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Nach dem Unggle zum Kaiserschnitt

Von Brigitte Federi 13. Juni 2014 5 Kommentare

Ich mag keine Sätze, die mit «Früher war alles…» beginnen. Nichtsdestotrotz: Früher war alles einfacher. Es gab Metzgereien, Bäckereien, Schneidereien, Wäschereien und viele andere «-ereien» mehr, und bei jeder wussten wir, für was sie da war.

Dann hatte jemand zu Beginn des neuen Jahrtausends eine gute Idee, eröffnete ein Restaurant in einer ehemaligen Giesserei und nannte das Lokal ebenso. Später folgten anderswo in der Stadt eine «Rüsterei», eine «Härterei», eine «Gnüsserei», eine «Haltbarmacherei», eine «Gestalterei» und vor kurzem auch eine «Blumerei». Nun weiss ich bei Letzterer zwar wieder, was sie mir verkaufen will, aber hat das «ereien»-Spiel inzwischen nicht ausgedient? Läge man in Zürich heute mit einem simplen «Blumenladen» nicht besser? Oder anders gefragt: Aber der wievielten Kopie ist eine gute Idee abgenutzt? Und wann ist sie zu weit hergeholt?

Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Wortspielereien hätte, schon gar nicht gegen deutschsprachige. Mir gefällt «Dini Mueter», der «Huusmaa» und «Frau Gerolds Garten». Und auch ohne je da gewesen zu sein: Ein Club namens «Zukunft» klingt interessanter als einer, der «Future» heisst. Wenn jetzt aber zwischen dem «Dini Mueter» und dem «Huusmaa» – die Lokale sind nur wenige hundert Meter voneinander entfernt – ein «Euses Grosi» oder «Min Unggle» eröffnete: Würde das noch für Lacher sorgen?

Im Laufe meiner Recherche über die Namen von Zürichs Lokalitäten habe ich festgestellt, dass nicht nur die Gastronomiebranche schöpferisch tätig ist. Auch das Coiffeur-Gewerbe übt sich in kreativen Ergüssen. Hier eine kleine Auswahl:

– Kaiserschnitt (mein Favorit!)
– Haarsturm
– Frisurenmacher
– Haarsträubend
– Schnittvergnügen
– Haarkonzept
– Spieglein, Spieglein
– Haarschnittstelle
– Haarmonia

Nach soviel Inspiration liess es sich nicht vermeiden – zum Schluss bin auch ich noch erfinderisch geworden:

– Strählerei
– Din Gwaför
– Neui Friise
– Föhnerei
– Zum Höörlifrässer

Lieber Nachwuchs-Haarkünster, bedient Euch bitte!

5 Kommentare

  • Michael

    «Din Gwaför» ist gekauft!

  • Patrick E. Eyholzer

    Vorsicht. Verwechslungsgefahr. Goaffö gibts schon. Einige Gedanken zum selben Thema – wenn ich darf – gibts hier: http://blog.thinkpunk.ch/2010/05/naming-oder-wortwitz-overkill/

  • Brigitte

    @Michael Ich schenk ihn Dir 🙂

    @Patrick Interessanter Artikel. Kopfsalat assoziiere ich mit Salatsauce, die mir über den Kopf rinnt. Funktioniert bei mir also gar nicht 😉

  • Patrick E. Eyholzer

    @Brigitte, seh ich auch so. Interessant ist auch die Frage, ob Menschen ihren Beruf nach ihrem Namen aussuchen. Herr Metzger z.B. Und das Telefonbuch kennt einige lustige Beruf/Namen-Kombinationen. Falls du dich mal für eine Minute langweilen solltest.

  • Philby

    Wie jetzt, die Eierei gibt’s noch nicht? Heieiei!

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