Menu

Winterreden 2018: Christa Rigozzi

Von Christa Rigozzi 15. Januar 2018 Keine Kommentare

Guten Abend! Guten Abend, liebe Zürcherinnen und Zürcher!

Soeben hat es 6 Uhr geschlagen. Deshalb begrüsse ich Sie ganz herzlich zum heutigen Sächsilüte. Am Sonntag, dem 4. März 2018, müssen Sie alle einen wichtigen Entscheid fällen. Und ich rede nicht von No-Billag, denn als freie Mitarbeiterin des Schweizer Fernsehens darf ich Ihnen nicht empfehlen, diese Initiative abzulehnen. Nein, ich rede von einem Entscheid, der für die Zukunft dieser wunderschönen Stadt weitreichende Folgen hat. Am 4. März wählen Sie den neunköpfigen Stadtrat und die Person, die ihn präsidiert. Am 4. März geht es also für Zürich nicht nur um No-Billag, sondern auch um No-Corinne oder No-Filippo. Für mich als Stimmbürgerin wäre dies ein schwieriger Entscheid. Denn ich liebe die Frauenpower von Corinne Mauch, und ich liebe die Italianità von Filippo Leutenegger. Wenn es Ihnen ähnlich geht wie mir, schlage ich Ihnen einen gutschweizerischen Kompromiss vor: Wählen Sie mich!

Ich bin eigentlich die perfekte Mischung aus Corinne Mauch und Filippo Leutenegger. Ich habe definitiv mehr Italianità als Corinne Mauch. Und ich habe ganz bestimmt mehr Frauenpower als Filippo Leutenegger. Und ich kenne die Stadt Zürich besser, als Sie denken. Ich bin so oft mit meinem Auto in Zürich unterwegs, dass ich die Stadt besser kenne als jeder Taxifahrer. Gut, das ist in Zürich manchmal nicht besonders schwierig. Wenn man in Zürich einen Taxifahrer nach dem Weg fragt, muss er oft sehr lange überlegen.

Ich laufe fast jedes Jahr als Ehrengast am Zürcher Sächsilüte mit und gelte unter Zürchern schon als so etwas wie Ein-Mann-Frauenzunft. Meine Tracht: oben stilvoll, unten Stilettos. Aber schon seit Jahren moderiere ich die Weinausstellung Expovina am Bürkliplatz und durfte an vielen Veranstaltungen auf den Weinschiffen die wichtigsten politischen Repräsentanten von Stadt und Kanton Zürich persönlich kennenlernen. Ich weiss also ganz genau, welche Zürcher Politiker Wasser predigen und Wein trinken. Und ich kann Ihnen versichern, als neue Stadtpräsidentin würde ich Ihnen garantiert immer reinen Wein einschenken.

Und ich wohne eigentlich schon lange in Zürich. Nicht zmitzt z’Züri, sondern e bitzeli ausserhalb. Im schönsten Vorort der Stadt Zürich, in Monte Carasso. Das ist gleich bei Bellinzona. Aber wenn ich am Morgen mit dem Zug von Bellinzona nach Zürich zur Arbeit fahre, bin ich schneller am Hauptbahnhof als einer, der von Brüttisellen mit dem Auto kommt. Ich bin sowieso fast öfter in Zürich als in Monte Carasso. Deshalb erscheine ich auch jedes Jahr im “Who is Who“ der prominentesten Zürcherinnen und Zürcher. Aber ich schwöre Ihnen: Ich war noch nie, noch gar nie in meinem ganzen Leben im “Who is Who“ von Monte Carasso.

So sehr ich Zürich auch liebe, als Stadtpräsidentin würde ich natürlich auch ein paar Dinge verändern. Den Slogan für meinen Wahlkampf würde ich von Donald Trump kopieren und leicht verändern: “Make Greater Zurich even greater“. Donald Trump würde wahrscheinlich als erstes eine Mauer errichten an der Kantonsgrenze zum Aargau. Und die Aargauer müssten dafür bezahlen. Ich hingegen würde mich dafür einsetzen, dass alle Aargauer, wie alle anderen Schweizerinnen und Schweizer auch, jederzeit nach Zürich einreisen dürfen, ohne Visum und ohne Impfung.

Als Tessinerin habe ich seit neustem einen guten Draht ins Bundeshaus. Deshalb würde ich unseren neuen Aussenminister Ignazio Cassis nach Zürich einladen zu einem Abendessen, sagen wir im Tessin Grotto auf dem Waidberg. Und dann, beim Schlummertrunk in der Lugano Bar, würde ich ihn bei einem Glas Merlot fragen, ob er als Bundesrat nicht dafür sorgen könnte, dass Zürich endlich zur Hauptstadt der Schweiz ernannt wird. Natürlich könnte das Stadthaus in Zürich nicht bleiben wo es ist. Ich würde es zügeln, vom düsteren Stadthausquai an den sonnigen Tessinerplatz.

