Menu

Züri-Saga Teil 3: Was bisher geschah

Von Daniel Mezger 4. Januar 2016 Keine Kommentare

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Abend dann doch noch ganz schön wurde. Nach den Unannehmlichkeiten da in der Stüssihofstatt war er dann ja zum Glück doch noch nicht zu Ende. Es ging dann ja erstmal noch weiter, erst in die Kronenhallenbar, die lag ja damals noch da hinten oben, Elsässergasse 162, unten im Keller, man musste den Klingelcode kennen, um eingelassen werden, fünfmal lang, achtmal kurz, dreizehnmal lang, dann durfte man rein, ja, die illegalen Bars, das war das, was Zürich ausmachte, damals, und das waren noch die guten Zeiten, denn die Zeiten waren alt und wir waren noch jung. Und anschliessend ging es dann ja noch ins Odéon, das hatte damals noch länger auf und man durfte auch noch rauchen und es lag damals ja noch unten an der Riviera, wer weiss denn heute noch, wo die Riviera liegt? Und warum die Eltern unserer Eltern unseren Eltern gesagt hatten, sie dürften da nicht hin. Rauchen und Trinken und Rumlungern war ja damals noch verboten. Und wir rauchten und tranken und lungerten rum, bis auch das Odéon schloss, aber zusammenfassend kann man sagen, dass es doch noch ganz nett wurde, denn es ging ja dann erstmal noch weiter, noch kurz in die Gräblibar, die lag ja damals noch ganz woanders, aber ganz genau könnten wir nun auch nicht mehr beschreiben wo, denn der Abend wurde eher noch spät und es ging dann mit dem ersten Tram nach Hause, denn Zürich liegt nun mal nicht gänzlich im Dörfli, auch wenn uns viel am Dörfli liegt und seinen Dörfligeschichten.

Zusammenfassend könnte man sie so erzählen: Der Abend begann ja erstmal noch wie immer, wie immer hatten erstmal die immergleichen Damen Bardienst, also vor der Bar, und also sass da wie immer Laura mit ihrer Sinnkrise, Maria von Fellenberg mit ihrem Tee und dem abge-spreizten Finger und Klara Übersax genannt Bäbe, wobei das nun vielleicht doch etwas kom-pliziert wird und wir könnten zusammenfassend sagen, dass Klara von Fellenberg an der Bar sass. Sie war ja damals noch ein aktives Mitglied der LVB. – LVB? Sagt mir jetzt nichts? – Lose Vereinigung Barkante. Und man traf sich wie immer am Stammtisch, der hiess ja damals noch „Alte Weiber am Ecken“ und war kein Tisch und der stand damals ja noch gleich da auf diesem kleinen Platz, ein Platz wie eine kleine Empore da bei der Stüssihofstatt, da wo sie später diesen Brunnen hingemacht haben. Den hatten sie von drüben, von der anderen Flussseite hier hochgeschleppt, keine Ahnung, was sie dort stattdessen hingebaut haben, viel-leicht das Fraumünster, vielleicht den Jelmoli, aber seien wir ehrlich, da rüber gehen wir lieber nicht. Wir blieben lieber da vor Ort, Stüssihofstatt, wie gesagt, denn damals war noch Tee nach dem Markt und damals war noch Schuss im Tee und damals war man noch im Schuss. Aber zugegeben, man war schon voll bis zur O.U. – O.U, sagt mir jetzt nichts, was soll das heissen, voll bis zur O.U.? – Na, Oberkante Unterlippe. – Ach so, na klar, na gut, na, damals hiess man ja noch lustiges Völklein und noch nicht das böse Wort mit A und die Runde war dann doch recht traut, wie man so sagt, denn links kamen die verschämten Männer aus dem Sexkino, das dort damals noch in Betrieb war, und die Männer waren immer in Eile, wenn sie auf die Gasse traten, und rechts hatten sie die Strasse aufgerissen, entweder nur mal noch schnell was an den Kabeln machen, einer muss ja zum Rechten schauen, oder es kam irgend-was Neues hin, schliesslich war Zürich schon damals gebaut und schliesslich musste es schon damals ständig umgebaut werden. Und schlussendlich war da nun also so ein Loch und man schaute hinein und schon wieder so eine verfickte Tonscherbe, aber damals sagte man ja noch nicht verfickt, man sagte verflucht oder man schwieg und dachte sich seinen Teil. Rechts jedenfalls die offene Strasse und darunter, oh Wunder, ebenfalls eine Strasse und auf den Knien die Männer mit ihren Pinseln in der Hand, römische Pflastersteine brachten sie zum Vorschein und sie jubilieren, ein gehöriger Katzengesang das, aber zusammenfassend kann man sagen, dass es heiter klang und dass Sommer war, und die Archäologen waren noch jung und wenn man jung ist, arbeitet man im Unterhemd, das kann man hier ja schon auch noch sagen.

