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Winterreden 2018: Daniel Egli

Von Daniel Egli 19. Januar 2018 Keine Kommentare

Soo, de letschti Gloggeschlag vom Grossmünschter verklingt.
Es hät gschället, Fründe! Ja, es hät würkli gschället.
“Jetzt häts gschället” heisst’s amigs im Hallestadion, wenn eine uf d’Strafbank muess. Also, wenn eine vo dene zahlucke-grinsende Schwede im Dress vo de Leue some Luganesi de Stock zwüsched d’Scheiche ghämmeret hät. Oder suscht öppis bosget hät. Denn hät’s gschället. Und es hät eine öppis bosget, Fründe. Oder besser gsait eini: d’Stadt Züri!

Für d’Stadt Züri hät’s da und jetzt, a dem regnerisch-chalte Januarabig 2018 gschället. Und es gäbt kein bessere Ort für das, als da, im Schatte vom gröschte Wahrzeiche vo dere Stadt, uf de Kanzle vo eim vode gröschte Monarche ide europäische Gschicht. Es gaht so nüm wiiter, liebi Bürgerinne und Bürger vo däre alt-, bequem- und fuul-gwordene Dame “Stadt Züri”.

Wie e sexuell frustrierti mittel-alterlichi Jungfere laht sich d’Stadt Züri hützutags unufgregt und willelos triibe im Strom vo de Aapasstheit, em Wohlstand und de Harmonie. Eusi aktuell (und wenn’s nöd mit em Tüüfel zue und her gaht au künftigi) Magistratin hät erst chürzlich im freisinnige Aazeiger vo de Falkestrass äne gsait: “Unsere Bevölkerung will kein Spektakel!”

Fründe, mit dem sind ihr gmeint! Ihr da une under eune Regeschirm.
Ihr wänd kei Spektakel? Und s’schlimmste isch: wahrschinli hät die gebürtigi US-Amerikanerin us em Aargau ja sogar no Recht. Ihr sind alt, bequem, riich und fuul worde.

Die meischte vo eu sind wahrschinlich gedanklich scho sit mim vierte Satz am überlegge, i welles verruckte Restaurant ihr den hüt Abig chöntet gah. Am beschte so es Pop-Up-Ding, wo’s bachne, nepalesische Yak-Milch-Chääs mit Granatöpfel-Cherne, grööschtete Pinie, iranischem Honig und glutefreiem Riis-Mehl-Brot zur Vorspiis git. Eifach will mer’s chan.

Und nacher am beschte no zum Samir is Kosmos. Eis go näh. So en Turicum-Gin mit Bio-Zitrone-Raschpel und eme imfall ganz spezielle Tonic-Water vome chline Getränkehersteller us Lausanne. Und s’ganze choschtet den 28 Franke pro Glas. Eifach will mer’s chan. Und ja, de eint oder ander vo eu findt’s villicht au nöd lässig, dass das Kosmos etz halt i däre Europa-Allee staht. Und ja, mer muess imfall scho luege, dass s’Quartier nöd kaputt gaht. Aber de Samir isch ja glich en Guete. De macht tolli Sache. Dänn gaht mer de Kompromiss halt ii.

Kompromiss, Fründe, das isch s’Hauptproblem!
Es git nüt wo das Land, d’Schwiiz, e so guet uf de Punkt bringt wie das: en Kompromiss. Oder ebe, en guet-schwiizerische Kompromiss. Das mached mir doch ständig.

Ja, ich flüg zwar as Mariah-Carey-Christmas-Konzert für ein Abig uf London. Aber defür iss ich imfall nume eimal pro Wuche Fleisch, tuen mini Wohnig nöd fescht heize und zahl inen CO2-Fonds ih. Halt en Kompromiss.

