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Winterreden

26 Blogposts

Winterreden 2017: Katja Gentinetta

Von Dr. Katja Gentinetta 23. Januar 2017 1 Kommentar

Die einen wollen kämpferisch «dem Volk die Macht zurückgeben», die anderen befürchten nachdenklich «zu viel Volk». Oder noch einfacher gesagt: Die einen zweifeln am Staat, die andern zweifeln am Volk.

Diese Auseinandersetzung ist nicht neu. Genau genommen ist sie rund 2’500 Jahre alt. Was soll der Staat? Und wer ist das Volk? Platon schrieb seine Politeia anlässlich des demokratisch legitimierten Mordes am Philosophen Sokrates. Wie konnte passieren, dass ein Mensch, der nichts als denkt und spricht, zwar kritisch und ohne falsche Angst, und damit die Menschen zum Denken anregt, zum Tod verurteilt wird? In einer Demokratie? 

Winterreden 2016: Regula Stämpfli

Von Regula Stämpfli 1. Februar 2016 Keine Kommentare

@laStaempfli
Reson2sell: Prolog

„Ein Banker, ein Schweizer und ein Asylant sitzen am gleichen Tisch. Darauf liegen 12 Kekse. Der Banker nimmt 11 und meint zum Schweizer: ‚Pass auf, dass der Asylant Dir nicht den letzten Keks wegfrisst.’“

Bei der kopernikanischen Revolution ging es nicht darum, ob die Erde um die Sonne kreist oder die Sonne um die Erde, mit anderen Worten: Es ging nicht um wahr oder nicht, sondern es ging darum, dass mit dem neuen Weltbild die alten Herrscher abdanken mussten. Die Hierarchie des Oben und des Unten war an den Mittelpunkt der Erde geknüpft, es war diese Rangordnung, die nicht in Frage gestellt werden durfte und nicht die Frage nach der Sonne oder nach der Erde. Kaiser, Fürsten, Bischöfe und Hexenverbrenner: Sie alle mussten die Sonne sein, um die sich die Untertanen drehten. Notwendigerweise wurden deshalb all jene verfolgt, die trotzdem meinten: „Und sie dreht sich doch“ beseitigt. 

Winterreden 2016: Res Strehle

Von Res Strehle 30. Januar 2016 Keine Kommentare

Wie sich Blocher von Dürrenmatt inspirieren liess

Vor einem Vierteljahrhundert hielt Friedrich Dürrenmatt der Schweizer Classe Politique in seiner Gefängnisrede den Zerrspiegel vor. Ein Zuhörer nahm sein Gleichnis wörtlich.

Vor gut 25 Jahren hielt der grosse Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt eine Winterrede am Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon. Anlass dazu war die Vergabe des vom Migros-Gründer gestifteten Preises an den tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel, Schriftsteller und verfolgter Dissident.

Dürrenmatt war in Rage über den wenige Monate zuvor bekannt gewordenen Fichenskandal: Der Schweizer Staatsschutz hat im vergangenen Jahrhundert über 900’000 Personen und Institutionen auf Registerkarten geführt und diese Karteikarten – liebevoll und für heutige Ohren etwas antiquiert – Fichen genannt. Dahinter standen Millionen von Akten, zeitweilig war die Schweiz in Sachen Staatsschutz eine Mini-DDR. Informelle und formelle Mitarbeiter beobachteten Nachbarn, durchwühlten Abfallsäcke, sammelten Flugblätter und unterwanderten Arbeitsgruppen.  

Winterreden 2016: Franziska Barmettler

Von Franziksa Barmettler 28. Januar 2016 Keine Kommentare

Ökologie & Ökonomie

Zur Umwelt Sorge tragen ist etwas, was mir schon immer wichtig war. Es ist für mich etwas Selbstverständliches. Wie ein Urinstinkt. Ich glaube es kommt davon, wie ich erzogen wurde. Meine Mutter hat immer darauf geschaut, dass wir einheimische Produkte kaufen. Ich wusste schon als Kind, welches Gemüse wann Saison hat. Sie hat auch geschaut, dass ein Produkt nicht zu viele von diesen E’s drin hat und wir durften niemals Essen wegwerfen. Dadurch habe ich gelernt darauf zu achten, was ich kaufe. Ich war auch dieses nervige Kind, das meinem Vater beim Zähneputzen immer den Wasserhahn abgestellt und ihn dabei mit vorwurfsvollen Augen angeschaut hat. Sowieso verstehen Kinder sehr gut, dass man mit der Natur sorgfältig umgehen soll, man braucht es ihnen nicht gross zu erklären. 

Winterreden 2016: Marc Spescha

Von Marc Spescha 27. Januar 2016 2 Kommentare

Buna saira, buona sera, good evening, bon soir, Citoyennes et Citoyens!

Liebe Einheimische mit und ohne Schweizer Pass. Schön, dass Ihr so zahlreich erscheinen seid! Willkommen sind aber auch PassantInnen aus Nah und Fern. Auch Sie lade ich ein, kurz inne zu halten und ein paar Minuten zu lauschen, was uns hier umtreibt, aktuell. Dass ich von oben herab spreche, lässt sich nicht ganz vermeiden, soll aber nur räumlich so bleiben.

