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«Warum kein Blumen-Kohl?»

Von Felix Ghezzi 6. Januar 2015 5 Kommentare

Blumenkohl. flickr.com, Ben Dalton, CC BY-SA 2.0Mein Aufruf im letzten Blogpost, die Ausstellung «Durch die Blume» (noch bis am 29. März 2015) zu besuchen und darüber zu berichten, hat keine Kommentare ausgelöst. Also stapfte ich zwischen Weihnachten und Neujahr durch den Schnee ins Museum Bellerive, um mir eine eigene Meinung zu machen.

Tritt man durch die Eingangstür des Museums, sieht man als erstes das geöffnete Gästebuch. Es ist sozusagen der Vorgänger des Kommentar-Feldes auf Websites, wo sich nicht nur Smileys in vielerlei Variationen und ungebändigt-freudige Ausrufezeichen tummeln, sondern auch hasserfüllte Zeilen von Wutbürgern. Das Thema der Ausstellung ist für letztere erwartungsgemäss wenig ergiebig. Trotzdem reizte es mich, einen Blick in das Buch zu werfen. Ich wählte die letzte Doppelseite für ein paar Kommentare zu den Kommentaren.

«Eine Vase ist eine Vase ist eine Vase. 14.12.14 Chiara, Yvonne»
Eine sehr schöne Anspielung auf den berühmten Satz «Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose» von Gertrude Stein. Allerdings handelt es sich bei dem Gästebucheintrag um ein Zitat – einer der Räume dieser Ausstellung ist so betitelt – und ist also keine Eigenleistung der Schreiberinnen. Aber vielleicht wollten die mir unbekannten Chiara und Yvonne ihre Ratlosigkeit darüber ausdrücken, wieso es so viele Vasen gibt, die mit Blumen verziert werden. In diesem Fall bin ich ganz ihrer Meinung: Blumen gehören IN die Vase, und eine Vase ist eine Vase.

«Wohl etwas viele alte Sachen …. OK, aber dann ist der Titel falsch. Bi.»
Lieber Herr oder liebe Frau Bi., was den ersten Teil Ihres Kommentars betrifft, so gehe ich mit Ihnen einig, dass die Ausstellungsgegenstände vom 4. Jahrhundert bis heute reichen und – ausgenommen der eingestreuten Kunstwerke von lebenden Künstlerinnen und Künstlern – die unmittelbare Gegenwart etwas zu kurz kommt. Ihre zweite Aussage kann ich drehen und wenden wie ich will; ich verstehe sie nicht. Da liegt es fast auf der Hand zu fragen: Was wollen Sie «durch die Blume» sagen?

«Ciao!»

«Warum keinen Blumen-Kohl?»
«Ein Mickey Mouse ist ein Mickey Mouse ist ein Mickey Mouse»: Wie bei den Vasen, so soll es auch bei den Krawatten sein – es gehören weder Mickey Mouses noch Smileys drauf. Ich war erleichtert, dass nicht auch noch Krawatten neben Glaskunst, Keramik, Kleidern, Möbeln und Plakaten mit Blumenmotiv ausgestellt wurden. Keine Frage, die rund 300 Exponate aus den verschiedenen Sammlungen des Museums für Gestaltung sind kein Kohl, sondern auserlesen und von höchster Handfertigkeit. Aber irgendwie wirkt die Ausstellung auch sehr beliebig zusammengewürfelt.

«Geile Blumi!»
Die seltsame Formulierung dieses anonymen Besuchers ist etwas irritierend. Das Adjektiv muss sich wohl auf das Kunstwerkt «Aufstellblümchen» von Stefan Damming beziehen. Diese interaktive Installation aus Ripstop-Gewebe steht vor dem Eingang des Museums und liegt dort schlaff am Boden, ehe ein Gebläse losgeht und die künstliche Blume bei voller Pracht über drei Meter Höhe erreicht. Dazu aus dem Begleittext verharmlosend: «… denn auch die künstlich beatmete Tulpe unterwirft sich dem Kreislauf des Werdens und Vergehens». Interessanterweise ist es so, dass die Erotik der Blume, wie sie in der Kunst zum Beispiel bei Georgia O`Keeffes berühmten Blumenbildern zu finden ist, in der Ausstellung kein explizites Thema ist.