Und auch wenn Laura nicht allerbester Laune war, weil sie dies nie war, kann man sagen, dass es zusammenfassend hoch her ging in der Runde, die Damen von Übersax, Laura, die ihren Schal vergessen hatte und daher ihr Leben hinterfragte, Stadtrat Eddie Frecher, die schöne Frau vom schönen Emil und die schwangere Blinde, die nichts nehmen durfte, aber jetzt erstmal nicht nach Hause kam, weil die ja wieder alles aufgerissen hatten hier, und wie soll man denn da durchkommen so ganz ohne Überblick? Aber das waren ja noch die Zeiten, wo man auch mal später nach Hause gehen durfte, auch wenn es damals noch die Polizeistunde gab, aber bis dahin war ja noch etwas Zeit. Und die Archäologen winkten, und knieten den Damen zu Füssen, da auf ihren römischen Pflastersteinen und es hätte immer so weitergehen können, seien wir mal ehrlich.

Und es hätte ja eigentlich ein ganz netter Abend werden können, wäre da nicht dieser Fahr-radfahrer angefahren gekommen. Hätte er nicht mit dem Finger seinen Hut angetippt, den man damals noch trug und damals noch zog oder antippte, um Damen zu begrüssen. Der Fahrradfahrer begrüsste auch die Herren Archäologen in ihrem Loch: Habt ihr was gefunden? Es ging ein bisschen hin und her mit ein paar Erklärungen und ein paar Nachfragen und Scherze gab es auch, denn zwischendurch kamen ein paar aus dem Sexkino, aber die hielten sich nicht lange auf. Und man kann das überspringen und man kann es sagen, wie es war und dass der Fahrradfahrer Rolf Hiltl war, und auch war er der Grund, warum hier alles abgerissen wurde. Er werde hier bauen, sagte er, ein neues Lokal, sagte er, das sei schön, sagte er, und ja, das sei doch kein Problem, das hier alles, sagte er, und im Keller seines neuen Lokals habe auch eine Römerstrasse Platz, sagte er, die dürfe man gerne ab und zu anschauen kommen, sagte er, und auch die Damen seien willkommen bei ihm, alle seinen Willkommen, so ein schöner Ort, so schön, dass ich das hier machen darf, schön werde das, er freue sich jetzt schon. Und die Damen freuten sich nicht so und das sah dann auch Herr Hiltl ein und um die Sache kurz zu machen, kann man abkürzen und sagen, dass er die Sache bis zum Eintreten der Freude etwas abkürzen wollte und drum nestelte er an seinen Innentaschen herum und zog ein paar Plastikkarten heraus und überreichte sie möglichst vielen der hier bald nicht mehr Anwe-senden. Und alle sahen sofort, worum es ging, nur die blinde Schwangere musste nachfragen. Ein Gutschein für mein neues Lokal sagte Herr Hiltl, 500 Franken, sagte er, man muss ja auch mal grosszügig sein, sagte er, und er müsse jetzt leider weiter, sagte er.

Und man sass erst noch länger da, da wo man bald nicht mehr länger würde sitzen können, und man steckte die Plastikkarte ein, denn man muss sich dem Neuen ja nicht verschliessen, und man sass mit verschlossenen Gesichtern da, bis eine vorschlug, man könne ja noch ein Haus weiter, irgendwas hat bestimmt noch auf, und das war dann schon auch irgendwie die Rettung des Abends, denn wie gesagt, zusammenfassend wurde der dann doch noch ganz schön der Abend.
Damals da in Zürich.

Themen:
Neueste Artikel von Daniel Mezger

Kommentieren