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Meine Viertelstunde in der Fraumünsterkirche

Von Martina Bischof 11. März 2014 Keine Kommentare

Letzten Mittwochmorgen sass ich um 7.45 Uhr, parat für den Tag, im südlichen Kirchenschiff in der elften Reihe der Fraumünsterkirche und lauschte dem Grusswort von Pfarrer Niklaus Peter.

Ich wollte es unbedingt einmal erleben, dieses fünfzehnminütige morgendliche Orgelkonzert, von dessen Existenz ich bis vor kurzem nichts gewusst hatte. Es handle sich dabei um herausragende Orgelmusik, wurde mir gesagt.

So zitierte der Pfarrer, vielleicht aus aktuellem Anlass, eingangs Robert Walser, mit einer Textstelle übrigens in Referenz zum ersten Musikstück und dem Titel «Herzlich tut mich verlangen» von Johann Sebastian Bach. Walser also beschreibt in genannter Passage in schwungvoller Art, wie er die Kleinigkeiten seines Tages bewusst geniesst und – ich würde meinen – gar liebt. Gleichzeitig lässt er den Tod seines Vaters ebenso klar in sein Bewusstsein und beschreibt die Notwendigkeit beider Aspekte – den bedingungslosen Genuss des Lebens und das Gewahrsein gegenüber dem Tod – zum erfüllten Dasein.

Mit mir sassen ungefähr dreissig weitere Personen in der Kirche. Mein Blick streifte über die Wände, den Kreuzgang, den Altar- und den Orgelraum ebenso wie über die berühmte Fenestrierung. Es ist länger her, seit ich letztmals eine Kirche besuchte um einer Darbietung beizuwohnen. Das Konzert begann und dauerte eine Viertelstunde.

Ich war entzückt über mein kurzes Erlebnis und überaus entspannt hernach. Obwohl ich im Grossen und Ganzen mit reiner Orgelmusik nichts anfangen kann, empfand ich die Vorführung als überaus erhebend und schön. Zweifellos empfehlenswert. Anschliessend auf dem Weg zur Arbeit fragte ich mich, was ich eigentlich sonst noch alles verpasse in Zürich und nahm mir vor, eine Liste zu erstellen mit allen Anlässen jenseits der jeweils aktuellen Veranstaltungskalender: Das Konstante, vielleicht Ignorierte oder einfach nur bis anhin Verpasste, welches man einfach allzuleicht übersieht oder eben überhört.

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