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Religion oder die Frage nach dem richtigen Weg

Von Martina Bischof 17. Januar 2014 Keine Kommentare

Ich begegnete dieser Tage über Mittag auf der Langstrasse einer jungen Frau und einem jungen Mann. Bereits ein gutes Stück bevor sich unsere Wege vor Fredis Schirm-Shop kreuzen sollten, fiel mir das Paar in die Augen. Vor allem die junge Frau. Wenn ich mich zurückerinnere, war es vermutlich ihre aussergewöhnliche Ausstrahlung, welche mich bereits in jenem kurzen Moment vor unserer Begegnung motivierte, mich auf ein Gespräch einzulassen. Ich ahnte, dass es zwei mögliche Anlässe für eine Kontaktaufnahme gab: Religion oder die Frage nach dem richtigen Weg.

Die Frau kam also auf mich zu und bat mich höflich, mir eine Frage stellen zu dürfen.

Allem Anschein nach waren beide ein Stück jünger als ich. Sie wirken sicher und unsicher gleichermassen. Ich meine unsicher vielleicht unterstützt durch die Umgebung der Langstrasse, für den Fall dass beide von auswärts kamen. Vielleicht lag das Schüchterne auch simpel in ihrer Eigenart. Wie dem auch sei.

Die junge Frau fragte mich also, ob ich ihr gestatten wolle mir etwas vorzulesen; es würde sie interessieren, was ich denke. Ich willigte ein und sie las mir eine Bibelpassage vor, welche von der Vision einer glücklichen, sorgenfreien Menschheit handelte. Da ich die Bibel nur in groben Zügen kenne, kann ich die Textstelle nicht lokalisieren, geschweige denn einordnen ob es sich bei dem Buch, welches sie bei sich trug um DIE Bibel handelte oder eine Auslegung davon.

Das Paar wollte also wissen, was ich von der beschriebenen Vorstellung denn halte. Der junge propere Herr stand ruhig und sichtlich konzentriert hinter der jungen Dame. Sie blickte mir selbstbewusst und herausfordernd in die Augen. Ich bemerkte, dass sie geschminkt war. Ich überlegte einen Moment, denn es schossen mir allerlei Gedanken durch den Kopf. Ich deklarierte als erstes, dass ich nicht gläubig sei und merkte, dass ich den beiden gegenüber wohl eingestehen muss, dass eine heilere Welt auch für mich grossartig wäre.

Vor allem nötig anzufügen war aber, dass ich sehr wohl damit bin, mir meine Fragen selber zu stellen und dass ich gerne im Bewusstsein lebe, meine Erfüllung, meinen Erfolg und mein Glück in meinen eigenen Händen zu wissen, und dass ich das «Göttliche», um ihren Terminus zu benutzen, gerne in allerlei Alltäglichem, Menschlichen, Gegenständlichen und Natürlichen erkenne. So ganz im Sinne meiner eigenen Ethik, deren Inhalte mich super dünken.

Die beiden wiesen mich noch einmal auf ihren Glauben an die Existenz eines Schöpfers hin und liessen erstmal nicht locker, worauf ich etwas im Zusammenhang mit Selbstverantwortung erwiderte und dabei dann doch noch ins Reden kam, mein Interesse gegenüber den Religionen ausdrückte und meinen Respekt deklarierte. Ich hatte fast ein wenig den Eindruck, ein sehr klares kleines Referat gehalten zu haben.

Gegen Ende des Gesprächs jedenfalls ergriff der junge Mann herzhaft das Wort und bedankte sich auf sehr sympathische Art souverän dafür, dass ich mir Zeit genommen hätte, was er nicht für selbstverständlich erachte.

Zum Schluss fragte ich noch, welcher Kirche die beiden denn angehören würden. Den Zeugen Jehovas, war die Antwort. Auf die Frage, weshalb sie sich für ihre Missionstätigkeit denn für die Langstrasse entscheiden würden, antwortete er, während sie nickte, weil der Bedarf hier am grössten sei und weil man im Kreis 4 am ehesten mit den Leuten ins Gespräch käme.

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