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Wann Sommer ist, bestimme ich

Von Brigitte Federi 1. Oktober 2014 Keine Kommentare

Badi Heuried. Bild: Brigitte FederiEs war an einem Sonntagnachmittag Ende August, als ich realisierte, dass ich die Kosten für mein im Mai voller Hoffnung gekaufte Badi-Saisonabo in diesem Jahr nicht herausholen würde.

Ich ärgerte mich über den schlechten Sommer und auch darüber, dass nun wieder acht Monate vergehen würden bis zum nächsten Saisonstart. Wo mir die Tage, an denen ich im See schwimme, doch die liebsten sind.

Ich ärgerte mich aber auch über verpasste Gelegenheiten, und weil sich die Sonne an diesem ansonsten verregneten und kühlen Sonntag endlich doch zeigte, packte ich meine Badesachen und zog los. Ich konnte mein Abo noch zwei Wochen lang brauchen und wollte damit gleich beginnen.

Die Badi Heuried war so gut wie leer. Auf dem Weg zum 50-Meter-Schwimmbecken begegnete ich einem verliebten jungen Paar und zwei gelangweilten Jugendlichen. Im Restaurant verpflegte sich eine Familie mit drei kleinen Kindern, und auf den Betonstufen längs des Schwimmbeckens sassen zwei ältere Damen, die, der Bräune nach zu urteilen, zum Inventar des Bades gehörten und ihre Tücher vermutlich bei jedem Besuch auf die exakt selbe Stelle legten. Sie halfen sich gegenseitig beim Kreuzworträtsel Lösen und musterten mich unverhohlen, als ich meine Sachen einige Meter entfernt von ihnen hinlegte und mich danach unter die Dusche stellte.

Das Duschgeräusch hatte auch den Bademeister aktiviert. Er legte sein Buch zur Seite und beobachtete mich von seinem Hochstuhl aus. Ich stieg ins Wasser, schwamm einsam meine Bahnen und hatte schon nach kurzer Zeit ein schlechtes Gewissen, weil er seinen Job auch bei einer einzigen Schwimmerin ernst nahm und mich nicht aus den Augen liess. Gerne hätte ich ihn weiterlesen lassen oder ihm zumindest einen eindrucksvolleren Schwimmstil präsentiert.

Ich fühlte mich ein bisschen besser, als sich der Bademeister des Nichtschwimmerbeckens zu ihm gesellte und ihn in ein Gespräch verwickelte. Bis sich die beiden nichts mehr zu sagen hatten und mir nun gemeinsam zuschauten. Es scheint etwas an der Aussage zu stimmen, dass ein schlechtes Gewissen ein guter Motivator sei – ich schwamm den geplanten Kilometer an diesem Sonntag nämlich in einer persönlichen Bestzeit.

Bis zum offiziellen Saisonende war ich dann doch noch einige Male im See. Und beschloss, dass ich es auch im Oktober nochmals schaffen würde. Wie auch im November und Dezember und überhaupt jeden Monat mindestens einmal, bis zum Start der offiziellen Badesaison im nächsten Jahr. Wie ich das genau umsetzen werde, weiss ich noch nicht. Aber ich habe mir ein neues Motto gesetzt: Wann Sommer ist, bestimme ich.

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