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Wieso nicht einfach mal erwachsen werden?

Von Brigitte Federi 13. November 2013 2 Kommentare

Natürlich sollte ich darüber stehen, aber jedesmal, wenn ich Aussagen wie «40 ist die neue 30» höre oder lese, ärgere ich mich ein kleines bisschen. In diesem Jahr ist das schon so oft passiert, dass sich in mir eine beachtliche Menge Ärger angesammelt hat und ich diesen nun loswerden möchte. Und ein Blogpost eignet sich meiner Meinung nach bestens dazu.

Zur Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich aber doch versucht, Aussagen wie die obige ganz sachlich zu überprüfen. Und einige Punkte gefunden, die ihr zumindest nicht Unrecht geben: Wir Menschen werden heute älter, heiraten später und kriegen später Kinder. Dank modernster Medizin, Wissenschaft und Technik verbessern wir unsere Gesundheit und verlängern so konsequenterweise auch unser Leben. Das chronologische und das biologische Alter können heute durchaus einige Jahre auseinander liegen.

Dann folgen die offensichtlichen Gründe: Die Sucht der heutigen Gesellschaft nach der ewigen Jugend, angetrieben von der Schönheitsindustrie, den Medien und Photoshop. Und von der Werbung, die uns auch gerne Models vorführt, die bis zu fünfzehn Jahre jünger sind als die Menschen, die sie verkörpern sollen.

Ich persönlich ärgere mich aber über ganz anderes. Zum Beispiel über Sätze wie «Mit 40 Jahren fängt das Leben an». Ich hätte da jetzt eher auf die Geburt getippt. Oder meinetwegen auf die 18, mit der die Volljährigkeit beginnt.

40 ist nicht die neue 30. Vierzig werden bedeutet, dass man seit vierzig Jahren auf diesem Planeten lebt, dass man in dieser Zeit eine Vielzahl an Erfahrungen gemacht und sich dabei hoffentlich auch weiterentwickelt hat. Und nicht einfach stehen geblieben ist vor zehn Jahren. Wer das nicht einsehen möchte, sollte sich vielleicht einige Minuten lang intensiv im Spiegel betrachten.

Ob die Ziele, die man sich einmal gesetzt hat, mit vierzig erreicht worden sind, scheint mir unwichtig. Da muss auch kein Baum gepflanzt, kein Haus gebaut und kein Kind gezeugt worden sein. Einst gesetzte Ziele dürfen über den Haufen geworfen werden. Aber absoluter Stillstand? Den kann sich heute doch sowieso niemand mehr leisten – ausser man hat sich zum Ziel gesetzt, die Welt um einen herum schon bald nicht mehr zu verstehen.

Nun gut, als wir dreissig wurden, hat die Welt uns erzählt, 30 sei die neue 20. Sollen wir deshalb konsequent als zehn Jahre jüngerer Mensch durchs Leben ziehen, bis die Sache irgendwann dann eben doch auffliegt? Die Medien präsentieren uns dazu gerne und regelmässig Promibilder mit hohem Fremdschäm-Faktor.

Wo liegt denn das Problem? Liegt es an der Erkenntnis des eigenen Zerfalls oder seid Ihr unzufrieden mit der momentanen Lebenssituation und möchtet Geschehenes rückgängig machen? Dass das nicht funktioniert, weiss bereits mein Kindergartenkind. Und dass Ihr mit zunehmendem Alter vergangene Situationen anders bewertet und anders angehen würdet, beweist doch eben genau diese Lebenserfahrung, über die Ihr Euch freuen solltet.

Überlegt doch: Wenn 40 die neue 30 ist und 30 die neue 20, dann ist 20 die neue 10. Erzählt das mal einer Zwanzigjährigen!

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2 Kommentare

  • […] anderen Blatt beklagt sich jemand über eine schamlos selbstbewusste Altersklasse und fühlt sich in der eigenen, natürlich älteren Altersgruppe schrecklich […]

  • rittiner & gomez

    sie sprechen uns aus der seele. wir sind 53 und fühlen uns so.

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