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Pimp my Portrait

Von Felix Ghezzi 11. November 2013 3 Kommentare

Foto: Nicole Schneider; künstlerische Bearbeitung: Marc Elsener

Beim Barte des Propheten, vor mir liegt ein Buch, das Sie jeder/jedem Kunstbegeisterten sinnigerweise zu Weihnachten übergeben sollten! Vorausgesetzt, sie oder er ist mit dem Geschenk des Humors zur Welt gekommen.

Glaubt man Patrick Frey, dem Verleger des Buches «Bärte aus dem Jenseits» von Marc Elsener, so ist die Kombination von Kunst und Humor äusserst selten bis inexistent. Als Kabarettist und Kunstexperte kann er das besser beurteilen.
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Mir persönlich fallen spontan Schweizer Aushängeschilder wie Fischli & Weiss und Roman Signer ein. Aber über Humor lässt sich streiten. Im Fall von Marc Elsener hingegen sind Patrick Frey und ich sicher einer Meinung.

Das Thema Bart beschäftigt Marc Elsener künstlerisch schon seit Jahren. Aber ihn interessiert nicht die Hipster-Diskussion, sondern Haarwüchse, die dem Gebot «Du sollst deinen Bart nicht stutzen» (3. Mose 19,27) zu folgen scheinen, und deren Masse bildlich in einem mannshohen Sack nicht genügend Platz haben, wie zum Beispiel auf seinem Gemälde «Don’t Put Your Beard in Just One Bag» (2008).

Vor einiger Zeit hat Marc auf einem Flohmarkt in Altstetten über 200 Familienfotos aus den 1930er bis 1980er Jahren entdeckt. Er habe sofort gewusst, erzählte er an der Buchvernissage, dass er die Menschen darauf mit Bärten versehen müsse – Mann, Frau und Kind. Und so werden wir unter anderem Zeuge, wie die Bärte von «Herrn Bachmann und Frau Professor Bortani» beim Tanzen sich geradezu vereinen oder beim selben Fest der Bart eines Herrn frech an der Wange der Tischnachbarin krault.

Oft war es ein staunendes, manchmal ein herausprustendes Lachen, das mich beim Blättern in Marcs Buch begleitete. Diese Barthaare – gemalt mit dem Einhaarpinsel – haben aber auch etwas Unheimliches, denn es ist nie ganz klar, ob sie vom Träger gelenkt werden oder ob sie tun und lassen, was sie wollen. Beim Skifahren können sie durchaus zur Last werden, in liegender Position suchen sie offensichtlich den Kontakt zum Jenseits und streben nach oben.

Der Weg der Künstler zu Ruhm und Ehre ist oft ein steiniger, und in den Ateliers steht das eine oder andere misslungene oder unvollendete Werk. Ein solches Werk von Marc gelangte auf Anfrage der Künstlerinnen Karoline Schreiber und Julia Sheppard in ihre Hände. Wie das Original aussah und was sie daraus gemacht haben, kann man sich noch bis am 16. November 2013 in der Galerie «message salon» in der Langstrasse anschauen. Der Ausstellungstitel ist Programm: «Pimp my Painting». Kunstwerke von rund 30 Künstlerinnen und Künstlern wurden aufgemotzt, von dezent und nur geringfügig ergänzt bis zu brachial übermalt. Und obwohl die Künstler ihre Einwilligung dafür gegeben haben, fragt der Kunsthistoriker in einem beim Betrachten immer wieder: Darf man das? Wer ist jetzt eigentlich der Künstler des Werkes? Wie hat wohl der Künstler des ursprünglichen Bildes auf das Resultat reagiert?

Ich wollte wissen, wie es diesen Künstlern ergangen sein muss und habe eine Foto für diese sozusagen altmeisterliche Variante des «Glitschens» in Auftrag geben. Der Zeitpunkt schien mir perfekt, denn mein Porträt auf der «Karl der Grosse»-Homepage ist seit wenigen Wochen veraltet. Mein «Rund-um-den-Mund-Bart», auch Henriquatre genannt, ist weg. Abgemacht war, dass mir Marc diesen «wegpimpt». Aber Künstler sind unberechenbar berechenbar. Als er mein Foto sah, war er derart enttäuscht über mein «zart bewachsenes Haarfläumchen, welches sich ängstlich um dein Kinn räkelt», dass er mich mit einem «Bart aus dem Jenseits» versah. Jedes Mal, wenn ich mir das Bild anschaue muss ich schmunzeln, und ich frage mich jeweils: Was wird der freche Bart wohl alles anstellen? Und: Wie sieht es wohl aus, wenn ich friedlich am Träumen bin?

 

Foto: Nicole Schneider; künstlerische Bearbeitung: Marc Elsener

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