«Blumen sind einfach … schön!»
Müsste ich anhand der Ausstellung eine These aufstellen, so würde sie vereinfacht lauten: Das Kunsthandwerk sucht direkt die Schönheit, die zeitgenössische bildende Kunst sucht die Schönheit via Zerstörung oder Dekonstruktion. Die offensichtlichsten Beispiele für die bildende Kunst sind die beiden Videos von Ursula Palla. In «flowers I» kann man zusehen, wie ein Blumenstrauss explodiert, in «black flowers», der im «Salle de Bains» des Museums auf das Fenster projiziert wird, klatschen leuchtend bunte Blumen auf das weisse «Glas» und fallen oder rutschen lädiert an der Fensterscheibe herunter.

«Es hat uns gefallen! 26.12.14 [und in anderer Schrift darunter:] Und zwar sogar sehr. U. Götschi und Familie»
Es hat mir auch gefallen – ohne Ausrufezeichen, und mit den Einschränkungen, die in meinen anderen Kommentaren zu lesen sind.
 
 
Bild: Ben Dalton, flickr.com, CC BY-SA 2.0

5 Kommentare

  • Beatrice

    Dass Du, Felix Deinen Karl-Blog mit dem Bild eines Romanesco (ein edler Blumen-Kohl) eröffnest, hat mich sehr angesprochen. Dieses Gemüse finde ich einfach ein Wunder der Natur, ein wahres Kunstwerk. Das ist auch passend, weil das Restaurant Karl sehr gut geführt ist und leckere Sachen anbietet. Wolltest Du das »Durch die Blume« sagen?
    Ich wünsche Dir viele spannende Impulse im noch jungen 2015.
    Herzlich Beatrice

    • Felix Ghezzi

      Liebe Beatrice, die Bildauswahl wurde durch Karl der Grosse gemacht, und ich wusste nicht mal was davon. Ich vermute wie du, dass es ein versteckter Hinweis auf die gute Küche vom Karl-Restaurant ist. 😉
      Danke für deine Zeilen und auch dir ein wunderbares 2015!
      Herzlich, Felix

  • Alper

    Lieber Felix, es ist wirklich immer wieder spannend, wie du an Orten wie hier, an dieser Ausstellung, Dinge siehst und sie betrachtest. Ich finde das wunderbar, danke.
    Es gibt noch eine Kleinigkeit: Heisst es „Warum keinen Blumen-Kohl?“ oder „…kein Blumen-Kohl?“ Und warum nicht Blumenkohl? Ach, immer diese Fragen….
    es grüsst Alp

    • Felix Ghezzi

      Lieber Alper, vielen Dank für die Blumen!
      Was den Blumen-Kohl-Satz betrifft, so muss ich zugeben, dass da die offenbar unausrotbare Titelraupe zugeschlagen hat: Froh, den Titel für die Story gefunden zu haben, pflanzt man ihn über den Text und glaubt, er komme ohne Pflege – sprich Korrekorat – aus. Nicht richtig hingeschaut, hat niemand die Titelraupe bemerkt; und weg waren die beiden Buchstaben „en“. Nun hoffe ich, dass wenn du diese Zeilen liest, der Text keinEN Fehler mehr hat.
      Herzliche Grüsse
      Felix

  • Lieber Alper, lieber Felix

    Wir von der Redaktion freuen uns über aufmerksame Leser und Autoren! Tatsächlich ist das Weglassen des „en“ im Titel redaktionelle Willkür, aber mit einem Grund: Ganz aus dem Kontext gerissen gibt es nämlich keinen Anlass für einen Akkusativ; die Leser würden im Titel über diesen stolpern. Den originalen Gästebuch-Eintrag im Text hingegen habe ich so belassen, wie er war. Ich gebe zu: inkonsequent. Aber mit System 😉

    Schöne Grüsse
    Sabine Gysi, Programmleitung Karl der Grosse

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