Die Sonnenschutzmassnahmen von Filippo Leutenegger auf dem Sechseläutenplatz und dem Münsterhof sind ja gut und recht. Aber ich finde, Zürich braucht nicht mehr Sonnensegel, sondern mehr Regenschirme. Deshalb würde ich veranlassen, dass der Grossmünsterplatz im Winterhalbjahr überdacht wird. Dann müssen Sie alle bei den Winterreden in Zukunft auch nicht mehr frieren. Mit seinen vielen Strassencafés und dem wunderschönen See hat Zürich im Sommer einen mediterranen Charme. Den würde ich unterstützen, und alle Bäume, die diesen Winter auf der Seepromenade am General-Guisan-Quai entfernt worden sind, durch Palmen ersetzen. Damit die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Zürich schon im Frühling im See baden können, würde ich mich dafür einsetzen, den Zürichsee zu heizen. Selbstverständlich mit Sonnenenergie aus dem Ticino.

Ich freue mich sehr, dass in diesem Jahr das erste Autorennen der Formel-E in Zürich stattfindet. Ich habe aber eine neue Bedingung für die Organisatoren. Ich will unbedingt mitfahren. Ich finde, es ist auch eine tolle Idee, dass Zürich wieder darüber nachdenkt eine Seilbahn aufzustellen, die von der Landiwiese über den See zum Zürichhorn führt. Diese Seilbahn würde ich in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Verkehrsbund und Zürich Tourismus gerne verlängern: vom Zürichhorn hinauf zum Zoo, und von dort über die ganze Stadt hinweg hinüber auf den Üetliberg. Ich bin sicher, Üetliberg-Wirt Giusep Fry würde sich darüber freuen. Im Winter könnte man die Seilbahn dann sogar noch um eine Haltestelle erweitern. Vom Üetliberg geht es dann non-stop auf das Davoser Jakobshorn zum Skifahren.

Dank meinen exzellenten Beziehungen könnte ich dafür sorgen, dass die beiden Zürcher Fussballclubs, der FC Zürich und die Grasshoppers, nach meiner Wahl endlich wieder in einem richtigen Stadion Fussball spielen können, im Stadio Comunale di Bellinzona.

Ein ewiges Ärgernis in Zürich sind die fehlenden Parkplätze. Ich bin von meinem Hotel in Zürich West aus schneller hier am Grossmünsterplatz, wenn ich mein Auto in Bellinzona parkiere und mit dem Zug zurückkomme, als wenn ich hier im Kreis 1 einen Parkplatz suche. Das möchte ich gerne ändern mit einem durchgehenden unterirdischen Parkhaus zwischen Bellevue und Central. Überall in Zürich stehen mittlerweile schöne, neue Velos herum, die gegen eine Gebühr benutzt werden können. Das finde ich natürlich eine gute Idee. Aber noch besser fände ich, wenn die Stadt Zürich denselben Service anbieten würde mit Pedalos. Man steigt am Bellevue ein, trampt ein bisschen, parkiert am Hafen Enge und lässt das Pedalo stehen, damit natürlich der Nächste wieder zurück pedalen kann.

Natürlich würde ich mich als erstes darum bemühen, den Gotthardtunnel zu verlängern. Man fährt in Ascona hinein und kommt an der Brunau wieder heraus. Auch das politische System möchte ich gerne verändern: weniger Bürokratie, mehr Show! Wenn ein Stimmbürger ein Anliegen hat, dann tritt er vor dem versammelten Gemeinderat ans Rednerpult und trägt sein Anliegen vor, live übertragen in der Arena-Reporter. Wir vom Stadtrat sitzen in der Jury, und jeder von uns hat einen roten Buzzer. Wenn einer von uns das Anliegen ablehnt, drückt er auf den Buzzer. Und bei neun Buzzern muss der Stimmbürger das Rednerpult sofort verlassen. Als Stadtpräsidentin hätte ich selbstverständlich einen goldenen Buzzer. Wenn ich da drauf drücke, wird das Anliegen des Stimmbürgers sofort umgesetzt. Ich habe eigentlich nur ein Problem, wenn ich als Stadtpräsidentin von Zürich kandidiere: die Sprache. Züridüütsch isch cheibe schwierig. Wennd als Tessinerin wöttsch schnurre wiene Zürcherin, chunnsch imfall Vögel über. Ich glaub, ich chegg das nie. Deshalb werde ich in diesem Jahr schweren Herzens auf eine Kandidatur verzichten. Aber ich fange heute schon damit an Zürichdeutsch zu lernen, und versuche es dann vielleicht im Jahr 2022 mit dem Slogan “Ich bin e Zürcherin“.

Danke vielmals!

Themen:
Neueste Artikel von Christa Rigozzi

Kommentieren