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Mein Yes zum Frühenglisch

Von Brigitte Federi 18. Dezember 2014 Keine Kommentare

«Mami, was heisst Sale?» «Sale? Das ist das italienische Wort für Salz. Hast Du das auf der Salzpackung gelesen?» «Nein, das steht seit einigen Tagen auf ganz vielen Plakaten in Schaufenstern von Kleiderläden.»

Es ist eindrücklich, ein Kind zu begleiten, das Lesen lernt. «Wenn du erst einmal lesen kannst, wirst du in neue Welten eintauchen», hatte meine Mutter mir als kleines Mädchen damals versprochen. Sie bezog sich dabei auf Bücher, aber soviel anders ist es beim Lesen im Alltag gar nicht. Mein Sohn fängt am Frühstückstisch mit «Milch Lait Latte» an und hört am Abend beim ins Bett Gehen mit unangenehmen Fragen auf, weil er tagsüber die Schlagzeilen auf den gelben Kioskaushängen gelesen, auswendig gelernt und nicht verstanden hat. Nicht zu vergessen die ganzen Veranstaltungen, von denen er nun dank Postern erfährt und die ich mit ihm freiwillig nie hätte besuchen wollen.

Ebenfalls erklären muss ich ihm die zahlreichen Anglizismen, die sich in unserer Sprache breitgemacht haben. Und wieso wir so viele englische Ausdrücke benutzen, wenn wir auf Deutsch doch auch ein Wort dafür hätten. Eine gute Frage. Aber keine Angst, ich möchte in diesem Blogpost nicht über die Bedrohung der deutschen Sprache klagen; für mich ist die Sprache ein sich stets veränderndes Gut, das die Realität unserer Gesellschaft widerspiegelt. Und darum geht es mir heute: dass die Kinder, die im Alltag überall mit Anglizismen konfrontiert werden, diese wann immer möglich auch verstehen sollten. Die ideale Lösung dafür heisst für mich Frühenglisch, so wie es in Zürich ab der zweiten Primarschulklasse gehandhabt wird.

Ich verfolge die Diskussionen in den Medien rund um das Lernen von Fremdsprachen in unseren Schulen auch aus beruflichem Interesse. Ich weiss, dass das Erlernen einer Sprache an der Schule nicht mit dem Erlernen einer Sprache in einem natürlichen Umfeld gleichzusetzen ist und die Prämisse «Je früher desto besser» in diesem Fall nicht gilt. Aber es geht mir ja auch nicht darum, unsere Achtjährigen rechtzeitig auf ihre Zukunft als gutverdienende Manager eines Globalplayers vorbereiten zu müssen.

Nein, ich denke ganz einfach, dass sich ihre Welt durch das Lesen Lernen um ein ganz schönes Stück vergrössert hat, und wenn wir Erwachsene der englischen Sprache einen so grossen Platz einräumen, dann sollten wir unseren Kindern den Zugang zu ihr ebnen. Und zwar so, wie das aktuell geschieht, auf eine spielerische, einfache Art, die den Kindern auch Spass macht. Mein Sohn, der eine altersgemischte Klasse besucht, beneidet seine grossen Schulkameraden auf jeden Fall um ihre zwei Englischstunden pro Woche und freut sich schon jetzt auf das nächste Schuljahr.

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