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Sa 01. Oktober

Die Post-Olympiade

Editorial Oktober

Etwas hat sich verändert: Die besten Freunde zählen auf einmal nicht mehr die Anzahl Menschen, die sie geliebt oder mit denen sie Sex hatten. Sie zählen jetzt – es ist viel banaler: Schritte. Macht ja Sinn, denn auf grosse Summen kommt man per Schrittzähler-App definitiv schneller als in der Liebe. Egal ob Pokémon im Grossstadt- oder Punkte im Bonus-Dschungel: Das ergibt zahlenmässige Höhenflüge und jedem sein persönliches Olympia des Alltags.

Aber mal ehrlich: Zahlen, auch die vom besten olympischen Milli-Nano-Femto-Turbo-Sekundenmesser, bringen kaum jemanden zum Lachen. Nicht einmal zum Nachdenken. Sie SIND einfach. Ausser, wenn die Isländer mit ihren elektrisierten Bärten die Fussballwelt umarmen, sind die Spiele der Gegenwart irgendwie ziemlich humorlos geworden.

Was ist denn eigentlich mit dem wahren «Spiel» im Titel «Olympische Spiele» passiert? Bei einer Multiple Choice-Antwort stünden zurzeit «Standortmarketing» (Brasilien), «testosterongeladenes Muskelprotzen mit gefährlichen Spielsachen» (Waffenolympiade in Russland), «Arbeit am optimierten Menschen» (Oktober- Cybathlon in Zürich) und «Weiss nicht bzw. Politik» zur Auswahl.

Liebe Politik, lass uns doch bitte wieder ein bisschen lustig sein. Denn das «Spiel», die «Spiele», das «Spielen» können noch so viel mehr: nämlich den Raum des Politischen neu ausloten. Vergessen machen, was als gesetzt gilt. Neue Rahmen schaffen, ohne vorher schon den Weg zum Ziel zu kennen. Codes und Material vermischen. Selbstvergessenheit ermöglichen, die (vielleicht) in ein neues Bewusstsein mündet. Menschen zusammenbringen, die heiter und ohne Druck gemeinsam seltsame Dinge tun. Und nicht zuletzt: unendlicher Spass.

Darum rufen wir im Karl «The Hungerbühler Games» ins Leben, eine schlaue Theater-Talkshow, die sich an eine mögliche bessere und schönere Welt herandenkt. An der Zürcher Ausgabe des Berner «Mad Scientist Festival» richten wir einen Spielplatz mit intelligenten Gadgets ein, die die Welt bald braucht. Das Zukunftsznacht zum Thema «Sex» begibt sich in die gefährlichen Abgründe der heutigen Liebe und damit ins Emotionscasino. Und Fussball kucken wir sowieso. Die Karl Oktober-Spiele sind hiermit eröffnet.

Allez les bleus, faites vos jeux. Wir setzen im Oktober auf Rot.

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