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Geschichte

14 Blogposts

Die Schweizer haben ihr -li verloren

Von Silvan Gisler 5. Juni 2015 Keine Kommentare

Wir seien die Weltmeister des Understatements, sagt man. Dabei überschätzen wir uns in jüngster Zeit stetig. Ein wenig kritische Selbstreflexion würde da gut tun.  

Liquidtown

Von Felix Ghezzi 20. April 2015 1 Kommentar

Das Jahr 2015 wurde von Historikern und ganz besonders von Hobbyhistorikern zum Mythenjahr erklärt, und die Deutungshoheit kriegt langsam aber sicher durch die Letzteren den rechten Drall. Trotzdem ging es am «Stammtisch: Mythos Zürich» vom vergangenen Dienstag im Karl der Grosse weder um Hoheitsansprüche des Zürcher Volkes an die Schlacht bei Marignano noch um Felix und Regula. 

Das digitale Ortsmuseum

Von Brigitte Federi 26. Februar 2015 Keine Kommentare

Es ist bekanntlich nicht schwierig, sich beim Surfen zu verlieren. Mir ist es vor einigen Tagen wieder einmal passiert, als ich in Facebook auf eine Gruppe stiess, in der sich Leute austauschen, die im Kreis 3 aufgewachsen sind. Da gehöre ich zwar nicht dazu, aber «mein» Kreis ist mir in den über 15 Jahren, in denen ich in Zürich wohne, doch sehr ans Herz gewachsen. Zudem wächst mein Sohn hier auf, und je älter er wird, desto mehr fühlt auch er sich als «Wiediker». 

Einmal Rousseau rückwärts, bitte.

Von Silvan Gisler 10. Februar 2015 1 Kommentar

Wohl kaum eine andere Nation zelebriert ihren Bergfolklorismus so sehr wie die Schweiz und lässt ihn sich auch dementsprechend viel kosten. Dies zu hinterfragen gehört nicht zum guten Ton in diesem Land – wie die «Arena» vom letzten Freitag wieder mal deutlich machte. Das hat viel mit unserer Vergangenheit zu tun. 

Reliquien unserer Stadt

Von Christoph Sigrist 5. Februar 2015 Keine Kommentare

Eine Schraube vom HafenkranDer Hafenkran an der Limmat ist Geschichte. Was nun?

Die rostigen Schrauben, die beim Abbruch herumflogen, wurden liebevoll aufgehoben und liegen nun da und dort als Reliquien auf dem Hausaltar in der Stube. Sie sind zu Reliquien der Stadt geworden (s. auch NZZ-Artikel von Urs Bühler).

Nicht nur wenn bei uns Schrauben locker sind, greift die Seele nach rostigen Metallen und durchlöcherten Blechen, die – zurückgelassen – Türen symbolisieren, die in neue Räume führen.  

Ein für immer verlorener Luxus: die Weltgeschichte zu verschlafen

Von Brigitte Federi 21. November 2014 Keine Kommentare

Als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel, war ich in Amsterdam. Am späten Nachmittag des 10. Novembers machte ich mich dort auf die Suche nach einer deutschsprachigen Zeitung; mir waren die Kiosk-Aushänge mit den Wörtern «Berlin» und «Muur» aufgefallen und ich wollte wissen, was es damit auf sich hatte. Wieder zu Hause, verbrachte ich die nächsten Tage hauptsächlich vor dem Fernseher – so viel schien mir entgangen zu sein, hatte ich aufzuholen. 

Die unentdeckte Stadt

Von Christoph Sigrist 23. Januar 2014 1 Kommentar

Vergangenes Wochenende besuchte ich mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden die evangelisch-lutherische Gemeinde. Es gibt ja neben der reformierten Tradition auch die evangelisch-lutherische Prägung von evangelischen Christen. Meist sind es Ärzte, Pflegefachleute, Anwälte oder Industrielle aus Deutschland, die sich in dieser kleinen Gemeinde treffen – also jene Fremden, die uns Einheimische pflegen, verarzten und uns zum Recht verhelfen.  

Der Limmatlinie auf der Spur

Von Felix Ghezzi 22. Januar 2014 6 Kommentare

Um es gleich vorwegzunehmen: Meine Faszination für Panzersperren hat nichts mit dem Militär zu tun. Dass ich auf sie aufmerksam wurde, ist sozusagen ein Kollateralschaden einer sehr schönen Beziehung. Bei Reichenburg, das zwischen Ziegelbrücke und Pfäffikon SZ liegt, fahre ich jeweils mit dem Zug vorbei, wenn ich mein Patenkind in der Nähe von Sargans besuche. Dort tauchen jedes Mal rechts unterhalb des Bahndamms die Toblerone-Reihen auf, zuerst auf offenem Feld, dann übergehend in ein eingezäuntes Stück Land, in dem sich überraschenderweise mehrere Rehe und Hirsche tummeln.

