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Do 14. November 19:00 Saal

Journalismus – Qualität auch in der Schelte

Die Spatzen pfeifen es mittlerweile von allen Dächern: Die schweizerischen Medien verlieren laufend an Qualität und es geht ihnen schlecht. Strukturwandel, Schelte vom Bundespräsidenten, Kritik von Seiten der Wissenschaft sind die Stichworte dazu. Wir haben festgestellt, dass vorwiegend Männer ab 50 diese Phänomene kommentieren und jüngere Frauen die Debatten im Höchstfall moderieren dürfen. Karl der Grosse dreht den Spiess um und lädt generationenübergreifend Journalistinnen und Redaktionsleiterinnen zur Debatte über Medienqualität. Geleitet wird das Gespräch von einem journalistischen Urgestein, notabene einem Mann.

Es diskutieren:
Susan Boos, Redaktionsleiterin WOZ
Isabelle Jacobi, Redaktionsleiterin Echo der Zeit, Radio SRF
Olivia Kühni, Handelszeitung
Karin Müller, Programmdirektorin Hitradio RTL
Klara Obermüller, Dr. phil., Publizistin

Moderation: Heiner Hug, Publizist, Gründer Journal21

Eintritt: 15.-/5.-

1 Kommentar

  • Sabine Gysi

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    Was für ein unbescheidenes Vorhaben auf Karls Bühne: auszuleuchten, wie es um die Qualität im Schweizer Journalismus steht. Was bedeutet überhaupt «Qualität» in diesem Kontext? Karin Müller fasst es so zusammen: Schlecht sei das Tendenziöse, auch der PR-Journalismus; gut das gepflegte Wort. Guter Journalismus brauche auch die richtigen Rahmenbedingungen; u.a. Zeit, Geld und übergeordnete Ziele. Isabelle Jacobi ergänzt, dass «guter Journalismus» eigentlich ein Pleonasmus sei.
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    Geht es den Schweizer Medien schlecht? Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Susan Boos gibt zu bedenken, dass nicht nach «gut» oder «schlecht» gefragt werden müsse, sondern danach, ob ein Verhalten schädlich sei – und spielt damit auf die «Skalpjägerei» von Medien wie der Weltwoche an. Jacobi: «Die Medien erfüllen ihre Wächterfunktion, aber sie tun dies überkandidelt und somit kontraproduktiv.»
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    Darin, dass der Zeitmangel und die Abhängigkeit von Werbegeldern auf die Qualität drücken, sind sich alle auf dem Podium einig. Heiner Hug, der Moderator mit Meinung, meint: Berichte in den Medien würden immer kürzer, ihnen würde die Tiefe fehlen und man traue dem Publikum nicht mehr zu, längere Berichte zu konsumieren. Die Podiumsteilnehmerinnen sind sich aber einig, dass kürzer nicht gleichbedeutend mit schlechter sei; im Gegenteil: Kurz schreiben sei etwas vom Schwierigsten, was es gibt, betont Klara Obermüller.
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    Werden eigentlich die Schweizer Medien immer weniger international? Tatsächlich spiegelten unsere Medien die Vielfalt und Internationalität unserer Gesellschaft nicht, so Olivia Kühni. Obermüller: In anderen Ländern seien allerdings die Medien noch viel stärker aufs eigene Land fixiert.
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    Wie geht es weiter? Sägen die Traditionsmedien durch ihre Online-Angebote wirklich an dem Ast, auf dem sie sitzen? Klar ist: In Zukunft werden Nischen noch wichtiger (Boos). Das Zusammenstellen und Selektionieren wird nicht aussterben, denn es ist ein Dienst, den die Leser schätzen (Jacobi). Soll der Staat eingreifen oder nicht; ist Medienkonsum ein «Gemeingut»? fragt Kühni. An diesem Punkt diskutiert das Publikum bereits rege mit. Und Heiner Hug fasst zusammen, man hätte heute Abend (fast) den Journalismus gerettet.
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