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Sehr viel Geld für wenig Film

Von Philipp Meier 6. November 2013 1 Kommentar

Youtube-NightDie Stadt Zürich steckt jährlich elf Millionen Schweizer Franken in die Filmförderung. Gefördert werden in erster Linie aufwändig produzierte Spielfilme und längere Dokfilme. Die meisten dieser Filme finden national ein eher spärliches Publikum oder im besten Fall ein Nischenpublikum an internationalen Festivals.

Seit Jahren schauen wir immer öfter Kurzclips auf Onlineplattformen (die bekannteste ist YouTube). Und wie reagiert die Kulturpolitik auf diese Entwicklung? Nicht.

Dabei könnten zum Beispiel mit einem Elftel des oben genannten Förderbetrages (= 1 Mio. CHF) rund hundert bis zweihundert Kurzclips produziert werden, was eine Verdoppelung bis Verdreifachung der geförderten Filme bedeuten würde.

Solche günstig produzierten Kurzclips können auch emotional berühren und Geschichten erzählen. Und wenn sich von diesen ein- bis zweihundert Clips nur einer viral durchs Netz verbreiten würde, dann würde er ein viel grösseres Publikum erreichen als alle Grossproduktionen zusammen, die heute jährlich gefördert werden.

Weil ich meine PappenheimerInnen kenne, muss ich nun folgendes nachschieben: Mir wird ständig unterstellt, dass ich alle Museen schliessen möchte, nur deshalb, weil ich die Kunstvermittlung in weissen Räumen kritisiere. Diese Unterstellung ist zwar rhetorisch geschickt, aber schlicht falsch. Wer nun meine Ausführungen zur Stadtzürcher Filmförderung nochmals nüchtern Revue passieren lässt, wird feststellen, dass ich nicht die Spiel- und Dokfilmförderung als Ganzes in Frage stelle, sondern nur einen Bruchteil davon neu verteilen möchte.

Aus aktuellem Anlass hierzu folgender Nachtrag: Neben Kurzclips gibt es noch unzählige Möglichkeiten, mit Bildern online Geschichten zu erzählen. Letzte Woche fand eine Aufsehen erregende Kunstaktion der Zürcher Mediengruppe Bitnik statt. Sie inszenierte einen Mail-Art-Krimi, der live im Netz übertragen wurde. Das Projekt wurde sogar von Wikileaks unterstützt und zeitweilig via deren Twitteraccount mit über 2 Mio. Followern medial begleitet.

Vor kurzem beklagte die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Stille der Künstler zum Überwachungsskandal. Aber so wenig, wie die FAZ bezüglich Avantgardekunst noch up-to-date ist, so klein ist das Sensorium der Kulturförderer in der Stadt Zürich für neue Tendenzen in der Kunstproduktion, -konsumation und -vermittlung. Da lobe ich mir das Migros-Kulturprozent.

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