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Kunst und Kultur

41 Blogposts

Dritte Runde

Von Felix Ghezzi 18. Juni 2015 4 Kommentare
Bildhalle_FelixGhezzi

Ich bewundere Menschen, die immer ein klares Ziel haben, die sich voll und ganz einer Sache verschreiben können – und dies über Jahre hinweg. Bei mir hingegen verlaufen die Leidenschaften für ein Hobby, ein Projekt oder ein Thema wellenförmig. Ich bin Phasen ausgesetzt: Roman-Lese-Phasen, Serien-Phasen, Tennisspiel-Phasen oder Fotografie-Phasen.  

Trügerische Idylle am Seefeldquai

Von Felix Ghezzi 21. Mai 2015 Keine Kommentare

Schaut man an einem trüben Tag am Zürichhorn auf den See hinaus, sieht man leicht verschwommen die Schiffe vorbeituckern, gegen Horgen scheint sich der See zum Meer zu erweitern. Ein idyllisches Bild.

Weniger beschaulich geht es an schönen Samstag- oder Sonntagnachmittagen zu und her, wenn man am Seeufer vom Bellevue ans Zürichhorn spaziert. Macht einen das Bad in der Menge ganz nervös, aber man möchte beispielsweise Freunden aus dem Ausland das Seebecken zeigen, so ist man froh, wenn man zwischendurch ein ruhiges Plätzchen findet. Genau in der Mitte der Strecke befindet sich eine solche Oase: das Johann Jacobs Museum

Fehler im System

Von Felix Ghezzi 7. Mai 2015 Keine Kommentare

Ich war stolz, so vernünftig zu sein. Für einen Städtetrip nach Barcelona schaffte ich es, für die ganze Woche statt vier Büchern nur eines einzupacken. Es war die Goethe-Biografie, die unsere Lesegruppe ausgewählt hatte. Sie lag bereits über einen Monat herum, die anfängliche Euphorie hatte sich nach beinahe hundert Seiten Lektüre bemerkbar abgekühlt. Doch nun wollte ich einen neuen Effort machen und die Sache durchziehen, denn nach den Ferien blieb nicht mehr viel Zeit bis zum Treffen mit den Kolleginnen. Da ich kein Spanisch verstehe, würde ich in den Ferien auch kein weiteres Buch kaufen. Am zweiten Ferientag fragte ich meine Freundin, ob sie mir nicht doch «What I loved» von Siri Hustvedt überlassen könne.  

Ein Gruss aus dem Aargau?

Von Brigitte Federi 23. April 2015 2 Kommentare

Beschämend, aber wohl bezeichnend für die heutige Zeit ist, dass ich von gewissen Dingen aus meiner unmittelbaren Umgebung manchmal erst aus den Medien erfahre. Dinge, die ich schon längst entdeckt haben könnte, wenn ich im Tram weniger auf mein Handy starren und mehr aus dem Fenster schauen würde. 

Liquidtown

Von Felix Ghezzi 20. April 2015 1 Kommentar

Das Jahr 2015 wurde von Historikern und ganz besonders von Hobbyhistorikern zum Mythenjahr erklärt, und die Deutungshoheit kriegt langsam aber sicher durch die Letzteren den rechten Drall. Trotzdem ging es am «Stammtisch: Mythos Zürich» vom vergangenen Dienstag im Karl der Grosse weder um Hoheitsansprüche des Zürcher Volkes an die Schlacht bei Marignano noch um Felix und Regula. 

Wieso mir die ewige Leier von der internationalen Strahlkraft gehörig auf die Nerven geht

Von Silvan Gisler 9. April 2015 Keine Kommentare

Gleich zwei Kulturleitbilder – vom Kanton Zürich und von der Stadt Winterthur – wurden in den letzten Wochen vorgestellt. Obwohl «Vielfalt», «Nischen», «Freie Szenen» und «Kreativität» ihre Streicheleinheiten kriegen, herrscht vor lauter Leuchttürmen und Strahlkraft am Ende nur Überblendung. 

«Die Wilden» sind nicht in der Fremde anzusiedeln

Von Felix Ghezzi 31. März 2015 1 Kommentar

Kennengelernt habe ich Bettina Carl vor sieben Jahren. Sie war damals vom Kuratorinnen-Duo «Art Agreement» eingeladen, für einige Wochen die Wände unseres Verlags mit ihren Zeichnungen in einen Ausstellungsort zu verwandeln. Der Zusammenhang mit der Buchwelt war die Verwendung von Textfragmenten in Bettina Carls Bildern und ihr ausgeprägtes Interesse an Sprache und Literatur. 

Lebensqualität kommt von Dada, nicht von Statistik

Von Felix Ghezzi 16. März 2015 3 Kommentare

Statistisch betrachtet, sind Sie selber schuld, wenn Sie in der Stadt Zürich wohnen und unzufrieden sind. Denn einmal mehr hat die Mercer-Studie der Stadt Zürich die Silbermedaille für die weltweit höchste Lebensqualität verliehen – hinter Wien und vor Auckland, München, Vancouver, Düsseldorf, Frankfurt, Genf, Kopenhagen und Sydney.  

