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Wahlwochenende: An den zukünftigen Diener der Zürcher

Von Christoph Sigrist 6. Februar 2014 Keine Kommentare

Neulich sass ich mit einem Kollegen im Restaurant Mandarin bei der Predigerkirche. Wir diskutierten und redeten uns die Köpfe heiss. Da sah ich eine dorfbekannte Frau am Fenster vorbeigehen. Sie kam schwankend und geduckt durch die Tür, steuerte direkt auf die Theke zu. Mit einem überzeugenden Grundton in ihrer sonoren Stimme schrie sie in die Runde: «Und ich stimm sicher für de Filippo». Neben mir lag der aufgeschlagene Tagi mit dem Inserat für «Corine» und den vielen Prominenten, die sie unterstützen.

Hier das Dorforiginal für Filippo – dort die Prominenten für Corine. Bloggen heisst, Aktuelles aufzugreifen. Und topaktuell sind die Wahlen vom kommenden Sonntag.

Nachdenklich gehe ich ins Grossmünster, steige den Karlsturm hinauf, an unserem «Karl», der 3 Meter hohen Sandsteinfigur, vorbei und blicke auf die Dächer des nächtlichen Zürichs.

Ob Filippo, Corine oder Karl – wer im Schatten des Grossmünsters König oder Königin unserer Stadt werden möchte, kommt nicht an dem König vorbei, für den jede Stadtkirche steht und der jeden noch so grossen König und Kaiser vom hohen Ross fallen lässt.

«Unter euch soll es nicht so sein, sondern: Wer unter euch gross sein will, sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, sei der Knecht aller. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.» (Matthäus 10,45). Dies sagt der, der schon als Kind in der Krippe doch König aller Könige war.

Es sind Spuren des Königtums der Liebe, denen jede und jeder zu folgen hat, die als Königin oder König gewählt werden möchte. Fünf solche Spuren entdecke ich im Lichtermeer der Stadt vom Karlsturm aus:

1. Wer Stapi werden möchte, hat zu dienen. Wer über die Köpfe der andern hinweg regieren möchte und nur seine eigene Wahl im Blick hat, hat nichts zu suchen auf dem Thron und fällt bald vom hohen Ross.

2. Wer Stapi werden möchte, hat nicht nur seine eigenen Leute und seine eigene Partei im Blick, sondern hat sein Amt für alle Bewohnerinnen und Bewohner auszuüben.

3. Wer Stapi werden möchte, hat das Augenmerk auf die Minderheiten zu richten. Zürich ist nicht nur christlich, sondern auch muslimisch, jüdisch, hinduistisch, atheistisch, und und und – die Stadt Zürich ist ein Konglomerat von Minderheiten geworden, und allen hat der Stapi zu dienen.

4. Wer Stapi sein möchte, muss vorausschauen. Denn er hat auch denen zu dienen, die noch nicht geboren sind und die Jahrzehnte später auf seinen Entscheiden aufbauen müssen. Nachhaltig ist es, nicht nur in Bezug auf die Banken und KMU zu wirtschaften, sondern auch mit Blick auf die Zivilgesellschaft.

5. Wer Stapi werden möchte, muss das innere Feuer spüren, dem Volk zu dienen. Natürlich kann nur der ausgebrannt sein, der einmal brannte. Ein kleines Feuer zu haben ist nicht schlimm, doch kein Feuer zu haben, ist brandgefährlich. Wer dient, vergiesst Herzblut für den Dienst, sonst ist er nicht wählbar.

Das sind Spuren des Königtums der Liebe, die jede Stadtkirche den Bewohnern einer Stadt ans Herz legt, wenn sie wählen gehen. Und der Karlsturm erscheint mir an diesem Abend als Fingerzeig von oben – nämlich darauf zu achten, welchen Namen wir auf den Wahlzettel schreiben.

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