Verstöhnder was i mein? Oder, in Züri isch s’Wort villicht z’wenig hip. Ja, in Züri macht mer kei Kompromiss, da machemer Deals. Ich zahle 200 Stutz in CO2 Fonds ich, defür jag i tuusigi Liter Kerosin zwüsched Klote und Heathrow id Atmosphäre! Deal?

Mir macheds eus demit doch z’eifach. Obwohl, das isch ja glaubs eifach Common Sense i dem Land. Ich mein, in Bundes-Bern: Wer will Bundesrat werde i dem Land, de brucht folgendi Eigeschafte: Dossier-fescht muess mer sii, am beschte lösigsorientiert, möglichst nöd us Züri
UND kompromissbereit.

Und gnau das isch de Grund, werum sich den sogar US-amerikanischi Late-Night-Shows zu Recht fröged: Wie chan so en ältere Maa, wo usgseht wie e Mischig us Papst Franziskus und Papa Moll, wo öppe so sprützig und früsch e Reed haltet wie en sit 2 Wuche abgloffne Kopfsalat, wie nume, chan so eine Präsident vo de Schwiiz werde? D’Amerikaner checket das mit de 7 Bundesrät und em Turnus vom Bundespräsidentenamt ja nöd. Det staht den eifach ide Buchbinde vom Herr Amman sinere “Rire est bon pour la santé-Reed“: “President of Switzerland“.

Und ich finde, sie händ Recht! I de Schwiiz werded, mal abgseh vo dere churze Episode vom muffe Schreihals us Herrliberg, immer “Kompromiss” als Bundesrät gwählt. Also de wo am wenigschte weh tuet. De rechtischt vo de Linke und de linkscht vo de Rechte. Und das isch ja nume d’Spitze vom Iisberg.

Au i de Parlament operiert mer nume mit Kompromiss. Schrittli für Schrittli, jaa nöd z’gsprengt. Nüt überhaschte. Es isch so wahnsinnig fescht gfahre. Niemert chunnt mit würkli grundlegende Änderige. Es isch immer scho im vornerein klar, d’Meinige sind gmacht, und zwar vo Rechts bis Links. D’Lösige beweged sich im minimale Spannigsfeld zwüsched de gmachte Meinige uf em aller, aller chlinschte gmeinsame Nenner.

Und ich weiss was ihr jetz denked: “Das isch sit Jahre s’Erfolgsmodell vo dem Land. Das isch d’Basis vo dere sogenannte Willensnation Schwiiz.“ Will mer alli so wahnsinnig kompromissbereit sind, gits wenigschtens immer e Lösig. Das heisst aber au: Lieber e schlechti Lösig, als gar kei Lösig. Mir baued euses Land uf schlechte Lösige uuf. Uf de Minimalforderige. Das bringt – zuegäh, es laht sich nöd wegdiskutiere – Stabilität. D’Ornig wird ufrecht erhalte. Aber gahts au fürschi?

Und es füehrt zunere furchtbare und grassierende Politverdrosseheit vom Stimmvolk. Mir beweged eus irgendwo um 40 Prozent durchschnittlichi Wahlbeteiligung bi nationale Abstimmige. Bi kantonale und städtische Vorlage sogar no tüüfer. Die grossi Mehrheit vo de Schwiizer interessiert sich kein Füechte für die vo de Politik präsentierte Kompromiss. Usnahme sind natürlich die polariserende und hüfig radikale Volksbegehre vo de Partei vom muffe, riiche Schreihals us Herrliberg. Und dasch doch eich gföhrlich. Under anderem weg dem händ Parteie wie d’AfD z’Dütschland so en grosse Zuelauf. Sind drittstärchschti Chraft im dütsche Bundestag. In Berlin gseht mer d’Demokratie in Gfahr. Ich selber finde denn us Schwiizer Sicht immer: Mached eu kei Sorge. Bi eus sind d’Rechtspopulischte scho sit Jahre im Parlament. Sind sogar stärchschti Chraft im Nationalrat und stelled zwei Bundesrät. Aber dasch es anders Thema.