Gute Laune sei eine unterschätzte historische Kraft, las ich wenige Stunden vor dem Jahreswechsel. Gute Laune also nicht nur aus persönlicher Geneigtheit oder als unabsichtliche Folge günstiger Umstände, sondern als „historische“, will heissen politisch wirksame Kraft. Dieser Kraft möchte man sich gerne verschreiben und ich habe sie mir auch zum Vorsatz fürs Neue Jahr gemacht. Ganz im Wissen darum, dass es nicht leicht sein dürfte, ihn einzulösen. Jedenfalls dann nicht, wenn man sich nicht zur Spassgesellschaft zählen mag oder nicht mit einem gänzlich unbeschwerten Naturell gesegnet ist. 

Winterreden 2016: Judith Giovannelli-Blocher

Von Judith Giovannelli-Blocher 25. Januar 2016 Keine Kommentare

Gute Nahrung aus guter Erde

Hey, ihr Lieben da unten, die ihr bei Eis und Schnee gekommen seid, um einer alten Frau zuzuhören!

Ich weiss gar nicht, weshalb ich in letzter Zeit so viel an die Zeit des Ende vom Zweiten Weltkrieg denken muss. Damals lag Europa in Trümmern, wir mitten drin, vom Kriege verschont. Es fing eine neue Zeit an, wir heranwachsenden Kinder nahmen staunend etwas von den in Trümmern liegenden Ländern wahr. Ganz tief eingegraben ist in mir der Friedenstag vom 8. Mai 1945. Er begann mit Glockengeläute, es war Schul- und Arbeitsfrei. Die Menschen sassen in Sonntagskleidern vor den Häusern, schauten staunend über Land – und konnten es nicht fassen, dass ausgerechnet wir Schweizer inmitten von Kriegbetroffenen Ländern ohne Waffengewalt davon gekommen waren. Damit hatte man nicht rechnen dürfen. Man konnte es kaum fassen.

Am Morgen hatten wir Schulkinder uns zum Chor zusammen gefunden, hatten unsere in der Näh-Schule genähten Werktags-Trachten mit den handgewebten Leinenschürzen, die steif an uns herunterhingen, an und sangen: „Brüder, reicht die Hand zum Bunde…“ 

Winterreden 2016: Markus Spillmann

Von Markus Spillmann 20. Januar 2016 Keine Kommentare

Oh Tannenbaum!

Ich war dieser Tage in Berlin. Berlin ist gross, Berlin ist eine Hauptstadt, und Berlin ist ein wenig schmuddelig.

Zürich ist klein, ist keine Hauptstadt, und Zürich ist sauber. Ich bin sehr gerne hier zuhause.

Aber ich bin auch sehr gerne in Berlin, wie ich auch in vielen anderen Städten dieser Welt sehr gerne bin. Abgesehen von meiner Geburtsstadt Basel ist natürlich keine so schön wie Zürich. Vor allem aber ist keine so sauber wie Zürich.

Und doch gefallen mir diese Städte; eben, weil sie nicht nur schön sind, nicht wie aus dem Ei gepellt glänzen, weil sie verratzte und ja, auch schmutzige Seiten haben. 

Winterrede 2016: Lara Stoll

Von Lara Stoll 14. Januar 2016 Keine Kommentare

Liebe Menschen,

Es freut mich, dass Sie sich entschieden haben, heute Abend bei diesem wunderbar feuchten Wetter eine Rede hören zu gehen. Ich persönlich kann das ja nicht nachvollziehen. Allerdings, aus anderen Gründen.

Ich habe vor einigen Jahren einmal bei Teletop als Videojournalistin gearbeitet und leide seitdem unter einer sogenannten Spatenstich-Phobie, jeden Tag wurde man irgendwo in den wilden Thurgau geschickt um sich an einem noch so unwichtigen Ereignis eine Rede anzuhören und danach einen kauzigen Gemeinderat zu interviewen.

Seitdem werde ich unruhig und manchmal auch leicht aggressiv wenn jemand eine Rede hält. Ich wüsste dann immer sehr gerne wie lange die Rede ungefähr dauert damit ich mich nicht innerlich selbstzerstöre. 

Winterrede 2016: Khalid Ahmed

Von Khalid Ahmed 8. Januar 2016 Keine Kommentare

Um zu wissen, ob man auf der Seite der Kommunisten, Anarchisten, Sozialdemokraten, Kapitalisten oder Neuen Liberalen stehen soll, braucht man nicht viel von Kafka, Kant, Nietzsche, Camus, Freud, Chomsky, Marx, Hegel oder Engels usw. gelesen zu haben.
Ist das überhaupt wichtig, auf welcher politischen Seite ich stehe? 

Winterreden 2016: Pedro Lenz

Von Pedro Lenz 7. Januar 2016 Keine Kommentare

Liebi Zürcherinnen,

liebi Zürcher,

härzlech wüukomme

zu dere chline Winterred

hütt am Obe do z Züri,

es isch mer e Fröid,

e Fröid und en Ehr,

hie z Züri us däm Erker

zu öich dörfe z rede,

i rede drum gärn

und i rede gärn z Züri,

bi immer gärn z Züri. 

Winterreden 2016: Suzan LeVine

Von Suzan LeVine 5. Januar 2016 Keine Kommentare

Hope Lives but it Needs Your Help

Romeo, Romeo wherefore art thou Romeo?

Oh – sorry – the last time I saw a window and balcony used for an address, it was for Shakespeare….

Thank you so much to the City of Zurich and the Zentrum Karl der Grosse for the honor of having this Window of Opportunity to speak to the Swiss people in this forum and to kick off the Winterrede series.