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So 01. Mai

Der Demokratie-Komplex

Editorial Mai

Komplex ist sexy.

Wie man Wörter ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt und sie neu auflädt, hat uns Christoph Blocher eindrücklich gezeigt. Sein «Volk» ist ein anderes als das der «Mehrheit», die bei ihm ebenfalls eine andere ist als die der «Elite». Wer zu welcher Gruppe gehört, ist plötzlich eine Frage der Gesinnung, nicht der tatsächlichen Wortbedeutung. Zitat: «Alle sind gegen die Mehrheit des Volkes». Ganz besonders wohl die «Elite». Komplex? Komplex! Kein Wunder, haben hierzulande alle einen Demokratie-Komplex. Aber trotz aller Komplexität: Das mit dem Umdeuten können wir auch. Und darum machen wir aus dem «komplex», dem oft verzweifelt, hoffnungslos oder eben von der Elite gebrauchten Wort ein positiv besetztes.

Komplex denken ist sexy – das hat der letzte Abstimmungskampf zur Durchsetzungsinitiative gezeigt. Differenzierte Argumente statt dumm drein blickende Wollschäfchen, präzises Beschreiben und genaues Hinschauen auch dort, wo es langweilig wird. Aber eigentlich nicht ist. Denn wer sich auf das Abenteuer «Komplexität» einlässt, wird belohnt: Mit Aha-Erlebnissen, Hallelujah-Effekten, fehlerfrei fliessenden Satz-Kaskaden aus dem eigenen Mund und einfach Spass am Denken und Reden.

Komplexe Dinge versteht man am besten nicht nur mit dem Kopf. Also: Lernt in unserem «Mini-Lehrgang Debattieren» das Argumente-Dreschen oder feiert mit uns den (natürlich fiktiven) 10-jährigen Geburtstag des Grundeinkommens, ein – zugegeben komplexer – Vorschlag für eine neue Demokratie der Zukunft. Und wer schon lange einmal mit Flavia Kleiner und anderen Sternen aus der Politik zu Abend essen wollte, kann das am 19. Mai beim hochkarätig besetzten «Znacht der Zukünfte» tun.

So kompliziert ist das alles doch gar nicht.

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