Wie sieht es in einem Gummistiefel aus?

Von Felix Ghezzi 2. März 2015 1 Kommentar

Gummistiefel beim Kloster SchönthalKarl der Grosse hat im März das Thema «Wohnen» zum Schwerpunkt gemacht und uns Blogger aufgefordert, über dieses Thema zu schreiben. Und so ging ich erwartungsvoll zu einem Vortrag im Architekturforum Zürich, wo die zwei jungen Inhaber des «Atelier Scheidegger Keller» über ihre Projekte berichteten. Der Titel «Wie sieht es in einem Gummistiefel aus?» hatte meine Neugier geweckt.  

Trügerisch geordnet und kosmologisch verwirrt

Von Felix Ghezzi 19. Februar 2015 3 Kommentare

Matt Mullican, Frottage, Musci, Blatt Nr. 2, Kassette Nr. XIV aus: “Untitled“, 1990-1991, Graphische Sammlung ETH Zürich

Glücklich sind jene, die den Sinn des Lebens zu kennen glauben. Wir anderen sind weiterhin auf der lebenslangen Suche. Also sucht man Halt in Religionen, in Modellen und Theorien oder schafft anderweitig Ordnung.  

Reliquien unserer Stadt

Von Christoph Sigrist 5. Februar 2015 Keine Kommentare

Eine Schraube vom HafenkranDer Hafenkran an der Limmat ist Geschichte. Was nun?

Die rostigen Schrauben, die beim Abbruch herumflogen, wurden liebevoll aufgehoben und liegen nun da und dort als Reliquien auf dem Hausaltar in der Stube. Sie sind zu Reliquien der Stadt geworden (s. auch NZZ-Artikel von Urs Bühler).

Nicht nur wenn bei uns Schrauben locker sind, greift die Seele nach rostigen Metallen und durchlöcherten Blechen, die – zurückgelassen – Türen symbolisieren, die in neue Räume führen.  

Der Traum vom Fliegen

Von Felix Ghezzi 2. Februar 2015 2 Kommentare

Gustav Mesmer, Foto: Stefan Hartmaier. Musée VisionnaireWährend Städtetrips gehe ich gern in Kunstmuseen. Seit zwei, drei Jahren fällt mir allerdings öfter störend auf, dass ich dabei Werken von immer den gleichen Künstlern begegne. Die Blockbuster-Ausstellungen versuchen sowieso mit den grössten Namen wie Munch, Picasso, van Gogh oder Gerhard Richter Zuschauerrekorde zu generieren. In den Museumssammlungen sieht es aber meist auch nicht viel anders aus: Rembrandt, Cézanne, Monet, Manet, Bacon, Koons, Hirst etc. hängen an den Wänden in Zürich, Bern, Basel, Köln, Paris, London, Lissabon und wo auch immer Sie hingehen.

Und ich gebe es offen zu: Es machte mir lange Spass (und ich ertappe mich auch jetzt immer noch dabei), zu meiner Begleitung zu sagen: «Ist das nicht von Fischli/Weiss?», «Ach, das ist bestimmt von David Hockney», «Das muss von Jeff Wall sein», «Das ist ein Twombly». Es gibt dafür, dass überall die gleichen Namen hängen, natürlich gute Gründe: unter anderem die Qualität der Werke. Aber es beginnt, mich zu langweilen. 

Wo bleibt die Erziehung zum guten Geschmack?

Von Felix Ghezzi 20. Januar 2015 2 Kommentare

Wir sind umgeben von «Marketing Design». Design, das nicht primär aus den Ideen von Gestaltern entstanden ist, die Form, Material und Funktion ästhetisch verbinden möchten, sondern vielmehr von Marketingabteilungen, die die Erscheinung der Gegenstände auf Grund von Analysen des Kaufverhaltens und den sogenannten Kundenwünschen auf den grösstmöglichen Verkaufserfolg trimmen. 

«Warum kein Blumen-Kohl?»

Von Felix Ghezzi 6. Januar 2015 5 Kommentare

Blumenkohl. flickr.com, Ben Dalton, CC BY-SA 2.0Mein Aufruf im letzten Blogpost, die Ausstellung «Durch die Blume» (noch bis am 29. März 2015) zu besuchen und darüber zu berichten, hat keine Kommentare ausgelöst. Also stapfte ich zwischen Weihnachten und Neujahr durch den Schnee ins Museum Bellerive, um mir eine eigene Meinung zu machen. 

Urs Frei und das Unkalkulierte

Von Felix Ghezzi 25. November 2014 1 Kommentar

Urs Frei macht mich beim Fotografieren seines Ateliers auf die noch feuchte Farbe der Bilder aufmerksam, die am Boden liegen – nicht wegen den Bildern, sondern wegen meinen Schuhen. Später stösst Pascal Marchev von der Zürcher Galerie Mark Müller dazu, um für die Gruppenausstellung «Markshmallow» Werke auszusuchen. Er nimmt schliesslich ein bemaltes Kissen und vier Bilder mit – die rahmenlosen Leinwände rollt Frei einfach zusammen und steckt sie ungeschützt unter die Schnur des verpackten Kissens, das Marchev im Tram zur Galerie transportieren wird.