Wichtig isch, natürlich gits scho hüt politischi Strömige, wo nöd vo ihrne Maximalforderige abrucked. D’AfD in Dütschland oder de Front National in Frankrich. Oder au die extremi Linki. Nume, die würed, wenn’s es plötzlich chönted, immer nume die dur ihres politische Couleur gfärbte, gliche Maximalforderige beschlüsse. Nume kompromisslosi extrem-rechti oder extrem-linki Politik füehrt is Verderbe. Da bin i bi eu.

Aber was wär, wenn’s mal so, mal so wär? D’Frag isch gsii: “Wie reagiere, wenn eusi Stadtpräsidentin glaubt z’wüsse, mir welled kei Spektakel?

Ich wür es Experiment vorschlah: Under dere Chile da äne, tüüf under de Pflasterstei vom Niederdorf, i de Krypta vom Grossmünster, trohnt en ehemalige Kaiser. En Monarch. De isch nie en Kompromiss iigange. De hät entschiede, mal so, mal andersch. Aber mitere Minimalforderig hät dä sich sicher nie z’friede gäh. Werum nöd das wieder mal probiere?
Wie wär’s mit eme König vo Züri? Eme Maa, wo sich selber scho mit em ehemalige französische Kaiser Napelon vergliche hät. Wo sini Meinigsverschiedeheite no mit de Füscht klärt. Und wo über es Ego verfüegt, so gross wie s’Matterhorn.

Stelled eu vor: Sini Majestät, Christian Constantin de erschti, König vo Züri!

Eifach mal als Experiment. Was chönnt scho gross schief gah? Guet, als erschts wür sini Majestät Constantin wahrschinli de Stadtclub und GC fusioniere zum neue Club: Fuessball Club Christian Constantin Züri… Also: Fc CCZ

Züri bechämt innerhalb vo drü Mönet s’gröschte Fuessballstadion vo de Schwiiz. De Gmeindrat wür abgsetzt werde und dur sin Sohn, de neu ernännti Prinz Barthélémy vo Züri ersetzt. Als königliche Chef-Berater quasi. S’Fraumünster wür vermuetli in Rolf-Münster umtauft werde, und de Fringer müesst det jede Mittag under de Chagall-Feischter parat stah, dass em sini Mäjestät en Ging is Füdli chan gäh, wenn er grad en schlechte Tag gha hät.

Mit all dem müesst mer denn wahrschinlich zwar läbe, Aber en Zürcher König Constantin wäri ganz sicher en kompromisslose Regent. Er wür nur no Maximalforderige erfülle. Aber halt uf beide Site vom politische Couleur. Eimal bechömed die was wänd, und denn wieder die andere.

Ich mach es Biispiel:
Züri wird (öppis für d’SP, die Grüene und d’AL) durchgehend autofrei. De ÖV wird massiv usbaut und es git nume no modern usbauti Velo-Schnellroute.

Defür wird jedes Huus wo i dere Stadt bsetzt wird, sofort und kompromisslos gruumet. Glichziitig werded d’Stüüre für die Riiche und d’Unternähme massiv gsenkt. Die öffentlich Verwaltig und Bürokratie du es Minimum abbaut und, es Verhülligsverbot beschlosse.

S’Uto-Kulm wird zume gigantische Wellness- und Spa-Resort erwiiteret, mit grosser Zuegangsstrass zmitzt dur d’Wildschutzzone…

Ich chan eu würkli nöd säge, ob Züri nach vier Jahr mit sinere Majestät Christian Constantin de erschti, König vo Züri, besser dra wär als hüt.
Sicher isch aber: Züri wär sehr viel spektakulärer als hüt.

I dem Sinn danke für d’Ufmerksamkeit, en wunderschöne Abig eu!

Und Vive le Roi!

Winterrede von Daniel Egli, Stadionspeaker FCZ

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