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Mi 01. März Fr 31. März 2017 Karl der Grosse

Weiblich, sporno­sexuell und pringle

Editorial Februar/März

Der #schweizeraufschrei besitzt ein Hashtag – aber hat er auch ein Echo? Ein Echo, das nicht wie ein Bumerang gegen die Frauen zurückschlägt, die in den Geschlechterwald gerufen haben, in dem viele Männer wie Bäume stehen? Dieser Wald wird immer unsicherer. Aber nicht unbedingt für Frauen, sondern für die Männer: Die Zensurpeitsche sitzt jetzt nämlich locker. Und irgendwie machen die inter-genderösen Beziehungen nicht mehr so richtig Spass.

Hier geht es doch nicht um Spass, werden einige von Ihnen jetzt vielleicht denken (oder sogar #aufschreien), sondern um ein ernstzunehmendes gesellschaftspolitisches Problem, nämlich die fortwährende Diskriminierung von Frauen, die viele Gesichter, Gesten und Sätze hat. Stimmt. Doch eine Kriegserklärung an die Männerwelt ist eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Denn leider wird man beim Schreien höchstwahrscheinlich taub statt verständnisvoll. Die feministische Revolution ist nicht dann geschafft, wenn Männer verstummen oder sich schuldig sprechen, sondern erst, wenn sie tatsächlich verstehen, also: empathisch nachvollziehen können, was Frauen bedroht und verletzt.

Wer ist hier eigentlich das Opfer? Am besten keiner. Vielleicht ist des Aufschreis Echo nämlich ein Buch, das in den letzten Wochen nicht nur von Feministen aller Geschlechter, sondern auch der «Weltwoche» heiss diskutiert wurde: Mithu Sanyals «Vergewaltigung». Schluss mit der weiblichen Opferrolle, sagt die Autorin und erklärt auf unserem Podium im Gespräch mit Regula Stämpfli auch warum. Dasselbe meint Stefanie Sargnagel, Österreichs neues Must-have-seen-Girl (das ist die Steigerung von It-Girl) – selbst jahrelang Opfer von Fitness-Wahn, Bio-Müll und unterirdischen Jobs. Heute tanzt sie in billigem Kleid und Flohmarkt-Schuhen auf dem Wiener Opernball und stellt mit ihrem Leben alle möglichen Erwartungen an ihre Person, aber nicht sich selbst in Frage.

Wir bringen im März kein Frühlingsopfer. Aber grosses Kino (aus Spanien), hohe Meinungen, lange Tafeln und breite Akzente (Österreich).

Karl, küss die Hand.

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