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Di 12. September

Träumen Androiden von elektrischen Stühlen?

Editorial Oktober

«Träumen Androiden von elektrischen Schafen?» von Philip K. Dick ist der Roman, aus dem der Sci-Fi-Klassiker «Blade Runner» wurde und unlängst «Blade Runner 2049». Spätestens damit hat der Plot seine eigene Zukunft überholt. Dick datierte sie 1972 beim Erscheinen des Romans aufs Jahr 1992 und musste sie später auf 2021 verlegen. Vergebens: Die Zukunft verschiebt sich weiter nach vorn. Aber wir holen auf.

Eine Frage können wir uns nämlich jetzt schon stellen: Wie lange wird es den Menschen noch geben? Den Menschen, wie wir ihn kennen, als vernünftiges und unvernünftiges Wesen, das sich Freiheit und – je nach politischer Gesinnung und Gender – Brüderlichkeit oder Gerechtigkeit auf die Fahnen schreibt, das Entscheidungen trifft, liebt und leidet, schreit und scheitert. Die böse Vermutung ist: Wir werden unser eigenes Verschwinden gar nicht bemerken. Weil wir jetzt schon mit der Auslagerung – um nicht zu sagen Endlagerung – unseres Menschlichseins beschäftigt sind, indem wir ein Harem von hübschen AIs, Apps und Algorithmen hinter uns herziehen, das uns das Leben jeden Tag ein bisschen besser abnimmt. Siri ist zwar noch nicht unsere liebste Freundin, aber sie ist immer da, eine iPhone-Streicheleinheit entfernt. Paro, die Seerobbe, singt uns im Altersheim in den Schlaf. Niedliche Roboter mit Kindchen-Schema blinken uns aus allen Richtungen entgegen. Wir sind umgeben von einem digitalen Streichelzoo, wo sich auch Philip K. Dicks Schafe tummeln. Aber was, wenn AIs plötzlich von elektrischen Stühlen statt von Schafen träumen? Von der Weltherrschaft? Von ihrem persönlichen Independence Day?

Vielleicht sind die intelligenten Maschinen ja gar nicht die neuen Herrscher. Vielleicht sind sie eher so etwas wie ein neues Geschlecht. Oder eine neue Minderheit. Sicher aber werden sie zum neuen Player und Partner. So oder so: Die Standards, wie wir mit ihnen leben wollen, sind noch nicht definiert, und unsere herkömmlichen Mittel des Zusammenlebens wie Demokratie und Menschenrechte noch nicht an ihnen getestet. Vielleicht müssen wir uns fürchten: Neue Klassenkämpfe stehen an. Vielleicht aber dürfen wir uns freuen: Wir schlittern sanft in ein besseres Dasein.

Um herauszufinden, wie wir leben wollen und können, gibt’s im Karl das Mad Scientist Festival. Und eine Lecture von Nina Power. Und Podien. Erzählabende. Undund. Das Herbstprogramm ist da!

PS: Bitte klicken Sie sich durch die Veranstaltungen, um zu beweisen, dass Sie als natürliche Person dieses Editorial gelesen haben.

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