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Was mir am Escher-Wyss-Platz alles fehlt – und was nicht

Von Martina Bischof 27. September 2013 3 Kommentare

Ein wenig empfinde ich den Escher Wyss Platz, unten rum, auch als Tor aus der Stadt hinaus. Oben drüber fahrend ist das eine ganz andere Geschichte. Bleiben wir beim Tor.

Ich amüsiere mich in der Regel täglich zwei Mal, wenn ich mit meinem scheppernden Rad in diesen Raum hineinmanövriere, unter der Brücke hindurch, konzentriert selbstverständlich, denn es ist eine gewisse Versiertheit vonnöten, um die kreuz und quer – quasi wild – im Asphalt eingelassenen Schienen orthogonal zum Fahrverlauf zu befahren und nicht zu verunfallen. Das geschickte Steuern macht Spass – mir jedenfalls. Meiner Ansicht nach darf es getrost seine improvisierte Ausstrahlung behalten, das herrlich unfertig wirkende Stück Escher-Wyss-Platz.

Allerdings ist mein Genuss kein Massstab für gelungene Planung. Immerhin ist im Schienen-Zirkus schon manch ein Artist auf zwei Rädern zu Fall gekommen, was die eine oder andere planerische Konfusion vermuten lässt. Doch ich bleibe dabei: in erster Linie mag ich den Escher-Wyss-Platz.

Mir gefallen die grossen geschwungenen Treppenaufgänge mit ihren hölzernen Handläufen. Es fehlt mir allerdings ein anständiger Kiosk. Mir, und einigen anderen Personen auch. Es gibt weitere Dinge, die mir fehlen, und andere wiederum dünken mich komplett überflüssig. Ich finde nämlich auch, dass man den Platz nicht allzu sehr bespielen oder gar säumen sollte. Zum Beispiel mit pizzaofenartiger Kunst.

Natürlich sieht man bei genauem Betrachten, was ich selber lange vor mich hergeschoben habe, dass es sich bei den fünf Backsteinskulpturen um sorgfältig gemauerte Schrauberaufsätze handelt. So wertschätze ich das gute Handwerk über alle Massen. Doch das sei mir nun nicht Gegenstand der Beobachtung. Vielleicht machen die Figuren Sinn im Kontext der verbliebenen umliegenden Industriesubstanz, doch vermögen sie nicht den Raum zu bereichern. Mein Auge empfindet die Skulpturen als mindestens unpräzise platziert wenn nicht gar beliebig aufgestellt.

Nun habe ich noch eine weitere persönliche Empfindung zum Thema, explizit gegenüber den zu- bzw. wegführenden Strassen um den besagten Platz. Entscheide ich mich nämlich an einem anderen Tag von der Hardturmstrasse her über die Heinrichstrasse heim zu fahren, schaffe ich es kaum, mich nicht jedem entgegenkommenden Autofahrer als verwirrte Ortsunkundige zu präsentieren, was ich nicht bin. Natürlich zieht es mich, wie jeden anderen Organismus mit Plan, jeweils auf dem kürzesten Wege zum Ziel. So nehme ich jeweils unerlaubterweise den kürzesten Weg zur Heinrichstrasse hin, in diesem Sinne querfeldein. Die Strassenführung ist mir daher an gewissen Stellen an sich und auch in Bezug auf die angrenzenden Flächen und deren Funktionen unklar bis suspekt.

In ähnlicher Art kutschiere ich auf der Heimfahrt gen Limmatplatz jeweils unter der Brücke hervor und muss allermeistens abrupt abbremsen, um keine Tramfahrerin zu rammen oder einen frisch frisierten Herrn über den Haufen zu fahren.

In Bezug auf die Umständlichkeiten, die der von mir rege und gerne genutzte Escher-Wyss-Platz bietet, habe ich schon einige offene Fragen – aber lassen wir das. Was ich abschliessend und mit einem Funken Unrast gesagt haben möchte ist, dass er als Ganzes, vor allem in seiner dynamischen und zuweilen unperfekten Ausstrahlung, doch allerlei Potenzial böte zu Aktivität, potenter künsterlisch-kritischer Auseinandersetzung, einer Reflexion zur Stadt, grad in seinem temporären Dasein als unfertiger Ort in einer Stadt, in der es sich sehr ordentlich leben lässt.

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