessant für ihren Partner. Ich hielt bislang nicht viel von dieser Taktik, muss jetzt aber zugeben, dass sie auch bei mir funktioniert. Seit einigen Tagen vermisse ich ihn nämlich ganz gehörig: Den Schnee, der sich in Zürich in diesem Winter nicht zeigen will.

Dabei ist der Winter die Jahreszeit, auf die ich nach dem letzten Jahr glaubte, gut und gern verzichten zu können. Winter bedeutet neben Grautönen, Nebel, Kälte und Nässe auch Eis und Schnee, und ich brauche das alles nicht, zumindest nicht hier. Nun aber ist Mitte Februar und ich stelle fest: Der Schnee fehlt mir. Nicht der grau-gelb gesprenkelte Pflotsch, die schneeweisse Variante davon. Ich wünsche mir eine grosse Ladung Schnee für Zürich, die magische Momente entstehen lässt, an die ich mich auf einmal mit leichter Wehmut erinnere.

Ich mag es nämlich, dick eingepackt auf dem knirschenden Schnee durch die Stadt zu spazieren. Zu spüren, wie mir dabei warm wird, und wie gegensätzlich sich dazu die klirrende Kälte an meiner Gesichtshaut anfühlt. Es fasziniert mich, wie ruhig Zürich auf einmal wird, wenn der frisch gefallene Schnee den Strassenlärm dämpft. Wenn sich der Verkehr und in Folge die ganze Stadt verlangsamt.

Ein weisses Zürich erinnert mich an ein Zürich im Hochsommer, wenn die Menschen aussehen, als ob sie direkt vom See kämen oder sich auf dem Weg dorthin befänden. Die Stadt fühlt sich dann besonders lebendig an. Und genau dasselbe passiert, wenn Zürich zum Wintersportort mutiert und in den frühen Morgenstunden auf einmal Skifahrer oder Langläufer in der Stadt unterwegs sind. Wenn Kinder strahlend die Hänge hinunterschlitteln und grosse, kleine, dicke und dünne Schneemänner die Gärten bevölkern.

Und ist es nicht so, dass sich das Zuhause erst dann so richtig warm und gemütlich anfühlt, wenn draussen die Schneeflocken durch die Luft wirbeln? Dann schmecken mir Käsefondue und Raclette auch gleich noch ein bisschen besser, und Tee trinkend auf dem Sofa zu liegen und zum Uetliberg hochzuschauen wird zu meiner liebsten abendlichen Beschäftigung.

Lieber Winter, lass mich nicht mehr lange zappeln.

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