Die schlichte Form der Höcker habe ich schon immer sehr ästhetisch gefunden, und so habe ich die Idee, die Panzersperre zu fotografieren, einige Jahre mit mir herumgetragen. Vor einem Monat stieg ich endlich in Reichenburg aus, und ich schoss ein paar hundert Fotos (einige davon zuunterst in diesem Artikel). 

Der «Schandstein» lebt weiter

Von Christoph Sigrist 14. November 2013 Keine Kommentare

Neben der Arbeit im Grossmünster bin ich noch Lehrer an der theologischen Fakultät der Universität Bern. Ich unterrichte angehende Pfarrerinnen und Pfarrer im Bereich von kirchlicher sozialer Arbeit. In diesem Zusammenhang halte ich Referate in verschiedenen Fakultäten und Akademien in Europa. 

Liechtenstein – Zürich – Toskana

Von Martina Bischof 8. November 2013 Keine Kommentare

Kürzlich bereiste ich wieder einmal die Toskana.

Dazu später mein Gedanke. Ich lebe seit 13 Jahren, 2 Monaten und ca. 20 Tagen in Zürich. Aufgewachsen bin ich in Balzers, dem südlichsten Dorf Liechtensteins.

Liechtenstein war immer ein armes Land. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg, wie man weiss. Auch die Liechtensteiner Landesfürsten wollten bis Anfang des 20. Jahrhunderts nichts wissen von einem Dasein im Liechtensteinischen – im schönen absolutistischen Wien liess es sich allemal besser leben als auf dem Schlosshügel inmitten einiger lumpiger Bauerndörfer bestehend aus einfachsten Holzhäusern – um nicht zu sagen -hütten. 

Revolutionen sind geil! (wenn sie weit weg stattfinden)

Von Philipp Meier 25. Oktober 2013 2 Kommentare

Dieser Blogpost wird kurz (ich kriege dafür ja auch nur 100 Franken;-), aber nicht minder brisant. Zürich hat (mindestens) ein Problem. Dieses teilt es wahrscheinlich mit den meisten Dorf- und Stadtgemeinschaften. Die Stadt Zürich geniesst (oder feiert gar) Errungenschaften, die durch Wider- oder Aufstände ausgelöst wurden. Gleichzeitig findet sie jedoch so gut wie keinen Umgang mit aktuellem Widerstand. 

In vino veritas: Gesellschaft­liche Gärungs­prozesse

Von Christoph Sigrist 18. Oktober 2013 Keine Kommentare

Wie fast jeden Herbst seit Jahrzehnten gehen Jugendliche des Jugendtreffs Grossmünster nach Sizilien, um ihre Freizeit im Campus der waldensischen Kirche in Scoglitti zu geniessen, einer Kleinstadt direkt am Meer. Die evangelischen Kirchen in Italien, insbesondere in Sizilien, sind zu sogenannten BMW-Kirchen fusioniert: Baptisten, Methodisten und Waldenser. Alles andere als einen BMW fahren die Pastoren. Die Verhältnisse in Sizilien sind sehr bescheiden. Sie entsprechen wohl eher einem Fiat mit eingeschlagenem Fenster. Der Reichtum der Region liegt in der Schönheit und der Fruchtbarkeit des Landes und in der faszinierenden Kultur der Menschen, mit diesem Reichtum an Früchten und Farben zu arbeiten und sie zu veredeln. 

«Händ us de Hosesäck!» Ein Plädoyer für Formen und Regeln

Von Christoph Sigrist 9. Oktober 2013 Keine Kommentare

Jedes Jahr geht die Kirchgemeinde Grossmünster auf Reise – diesmal waren wir in Lettland und besuchten Kirchen und Leute. In diesem grossartigen Land gibt es eine Gruppe von russisch-orthodox geprägten Christen, die altgläubig genannt werden. Sie haben sich im 17. und 18. Jahrhundert von der Grosskirche abgespalten, wurden vertrieben und liessen sich in Lettland nieder. Diese Glaubenden leben mit einer rigiden Moral und strengen Frömmigkeit zurückgezogen. Kein ausgebildeter Priester leitet die gottesdienstlichen Rituale, sondern einfach der, der am besten lesen und singen kann. In Daugavpils, der zweitgrössten Stadt Lettlands, konnten wir die Kirche dieser Altgläubigen ausnahmsweise besuchen. 

Asyl in der Krypta

Von Christoph Sigrist 20. September 2013 1 Kommentar

Seit ich in der Sakristei des Grossmünsters mein Büro provisorisch eingerichtet habe, weil an und in der Helferei immer noch renoviert wird, liegt mir der «Karli» noch näher. Fast täglich gehe ich einmal «i de Karli» zu einem Gespräch oder zu einer Sitzung. Ich bin auch froh, dass meine Konfirmandenklasse an den Sonntagen, an denen sie im Gottesdienst und auch im Programm nachher engagiert ist, im Karli Asyl für Mittagessen und weitere Aktivitäten bekommt.

«Ich gane IN Karli» – diese Aussage wird im Grossmünster verwandelt zu «Ich gane ZUM Karli», also gewissermassen personalisiert. Warum?