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Züri-Saga

5 Blogposts

Züri-Saga: Teil 5

Von Dana Grigorcea 16. Mai 2017 Keine Kommentare

Als Kind war ich in einem eben kindlichem Grössenwahn davon überzeugt, dass ich mittels häufiger Spaziergänge durch die Stadt immer tiefere Spuren im Stadtbild hinterlassen könnte – welcher Art diese Spuren auch immer sein würden, würde sich im Laufe meines Lebens durch noch zu erschaffende unvergessliche Werke, welcher Art auch immer, zeigen. So kam es, dass ich meine Spaziergänge mit grossem Ernst unternahm, wenn zunächst auch nur meine Strasse in Bukarest rauf und runter; wobei mich Mutter mahnte: „Bitte geh nur bis zur Ecke, damit ich dich vom Fenster aus stets sehen kann.“ Dann, mit zunehmenden Alter und aufkeimenden Unabhängigkeiten, kam ich in immer fernere Strassen, in ferne Städte und wie für mich neue Länder. 

Züri-Saga Teil 4: Vorläufiges Finale

Von Kaspar Schnetzler 5. Januar 2016 Keine Kommentare

DER TRADITIONELLE ZÜRCHER RATSHERRENTOPF
Ein kulinarischer Aspekt der Züri-Saga 4

Was bisher geschah, war nicht mehr wie früher.

Zwar war es auf den ersten Blick, wie es in Zürich immer war, wenn man der Tradition folgte. Die Herren sassen oben, auf der Estrade im Karli nämlich, und redeten wie seit Jahrhunderten über die da unten – über die Punks und Hippies, zum Beispiel, die sich zu ihrer Zeit, die schon lange in die Nostalgie abgetaucht ist, eine Schlacht im Dynamo an der Limmat unten lieferten. Und über den Leiter dieses Kraftortes, wie er Frieden unter diese Menschen brachte.
Aber wie früher war es trotzdem nicht. Einer von den Zürcher Herren redete Baseldytsch, und Frauen sassen auch bei den Herren oben und redeten wie sie. Über die Frauen da unten. 

Züri-Saga Teil 3: Was bisher geschah

Von Daniel Mezger 4. Januar 2016 Keine Kommentare

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Abend dann doch noch ganz schön wurde. Nach den Unannehmlichkeiten da in der Stüssihofstatt war er dann ja zum Glück doch noch nicht zu Ende. Es ging dann ja erstmal noch weiter, erst in die Kronenhallenbar, die lag ja damals noch da hinten oben, Elsässergasse 162, unten im Keller, man musste den Klingelcode kennen, um eingelassen werden, fünfmal lang, achtmal kurz, dreizehnmal lang, dann durfte man rein, ja, die illegalen Bars, das war das, was Zürich ausmachte, damals, und das waren noch die guten Zeiten, denn die Zeiten waren alt und wir waren noch jung. Und anschliessend ging es dann ja noch ins Odéon, das hatte damals noch länger auf und man durfte auch noch rauchen und es lag damals ja noch unten an der Riviera, wer weiss denn heute noch, wo die Riviera liegt? Und warum die Eltern unserer Eltern unseren Eltern gesagt hatten, sie dürften da nicht hin. Rauchen und Trinken und Rumlungern war ja damals noch verboten. Und wir rauchten und tranken und lungerten rum, bis auch das Odéon schloss, aber zusammenfassend kann man sagen, dass es doch noch ganz nett wurde, denn es ging ja dann erstmal noch weiter, noch kurz in die Gräblibar, die lag ja damals noch ganz woanders, aber ganz genau könnten wir nun auch nicht mehr beschreiben wo, denn der Abend wurde eher noch spät und es ging dann mit dem ersten Tram nach Hause, denn Zürich liegt nun mal nicht gänzlich im Dörfli, auch wenn uns viel am Dörfli liegt und seinen Dörfligeschichten. 

Züri-Saga Teil 2: Was bisher geschah

Von Silvia Tschui 4. Januar 2016 Keine Kommentare

Folgende Elemente wurden verbraten:

existentielle Angst nackt vor dem kühlschrank
raketenbauteile aus tschetschenien
ein schickliches Begräbnis
streetparade marek krynski verdient einen gewaltsamen Tod
strassenbütschgi
rosa papierflieger

was bisher geschah… 

Züri-Saga Teil 1: Was bisher geschah

Von Philippe Heule 14. Dezember 2015 Keine Kommentare

Was bisher geschah, das passt auf kein Papier dieser Welt und auf keine Kuhaut, keine Tafel ist lang genug dafür, jede Nacht ist zu kurz und jeder Raum, ausser der Weltraum vielleicht, zu klein, aber die Sehnsucht nach einem Überblick davon, was bisher geschah, einem erklärten Zusammenhang bleibt gross und mächtig. Ich werde also einen kleinen Versuch wagen Ersehntes zu erfüllen. Vor gar nicht allzu langer Zeit und also vor ziemlich genau einer Woche, trafen sich an einer langen Tafel, ungefähr so wie jetzt, ein Haufen von verschiedenen Menschen. Es war eine merkwürdige Konstellation von Leuten, die mit dieser Stadt eine gewisse Geschichte verbindet, sei sie lang oder kurz, aber in den meisten Fällen eher lang, für die dieser Ort jedenfalls kein unbeschriebenes Blatt mehr ist, sondern im Gegenteil sprechende Bände. Diese Menschen trafen sich hier und viele trafen sich zum ersten Mal, weil bisher gab es dazu noch keinen triftigen Grund und deshalb brauchte es für ein Aufeinandertreffen diese Veranstaltung, dieses willkürlich erscheinende Schicksal und nur schon darum war dieser Abend aussergewöhnlich. Sie trafen sich zu einem gar ungewöhnlichen und regelrecht unglaublichen Experiment. Viel stand auf dem Spiel an diesem Abend und allem voran die Demokratie, denn so viel wissen wir, der geht es an den Kragen, wenn wir entweder verstummen oder einander nicht mehr zuhören und so war dieser Abend in gewissem Sinne eine nötige und wichtige Gegenmassnahme.