Menu

«Zurich. Gold Made.» Ein paar Ideen wie wir unsere Stadt mit neuem Nationalbank-Gold schmücken könnten

Von Silvan Gisler 27. November 2014 1 Kommentar

Weise Wesen denken in Varianten. Nehmen wir darum mal an, die Goldinitiative wird am Sonntag angenommen: Dann sollten wir uns schnell überlegen, wohin mit dem ganzen unverkäuflichen Gold. Sicher nicht unter Berner Erde! Das wäre Verschwendung. Für Zürich hingegen ergäben sich damit ungeahnte, kreative Entfaltungs-Möglichkeiten. Zeit für eine Liste.

Als Pizarro und seine Männer die Städte der Inkas sahen, trauten sie – so sagt man – ihren Augen kaum ob des funkelnden Goldes auf all den Dächern und Strassen. Der Inka Atahualpa hingegen verstand die Spanier nicht, denn Gold hatte hier keinen besonderen Wert, war im Überfluss vorhanden, war einfach Material. Gold im Überfluss hätte auch die Schweiz bei Annahme der Goldinitiative. Eine nicht wünschenswerte Option zwar, aber wie sagt man so schön: «Think positive» Und da wir es nicht verkaufen könnten, könnten wir es wie Atahualpa machen und eine unserer Städte – sagen wir eigennützig Zürich – damit verschönern. Zürich sollte sich also antizipativ bei der Schweizerischen Nationalbank als Hort-Standort für das Gold bewerben. Denn Verwendungszwecke hätten wir zur Genüge:

1) Rausch vergolden
Während einige Schweizer offenbar goldtrunken sind, will die Stadt Zürich nüchtern werden: Denn auch wenn’s kaum einer weiss, stimmen wir in Zürich am Sonntag auch über die Ausnüchterungszelle ab. Die Ausnüchterungszellen könnten mit Gold verziert werden und so den Räuschlingen beim Aufwachen das von ihnen soeben erträumte Schlaraffenland liefern. Für diese Dienstleistung könnte die Stadt von ihren unfreiwilligen Gästen gleich noch mehr Nachtspesen verlangen, als sie es bereits tut.

2) Golden Gate Bridge – aber richtig!
Die Buchteinfahrt in San Francisco bekam während des kalifornischen Goldrausches den Namen «Golden Gate», weshalb die dortige Brücke der Welt seit damals sinnigerweise als Golden Gate Bridge bekannt ist. Doch die Hängebrücke aus belanglosem Stahl hätte nichts mehr zu melden im Vergleich mit dem neuen Prunk-Stück aus Zürich: Vom Limmatplatz aus über den Letten auf die andere Fluss-Seite erstrahlt die Hängebrücke aus purem Gold und ersetzt die alte glanzlose Kornhausbrücke. Das macht auch historisch Sinn: Wurde im Zeitalter der Agrikultur die Kornhausbrücke gebaut als Verbindung zu den städtischen Kornhäusern, so braucht es im zukünftigen Zeitalter der Goldhortung auch eine neue Brücke mit neuem Namen.

3) Valser Quarzit war gestern
110‘000 Steine, 3500 Tonnen: Die Stadt Zürich hat sich nicht lumpen lassen bei ihrem Vorzeige-Platz aus Valser Quarzit. Zugegeben, er sieht sehr schön aus. Doch schlussendlich ist der Quarzit, auch wenn er aus Vals kommt, eigentlich auch nur: Stein. Weitaus weniger profan wäre da am Ende eines Opernabends der Ausblick auf eine goldene Wiese. Die Goldbarren wären zum Bepflastern bestens geeignet. Und gegen die Prunk-Manege hätte sicher auch die Familie Knie nichts einzuwenden. Auch bei diesem Vorschlag fehlt natürlich die historische Reminiszenz nicht: Wurden während des Zweiten Weltkriegs im Sinne der Ernährungssicherheit und -autarkie auf dem Sechseläutenplatz Kartoffeln angepflanzt, so ist es nichts als konsequent, hier in dieser erneuten Anbauschlacht Gold hinzupflastern.

4) Gold statt Atom unter der ETH
In Zeiten, wo Atom als Lösung für alles erschien, planten die Stadtoberen aus Zürich zusammen mit dem Schulrat ein Kernkraftwerk unter den Studentensälen der ETH. Die Pläne wurden nie realisiert – stattdessen könnte der Raum dort nun jedoch mit Gold gefüllt werden. Selbstverständlich nicht einfach mit simplen Barren, sondern mit von Schweizer Goldschmieden zu Kunstwerken gefertigten Ausstellungsobjekten. Resultat: Ein Goldmuseum von Welt-Format, welches denjenigen von Lima und Bogota in nichts nachstehen würde.

5) Hafenkran vergolden
Kunstwerke sind immer auch Quelle gesellschaftlicher Dispute. Um sinnbildlich an die ausufernden Kosten-Diskussionen rund um den Hafenkran zu erinnern, könnte die Stadt diesen vergolden lassen – womit erst noch allfälligen Skandalen um giftigen Rostschutz vorgebeugt würde.

Goldene Hängebrücken, goldene Plätze, goldene Hafenkräne, goldene Ausnüchterungszellen, Gold-Museum – die Stadt Zürich wäre um ein paar Sehenswürdigkeiten reicher und die Schweiz um eine Möglichkeit, wie mit unverkäuflichem Gold dennoch gewirtschaftet werden könnte. Davon würden alle profitieren: Bürger, Hotels, Restaurants, Souvenir-Shops, Helvetia… Zürich würde zur Gold-Stadt und Zürich Tourismus gleich auch mit einem neuen Slogan beschenkt: «Zurich. Swiss Class. Gold Made.»

Weitere Vorschläge?

1 Kommentar

  • Antoine Schnegg

    Lieber Silvan

    Wir sollten dem Namen der Goldküste alle Ehre machen und zumindest die S-Bahn Gleise vergolden. Was wir an der Pfnüselküste machen könnten, ist mir noch nicht ganz klar.

    Cheers
    Antoine

Kommentieren